Alfred Frank
Alfred Frank (1884–1945) wurde in Lahr (Baden) als eines von 16 Kindern des Ehepaars Wilhelmine und Max Frank geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und absolvierte eine Lithografen-Lehre, parallel dazu besuchte er die Kunstgewerbeschule in seiner Geburtsstadt. 1906 zog er nach Leipzig, wo er zunächst Abendkurse an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe besuchte und ab 1911 regulär studierte, bis er 1915 als Soldat am Ersten Weltkrieg teilnehmen musste, zunächst in der Nähe von Ypern (Belgien). Während seines Einsatzes hielt er in seinen Bildern nicht die Schrecken des Krieges fest, der Krieg war hier nur über Spuren vermittelt. Wie andere Frontkünstler sandte er seine Bilder an die Presse, und zum Kriegsende 1918 stellte er seine Kriegsradierungen der Illustrirten Zeitung zur Verfügung.
1923 schloss Alfred Frank sein Kunststudium ab. Politisch orientierte er sich an der KPD, deren Kampf für eine proletarische Revolution er auch mit künstlerischen Mitteln unterstützte – etwa als Pressezeichner für die Sächsische Arbeiterzeitung (SAZ), die KPD-Tageszeitung für den Bezirk Sachsen. 1925 heiratete er die Kommunistin Gertrud Graf. Ende der 1920er-Jahre gehörte Frank, der seine Werke ab 1924 mit einem (Sowjet-)Stern signierte, zu den Gründungsmitgliedern der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands (ASSO) in Leipzig, die ihr künstlerisches Schaffen als Waffe im Klassenkampf verstanden.
Mitte August 1933 wurde Alfred Frank nach einer Haussuchung durch die SA kurzzeitig im Leipziger Polizeigefängnis inhaftiert, Kunstwerke von ihm wurden beschlagnahmt. 1934 verurteilte das Landgericht Leipzig ihn zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe, weil er zwei Exemplare der nun illegalen SAZ weitergegeben hatte. In der Haft entstanden unter anderem Selbstporträts. Nach seiner Entlassung bis zum Sommer 1943 sind von Alfred Frank keine Widerstandshandlungen überliefert.
Da Frank sich mit seinen Landschafts- und Porträtzeichnungen bereits vor 1933 als Künstler auch jenseits des kommunistischen Milieus etabliert hatte, wurden seine Gemälde ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre bei allen Großen Leipziger Kunstausstellungen öffentlich präsentiert. 1936 gehörte Frank zu den Künstlern, die auf Einladung von Fritz Todt, dem Generalinspektor für den Straßenbau, die Wirkung der Reichsautobahnen in der Landschaft studierten. In diesem Rahmen entstandene Werke waren im selben Jahr in der Ausstellung „Die Straßen Adolf Hitlers in der Kunst“ in Breslau und München zu sehen. Frank lässt sich denjenigen Künstlern zurechnen, die zwar von Beschlagnahmung und Verfolgung betroffen, zugleich jedoch Teil einer „zweiten“ künstlerischen Öffentlichkeit jenseits der „Großen Deutschen Kunstausstellungen“ waren. [1]Jutta Held, Serielle Kunstgeschichte. Ein Beitrag zur Erforschung der künstlerischen Verhältnisse im 20. Jahrhundert, in: Martin Papenbrock/Gabriele Saure (Hg.), Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 2, Weimar 2000, S. 11–52, 44.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Frank als technischer Zeichner in einer Heizungsbaufirma dienstverpflichtet. Im Sommer 1943, als er den Krieg für Deutschland für verloren hielt, nahm er von sich aus Kontakt mit Otto Engert auf, den er als Vertreter der Kommunistischen Partei-Opposition kannte und der gerade mit Georg Schumann und Kurt Kresse eine überregional vernetzte Widerstandsgruppe in Leipzig und Umgebung aufbaute. Diese orientierte sich am Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD), das im Juli 1943 im Auftrag der Sowjetunion von der Exil-KPD unter deutschen Kriegsgefangenen gegründet worden war. Unter anderem entwarf Frank im Auftrag Engerts Kopfleisten für die illegalen Zeitung „Widerstand gegen Krieg u[nd] Naziherrschaft“ und gewann Wolfgang Heinze, den Juristen und Direktor der Köllmann Werkzeugfabrik, für die Mitarbeit im NKFD. Alfred Frank wird auch eine als Blech-Schablone ausgefertigte Grafik zugeschrieben, deren Abdruck sich auf Straßen und an Mauern in Leipzig fand.Sie zeigt einen Totenkopf mit Hakenkreuz und den Worten „Hunger! Alles das verdanken wir dem Führer“.
Nachdem das Widerstandsnetz durch einen V-Mann der Gestapo verraten worden war, wurde Alfred Frank am 19. Juli 1944 in Leipzig verhaftet. Bei dem Prozess vor dem Volksgerichtshof in Dresden am 23. November 1944 gegen 16 Angeschuldigte wurden Alfred Frank, Arthur Hoffmann, Georg Schwarz, Karl Jungbluth und William Zipperer zum Tode verurteilt. Am 4. Januar 1945, acht Tage vor seinem Tod, als Frank schon zur Hinrichtung geführt zu werden glaubte, kam es in der Haftanstalt in der George-Bähr-Straße– wie er in seinem Abschiedsbrief erwähnte – zu einem kurzen Wiedersehen mit seiner Frau Gertrud, die im selben Prozess zu einer sechsjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden war.
Am 20. Januar 1945 wurde Alfred Frank auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I beerdigt. Seine Überreste und die von neun weiteren Hinrichtungsopfern, die der Volksgerichtshof wegen ihres Engagements für das Leipziger NKFD zum Tode verurteilt hatte, wurden jedoch bereits im März 1946 – ein knappes Jahr nach Kriegsende – in den „Ehrenhain“ auf dem Südfriedhof in Leipzig überführt.
In der SBZ/DDR wurde an Alfred Frank als kommunistischen Künstler und Widerstandskämpfer vor allem in Leipzig im öffentlichen Raum und in Kunstausstellungen erinnert. Nachdem bereits August 1945 die heutige Tresckowstraße im Stadtteil Gohlis nach ihm benannt worden war, wurde die Namensehrung ein Jahr später auf die vormalige Quandtstraße in Leipzig-Schleußig übertragen, wo an seinem früheren Wohnhaus bis heute eine Gedenkstafel aufgebracht ist. Im DDR-Fernsehen wurde 1969 der Film „Der Maler mit dem Stern“ ausgestrahlt, „ein poetisches Essay, das Franks Bilder mit Zitaten aus Briefen und Tagebüchern verbindet“, ihn zugleich aber auch propagandistisch instrumentalisiert – etwa mit der Dokumentation der Verleihung des Ehrennamens Alfred Frank an ein Leipziger Artillerieregiments der Nationalen Volksarmee im Oktober 1968. [2]Filmdienst, der Maler mit dem Stern, www.filmdienst.de/film/details/56903/der-maler-mit-dem-stern (30.6.2026).
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 3018/1578
- Alfred Frank, in: Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (Hg.), Erkämpft das Menschenrecht. Lebensbilder und letzte Briefe antifaschistischer Widerstandskämpfer, Berlin (DDR) 1958, S. 159–161 (u. a. Abschiedsbrief, leicht gekürzt).
- Ursula und Michael Tschesno-Hell, Alfred Frank. Der Maler mit dem Stern, Berlin (DDR) 1971
- Filmdienst, der Maler mit dem Stern, www.filmdienst.de/film/details/56903/der-maler-mit-dem-stern (30.6.2026)
- Gerhard Bettermann (Hg.), 50 Jahre Asso in Leipzig, Leipzig 1979 (S. 6–30, Zur Geschichte der Leipziger Asso, S. 49–66, Alfred Frank))
- Jutta Held, Serielle Kunstgeschichte. Ein Beitrag zur Erforschung der künstlerischen Verhältnisse im 20. Jahrhundert, in: Martin Papenbrock/Gabriele Saure (Hg.), Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 2, Weimar 2000, S. 11–52
- Marcus Andrew Hurttig/Hans-Werner Schmidt, Atelier Schützengraben. Max Beckmann, Hans Alexander Müller und Alfred Frank zeichnen den Ersten Weltkrieg, Leipzig 2014
- Leipzig-Lexikon, Tresckowstraße, https://www.leipzig-lexikon.de/STRASSEN/08173.htm (30.6.2026)
- Leipzig-Lexikon, Alfred-Frank-Straße, https://www.leipzig-lexikon.de/STRASSEN/05061.htm (30.6.2026)
- Lost Generation Art, Alfred Frank, https://lostgen.art/frank.html (1.7.2026)
| Name | Alfred Frank |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | deutsch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz |
| Geburtsdatum | 28.05.1884 |
| Todesdatum | 12.01.1945 |
| Bestattungsdatum | 20.01.1945 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 4I
Exhumiert und überführt nach DE, Leipzig, Südfriedhof (28.02.1946) |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
Sollten Sie zu Personen oder deren Gräber über die Datenbank hinausweisende Auskünfte haben wollen, nutzen Sie bitte unser Online-Auskunftsformular.

