Karel Brunner
Karel Brunner (1895–1944) wuchs im südböhmischen Soběslav bei Tábor (deutsch Sobeslau bei Tabor) in einer kinderreichen tschechisch-katholischen Familie auf. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Angehöriger eines österreichisch-ungarischen Schützenregiments teil, bis er Anfang 1917 in russische Kriegsgefangenschaft geriet. In Russland schloss er sich der Tschechoslowakischen Legion an – einem Freiwilligenverband, der sich innerhalb der russischen Armee für die nationale Unabhängigkeit von Österreich-Ungarn einsetzte. Ende 1920 kehrte Karel Brunner in seine Heimat zurück und heiratete. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Beschäftigter bei der Finanzbehörde in Tábor.
Karel Brunners patriotische Haltung zeigte sich in seiner Mitgliedschaft in der Turnerbewegung Sokol, auch war er in der Ortsgruppe Tábor des Československá obec legionářská (Tschechoslowakischer Legionärsverband) organisiert, in der sich ehemalige Legionäre zusammengeschlossen hatten. 1937 wurde er Mitglied der Československá strana národně socialistická (Tschechoslowakische Volkssozialistische Partei), einer gemäßigt linken, staatstragenden Partei, zu deren führenden Persönlichkeiten Staatspräsident Edvard Beneš gehörte.
Nach der deutschen Okkupation wurde Karel Brunner mutmaßlich vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Wovon er seinen Lebensunterhalt bestritt, ist nicht bekannt. Im Sommer 1942 soll ihn der später mitangeklagte Jaroslav Vacek (1894–1944) – mit dem er sich während der gemeinsamen Zeit in der Legion angefreundet hatte – zu einer Besprechung mitgenommen haben. Dort erfuhr er der Anklage zufolge von dem später ebenfalls mitangeklagten Josef Hofman (1912–1944) von der Existenz eines regionalen Netzwerks des Ústředni národni revolučni výbor (Zentraler nationaler Revolutionsausschuss), einer kommunistisch dominierten Sammlungsbewegung, die patriotische Kräfte in ihre Reihen integrieren wollte. Später wurde er dem Ausschuss für den Kreis Tábor zugeteilt und mit der Bildung einer eigenen Gruppe beauftragt. Brunner gelang es, František Marek (1901–1944), den Mann seiner Schwester Růžena Marková, für die Bildung einer eigenen Ortsgruppe im etwa 40 Kilometer von Tábor entfernten Pelhřimov zu gewinnen. Außerdem nahm er an Treffen mit Hofman teil und übermittelte Gelder zur Unterstützung des illegalen Netzwerks.
Anfang Februar 1943 wurde Karel Brunner in Tábor verhaftet. Über das Polizeigefängnis Theresienstadt und Prag folgte ein Jahr später die Überführung nach Dresden. Am 22. Mai 1944 verurteilte der Volksgerichtshof Karel Brunner und die fünf Mitangeklagten zum Tode. František Marek hatte bereits im Vormonat ein Todesurteil erhalten. Am 23. August 1944, dem Tag seiner Hinrichtung, wurde der gläubige Katholik von dem katholischen Gefängnisseelsorger Pater Franz Bänsch betreut, über den die Witwe auch ein letzter Gruß ihres Mannes erreichte. Fünf Tage nach der Hinrichtung wurde Karel Brunner auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I bestattet. Warum er – anders als die meisten katholischen Hinrichtungsopfer – nicht auf dem Neuen Katholischen Friedhof beigesetzt wurde, ist unbekannt.
Als 1976 eine Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I eingerichtet wurde, wurden die Überreste des im selben Grab bestatteten und zusammen mit Karel Brunner verurteilten Josef Pejchar dorthin überführt, Karel Brunners Leichnam blieb jedoch als vermeintlich deutscher im Grab. Kurz nach der Einweihung der Anlage bat eine in Dresden lebende Nichte im Namen der vier noch lebenden Geschwister Karel Brunners die Friedhofsverwaltung, das inzwischen eingeebnete Grab wieder aufzubauen, was auch geschah. Kurz darauf bemühte sich die Familie erfolgreich darum, Karel Brunners Namen auf die Gedenkwand gravieren zu lassen: Er wurde als letzter – außerhalb der alphabetischen Reihenfolge als letzter – hinzugefügt. Nun wünschte die Familie auch eine Überführung seiner Überreste in das Grabfeld 3I, doch dazu scheint es ausweislich des Bestattungsbuchs jedoch nicht gekommen zu sein. Nach 1989/90 wurden weder Karel Brunner noch die im selben Grab bestatteten beiden deutschen Justizgefangenen als Opfer im Sinne des Gräbergesetztes anerkannt.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: Mordregister II, Karel Brunner; R 3017/10760
- Sammlung Gedenkstätte Münchner Platz Dresden: Unterlagen Franz Bänsch (Kopie)
- Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs: E.1. Ehrenhain Widerstandskämpfer und Angehörige fremder Nationen
- Brunner Karel, Československá obec legionářská, legionáři, https://www.csol.cz/legionar/4013 (4.6.2026)
- Jitka Vandrovcová, Okupace v Táboře 1943, Husitské muzeum v Tábore, https://www.husitskemuzeum.cz/wp-content/uploads/2023/04/Okupace_web.pdf (4.6.2026)
| Name | Karel Brunner |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | tschechisch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz |
| Geburtsdatum | 23.10.1895 |
| Todesdatum | 23.08.1944 |
| Bestattungsdatum | 28.08.1944 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 4I |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
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