Gertrud Heller
Gertrud Heller (1876–1943) kam 1876 in Gleiwitz (heute Gliwice, Polen) als drittes Kind von Klara und Edwin Huldschinsky zur Welt. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in einer wohlhabenden jüdischen Familie auf. Ihr Vater war Mitinhaber der Firma S. Huldschinsky & Söhne, eines bedeutenden oberschlesischen Unternehmens, das Röhrenwalzwerke betrieb. Später zog die Familie nach Berlin. Über Gertrud Huldschinskys schulische Bildung ist nichts Näheres bekannt.
1894, mit nur 18 Jahren, heiratete sie den aus Dresden stammenden jüdischen Juristen Ernst Heller (1864–1921). 1895, 1897 und 1902 wurden ihre Kinder Georg, Annemarie und Hubert in Berlin geboren. 1908 trat Gertrud Heller zusammen mit ihrem Mann zum evangelisch-lutherischen Glauben über, um 1914 zog die Familie nach Dresden. Seinen juristischen Beruf übte Ernst Heller spätestens seit dieser Zeit nicht mehr aus, sondern lebte von privaten Mitteln. Als er 1921 starb, ließ Gertrud Heller ihn auf dem Johannisfriedhof bestatten: 1927 wurde dort auch Anna Helena Heller (1901–1927) beerdigt, die Ehefrau von Gertrud Hellers Sohn Hubert.
Etwa zu dieser Zeit zog Gertrud Heller zurück nach Berlin, durch ihr Vermögen war sie sehr gut versorgt. Ab 1937 wohnte sie zusammen mit ihrer von deren „arischem“ Ehemann geschiedener Tochter Annemarie und ihrer Enkelin Marianne in der Ahornallee 50 in Berlin-Charlottenburg. 1939 nahm Gertrud Heller zudem ihre Schwägerin Josefine Huldschinsky (1870–1943) bei sich auf, die von ihrem Bruder Ernst verwitwet war.
Trotz der zunehmenden Repressionen im nationalsozialistischen Staat, denen sie wegen ihrer jüdischen Herkunft ausgesetzt war, erwog Gertrud Heller – im Unterschied zu ihren beiden Söhnen – offenbar nicht, Deutschland zu verlassen. Am 10. September 1942 wurde die 66-Jährige mit einem sogenannten Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert, am 23. Januar 1943 starb sie dort infolge der katastrophalen Bedingungen an Typhus.
Auf dem Grabstein der Familie Heller auf dem Johannisfriedhof ließen ihre Kinder die Inschrift „Dem Gedenken unserer geliebten Mutter“ anbringen, um symbolisch an sie zu erinnern. Seit 2011 erinnern an ihrem letzten frei gewählten Wohnort in der Ahornallee 50 in Berlin zudem Stolpersteine an Gertrud Heller und ihre Schwägerin Josefine Huldschinsky, die zwei Monate nach Gertrud Heller ebenfalls im Ghetto Theresienstadt gestorben war.
Quellen (Auswahl):
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv: 36A (II) 14424
- Gertrud Lisbeth Heller geb. Huldschinsky, in: Stolpersteine in Berlin, www.stolpersteine-berlin.de/de/ahornallee/50/gertrud-lisbeth-heller (24.4.2026)
- Gertrud Heller, in: Terezín Memorial, www.pamatnik-terezin.cz/prisoner/te-heller-gertrud (24.4.2026)
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