Josef Hartig
Josef Hartig (1871–1944) wurde in Tanvald (deutsch Tannwald) in Nordböhmen im damaligen Österreich-Ungarn als Sohn eines Glasschleifers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er in der Glasindustrie und in dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner deutschen Eltern, den er mit 21 Jahren erwarb. Mit seiner Ehefrau Antonie bekam er 1897 die Tochter Elfrieda und 1899 den Sohn Paul, der als Soldat gegen Ende des Ersten Weltkriegs starb.
Josef Hartig war seit 1900 in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei aktiv, die er seit 1912 auch im Stadtrat seiner Geburtsstadt vertrat, und engagierte sich zudem im örtlichen Arbeiter-, Turn- und Sportverein. Nach der tschechoslowakischen Unabhängigkeit 1918 wurde Josef Hartig Mitglied der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP) in der Tschechoslowakei, der Nachfolgeorganisation der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Als sich 1921 von der DSAP eine kommunistische Opposition von der DSAP abspaltete, die sich später mit der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei vereinigte, wechselte Josef Hartig zu dieser Partei und vertrat sie bis zur deutschen Annexion des Sudetengebiets 1938 auch im Stadtrat. Auch nach der Zerschlagung der Tschechoslowakei hielt er an seinen kommunistischen Überzeugungen fest. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs begann er, „feindliche“ Sender zu hören, vor allem den Moskauer Rundfunk. Seine Auffassung, Deutschland könne den Krieg nicht gewinnen, teilte er auch Bekannten mit. Außerdem initiierte er Geldsammlungen für die Angehörigen eines ins Konzentrationslager deportierten sowie für die eines geflohenen Kommunisten und spendete hier auch selbst. Ob sein Schwiegersohn Arthur Janouschek, ein überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der SA, ihn denunzierte, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass Janouschek nach Josef Hartigs Verhaftung Anfang August 1943 polizeilich aussagte, dieser habe Hitler die alleinige Schuld am Krieg gegeben und eine Abrechnung mit den Nationalsozialisten nach Kriegsende vorausgesagt.
Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Leitmeritz am 31. Mai 1944 wurde Josef Hartig zum Tode verurteilt, drei weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen. Hartig gab vor Gericht an, weiter kommunistisch gesonnen zu sein – er sei jedoch kein Theoretiker, sondern es sei ihm immer darum gegangen, die der Not der Armen zu lindern. Die Richter werteten Hartigs Tun nicht nur als Verstoß gegen die Rundfunkverordnung und das Verbot regimekritischer Äußerungen, sondern auch als Vorbereitung zum Hochverrat und als Feindbegünstigung, da er bewusst kommunistische Propaganda betrieben habe.
Nach dem Todesurteil wurde der 72-jährige Josef Hartig nach Dresden überführt. Am Tag seiner Hinrichtung, dem 26. Juli 1944, bat er seine Frau, am Grab der Familie Hartig auf dem Friedhof von Albrechtice v Jizerských horách (Albrechtsdorf) eine Erinnerungstafel an ihn aufzustellen, und er hoffte, dass seine Überreste dort beigesetzt werden könnten. Sein Wunsch nach Überführung ging allerdings nicht in Erfüllung, vielmehr sind seine Überreste bis heute im Grabfeld 1F auf dem Johannisfriedhof beerdigt, sein Grab ist durch das Gräbergesetz dauerhaft geschützt. Eine Tafel, die von Hartigs Hinrichtung durch Nazi-Schergen berichtet, ließen seine Angehörigen nach Kriegsende jedoch am Familiengrab anbringen.
Josef Hartigs Tochter Elfrieda Janouschek beantragte 1947 die Scheidung von ihrem Ehemann, der sich in die amerikanische Besatzungszone abgesetzt hatte, wegen dessen Schuld am Hinrichtungstod ihres Vaters. Als kommunistischer Widerstandskämpfer war Josef Hartig in die regionale Erinnerungskultur integriert. So erinnerte eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus an ihn, und die regionale Presse berichtete mehrfach über seine Verfolgungsgeschichte.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 3017/36628
- Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz
- Jan Křemen, Říkali mu zrádce, in: Noviny Jablonecka, 22.8.1959
- Zdeněk Frantál, Dopisy z vězení, in: Noviny Jablonecka, 9.5.1973
- „Válka jednou skončí a začne nový život“, in: Noviny Jablonecka, 31.7.1974
- Svoboda Mojmír und Andere, Památky dělnického a komunistického hnutí na severu Čech, Ústí nad Labem 1982, S. 129
| Name | Josef Hartig |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | deutsch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 4 |
| Geburtsdatum | 27.08.1871 |
| Todesdatum | 26.07.1944 |
| Bestattungsdatum | 31.07.1944 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 1F |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
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