Karel Chlada
Karel Chlada (1905–1944) wurde in Třebotovice (deutsch Triebitz) – heute ein Teil von České Budějovice (Budweis) – im damaligen Österreich-Ungarn geboren, sein Vater war bei der Eisenbahn beschäftigt. Nach der Volksschule besuchte er eine Handelsakademie, die er mit dem Abitur abschloss. Seinen Militärdienst leistete er in der tschechoslowakischen Armee und ging anschließend über mehrere Jahre für Gelegenheitsarbeiten nach Frankreich, weil er in seiner Heimat keine Stelle fand. Dorthin zurückgekehrt, wurde er 1936 Buchhalter in einer Bäckereigenossenschaft und schloss sich der Komunistická strana Československa (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei, KPČ) an. 1937 heiratete er Marta Dlouhá, mit der er in Předboj bei Prag lebte, im folgenden Jahr kam die gemeinsame Tochter Marie zur Welt. 1939, im Jahr der deutschen Okkupation, wechselte er in die Konsumgenossenschaft „Včela“, 1942 wurde Karel Chlada schließlich Buchhalter bei einer deutschen Import-Export-Firma und bekam einen Sohn, Karel. Die Familie wohnte nun in Hovorčovice bei Prag.
Anfang September 1943 wurde Karel Chlada im Zuge einer Fahndungsmaßnahme der Prager Gestapo nach Personen, die illegal lebende KPČ-Funktionäre unterstützten, verhaftet. Noch in Prag wurde er zusammen mit den späteren Mitangeklagten der Justiz übergeben, die im November 1943 einen Haftbefehl gegen ihn erließ. Wegen der Überfüllung der Dresdner Haftanstalt in der George-Bähr-Straße wurde Karel Chlada bis kurz vor seinem Prozess in Bautzen inhaftiert.
Am 27. April 1944 verurteilte der Volksgerichtshof in Dresden Karel Chlada und fünf weitere Angeklagte zum Tode, drei der Angeklagten erhielten Freiheitsstrafen. Ihm wurde vorgeworfen, auf Veranlassung des Mitangeklagten Ludvík Trejbal, seinem vorgesetzten Arbeitskollegen, im Sommer 1943 Arbeitsbücher besorgt zu haben, um einem illegalen KPČ-Funktionär zu helfen, seine Identität zu verbergen. Zudem sollte ihn Trejbal gebeten haben, heimlich Firmengelder zu verleihen, um damit illegale Kommunisten zu unterstützen. Weiter wurde Chlada vorgeworfen, sich an Paketsendungen für Kommunisten in Konzentrationslagern beteiligt zu haben. Das Gericht wertete diese Aktivitäten als bedeutende Förderung der illegalen KPČ. Chladas Wahlverteidiger, der Dresdner Rechtsanwalt Joachim Vogel, der vor Gericht für eine Zuchthausstrafe plädiert hatte, bemühte sich anschließend um eine Umwandlung der Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe. Er argumentierte, sein Mandant sei ein kleiner Mitläufer, der nur auf Weisung seines Vorgesetzten und Sorge um seine Stelle gehandelt habe. Auch Marta Chladová bat bei verschiedenen NS-Instanzen um Gnade für ihren Mann, ihren Gesuchen legte sie Fotos der beiden Kinder bei. Karel Chladas Wunsch, seine Kinder – an denen er sehr hing – ein letztes Mal zu sehen, ging nicht in Erfüllung. Aufgrund der Aussichtslosigkeit unterließ sein Anwalt die Beantragung.
In der Todeszelle trat Karel Chlada mithilfe eines evangelischen Dresdner Gefängnisseelsorgers Ende Mai 1944 in die Evangelisch-Lutherische Kirche ein, worüber dieser Chladas Heimatpfarrer informierte, der die Nachricht Chladas Ehefrau übermittelte.
In seinem Abschiedsbrief kurz vor der Hinrichtung am 2. August 1944 wünschte Karel Chlada, dass seine Tochter Ärztin werden möge und sein Sohn evangelischer Pfarrer. Am 8. August 1944 wurde Karel Chladas Leichnam auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 1F bestattet. In den 1960er-Jahren besuchte Karel Chlada junior das Grab seines Vaters, 1976 wurden dessen Überreste in eine Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I überführt.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 3017/12800
- Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: f. Osvědčení podle zák. Č. 255/1946 Sb., č. j. 64378/68
- Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz
| Name | Karel Chlada |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | tschechisch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 4 |
| Geburtsdatum | 15.08.1905 |
| Todesdatum | 02.08.1944 |
| Bestattungsdatum | 08.08.1944 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 1F
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach Grabfeld 3I (1976) |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
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