Marie Cibulková

Foto von Marie Cibulková im Turnkleid, das sie ihrer Tochter in ihrem Abschiedsbrief zugedachte, 1920er-Jahre

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Porträt von Marie Cibulková, 1930er-Jahre

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Marie Cibulková (sitzend, erste von rechts) mit der Sokol-Frauengruppe anlässlich des 30-jährigen Gründungsjubiläums des Verbandes in Prag-Pankrác, Juni 1925

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Gedenktafel für Marie Cibulková in Prag-Nusle, Sinkulova 511/46

© Spolek pro vojenská pietní místa, Josef Kareš, 2011, www.vets.cz/vpm/mista/obec/1006-praha-4/Sinkulova (6.7.2026)

Marie Cibulková, geb. Grasserová (1888–1944) wurde am 1. Februar 1888 im Prager Stadtteil Nusle als Tochter einer Näherin und eines Handschuhmachers geboren. Schon als Kind wurde sie Mitglied der patriotischen Turnbewegung Sokol. 1908 heiratete sie František Cibulka, mit dem sie 1909 einen Sohn und im folgenden Jahr eine Tochter bekam. In der 1918 gegründeten Tschechoslowakei schloss Marie Cibulková sich der Československá strana národně socialistická (Tschechoslowakische Volkssozialistische Partei) an, die sie im Gemeinderat von Nusle vertrat und in deren Frauenvereinigung sie sich ebenso engagierte wie als ehrenamtliche Jugendfürsorgerin. Zudem war sie weiter im Sokol aktiv und leitete seit 1930 eine Sokol-Gruppe im Stadtteil Pankrác. 1928 brach Marie Cibulková mit der römisch-katholischen Kirche – vermutlich deshalb, weil diese Bindung sich nicht mehr mit ihrem Selbstverständnis als nationalbewusste und fortschrittliche Tschechin nicht mehr vereinbaren ließ – und schloss sich der Církev československá (Tschechoslowakische Kirche, heute Tschechoslowakische Hussitische Kirche) an.

Marie Cibulková unterstützte den bürgerlich-militärischen Widerstand gegen die deutsche Okkupation aktiv: 1940 verbarg sie den von der Polizei gesuchten Funktionär der Obrana národa (ON, Verteidigung der Nation) Emanuel Patera etwa neun Monate lang im Haushalt ihrer Tochter, und zudem unterstützte sie – vermutlich auf Vermittlung Pateras – weitere untergetauchte Funktionäre der ON mit Bürgerlegitimationen, Waffen und Verbandstoffen, bei deren Beschaffung sie der später mitangeklagte Josef Stibor sie unterstützte, der ihr unter anderem einen Revolver nebst Munition aushändigte.

Im November 1943 wurde Marie Cibulková verhaftet, in der Gestapo-Haft in Prag schwer misshandelt und zum Ausgraben der Waffe gezwungen. Noch in Prag wurde sie der Justiz übergeben, Anfang Mai 1944 für den Prozess nach Dresden überführt und dort am 11. Juli 1944 vom Volksgerichtshof zusammen mit Josef Stibor und Anna Šrámková, die diesem die Waffe übergeben hatte, zum Tode verurteilt. In ihrem Abschiedsbrief, kurz vor der Hinrichtung am 11. Oktober 1944, schrieb sie – von der Zensur notdürftig ausradierte, aber lesbar: „Smrt bude pro mne již vykoupením (Der Tod wird für mich schon eine Erlösung sein)“.[1]Marie Cibulková an Josefa Dragonová, 11.10.1944, privat. Ihrer Tochter wollte sie mit einem Foto, das sie in Turnkleidung zeigt, in Erinnerung bleiben. Marie Cibulkovás Überreste wurden am 17. Oktober 1944 auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I beigesetzt und 1976 in eine Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I überführt.

In den ersten Nachkriegsjahren wurde die Erinnerung an Marie Cibulková in der Volkssozialistischen Partei und im Sokol wachgehalten. Im Oktober 1947 ließ die lokale Parteiorganisation zusammen mit der Frauenabteilung des Sokol Pankrác an ihrem früheren Wohnhaus in der Sinkulova-Straße 46 in Prag-Pankrác eine Gedenktafel anbringen. Im folgenden Jahr erhielt eine angrenzende Straße den Namen „Marie Cibulkové“. Mit der kommunistischen Diktaturdurchsetzung wurde es in der Öffentlichkeit still um Marie Cibulková.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv: R 3017/348
  • Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz
  • Svaz osvobozených politických vězňů [Verband der befreiten politischen Gefangenen] (Hg.), Hlas osvobozených [Die Stimme der Befreiten], 17.10.1946
  • Božena Kubičková, Ústředí žen Československé strany národně-socialistické Zentrale der Frauen der Tschechoslowakischen Volkssozialistischen Partei] (Hg.), Národně socialistické ženy v národním odboji 1938–1945. Příspěvek k historii českého odboje [Volkssozialistische Frauen im nationalen Widerstand 1938–1945. Ein Beitrag zur Geschichte des tschechischen Widerstands], Prag 1947
  • Birgit Sack, „Kdybych tak mohla zhasnout doma v koutku na zemi“. Marie Cibulková. Odboj, pronásledování a vzpomínání [„Wenn ich doch nur zu Hause in einer Ecke auf dem Boden einschlafen könnte“. Marie Cibulková. Widerstand, Verfolgung und Erinnerung], in: pamět’ a dějiny 2024/01, S. 3–13

Name Marie Cibulková
GeburtsnameGrasserová
Geschlechtweiblich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum01.02.1888
Todesdatum11.10.1944
Bestattungsdatum17.10.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4I
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach
Grabfeld 3I (1976)
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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