Dr. Otto Ivers

Otto Ivers, um 1940

Otto Ivers, um 1940

© Der Danziger Vorposten, 8.2.1940 (Ausschnitt)

Otto Ivers (1895–1945) kam in Neumünster (Holstein) als Sohn eines Kaufmanns zur Welt. Dort ging er auch zur Schule, die er zu Ostern 1914 mit dem Abitur verließ. Anschließend leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger – einen auf ein Jahr verkürzten Wehrdienst für junge Männer mit höherer Schulbildung – beim Infanterie-Regiment 85 in Kiel ab, wo er gleichzeitig ein Medizinstudium aufnahm.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs nahm Ivers mit seinem Regiment als Infanterist, später als Flugzeugführer, an Kampfhandlungen in Belgien und Frankreich teil. 1915 wurde er zum Leutnant der Reserve befördert.

Ivers nahm im Wintersemester 1918/19 sein Studium in Kiel wieder auf, wechselte jedoch von der Medizin zur Chemie. Zugleich schloss er sich der Brigade Ehrhardt an, einem rechtsradikalen und republikfeindlichen Freikorps, das unter anderem bei der Niederschlagung der Münchner Räterepublik eingesetzt wurde. 1922 wurde Ivers an der Universität Freiburg im Breisgau mit einer Untersuchung über Halogenzucker promoviert. Im Sommer 1923 heiratete er die Pfarrerstochter Charlotte Rhode und begann, in Darmstadt bei der Chemischen Fabrik E. Merck zu arbeiten. Das Paar bekam zwei Söhne und 1928 eine Tochter.

1929 trat Ivers der NSDAP und wenig später der SA bei, seit Ende 1931 vertrat er seine Partei im Hessischen Landtag. Nach der Machtübergabe gab er seinen Beruf auf, wurde im März 1933 zum Regierungsrat ernannt und bekam die Leitung der Polizeidirektion Darmstadt übertragen. Außerdem führte er als Polizeimajor eine Abteilung der hessischen Landespolizei. Seit Februar 1934 betätigte er sich als hauptamtlicher SA-Führer.

Anfang Juli 1934 verhaftete die hessische Polizei Ivers kurzzeitig wegen „ehrlosen“ Verhaltens und des Verdachts, mit dem angeblichen „Röhm-Putsch“ sympathisiert zu haben. Die Untersuchung wurde 1937 schließlich eingestellt und schadete seinem Aufstieg innerhalb der SA nicht. Die überlieferten Ermittlungsakten zeigen ihn als gewalttätig, rücksichtslos und machtbewusst.

Im April 1935 wurde er SA-Brigadeführer – der dritthöchste Rang innerhalb der SA. Nachdem er zuletzt eine SA-Brigade in Freiburg geleitet hatte, wirkte Ivers ab September 1936 im Stab der Obersten SA-Führung in München. Dort war er im Erziehungshauptamt zunächst für die SA-Gruppenschulen tätig, dann als Chef des Amtes Reichsführerschule der SA, das die Ausbildung der politischen Leiter von SA, SS und Hitlerjugend organisierte. Anfang 1939 stieg Ivers zum SA-Gruppenführer auf. Im Juni 1939 stattete er auch der SA-Gauführerschule in Dresden einen Besuch ab. Im August 1939 zur Luftwaffe einberufen, wurde Ivers bereits Anfang 1940 freigestellt. Ihm wurde nun die Leitung der neuen SA-Gruppe „Weichsel“ im nach dem deutschen Überfall auf Polen gebildeten Reichsgau Danzig-Westpreußen übertragen. Im November 1944 wechselte er nach Dresden, wo er der SA-Gruppe Sachsen vorstand, deren Geschäftsstelle sich in der Parkstraße 6 befand.

Otto Ivers starb bei den Luftangriffen auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 in der Wiener Straße 37. Mit ihm starben seine zweite Ehefrau, die er erst im Oktober 1944 geheiratet hatte, und der gemeinsame Sohn. In nebeneinanderliegenden Gräbern wurden die drei Toten im „Ehrenhain“ des Johannisfriedhofs beigesetzt, wobei in den Friedhofsbüchern jedoch fälschlich Ivers’ geschiedene Ehefrau Charlotte verzeichnet wurde. Die Überreste von Otto Ivers, seiner zweiten Frau und dem gemeinsamen Sohn erhielten nach 1989/90 wie alle im „Ehrenhain“ Bestatteten ein ewiges Ruherecht gemäß Gräbergesetz.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv: R 9361-II/461376; R 9361-III/567807; R 9361-III/573054; R 9361-I/18433; NS 23/9543
  • Stadtarchiv Dresden: 6.4.25–20-4.2-2 Standesamt 04, Sterberegisternr. 480/1946 (Otto Ivers)
  • Otto Ivers, Synthesen gemischt-acylierter Halogenzucker, Diss., München 1922 (Lebenslauf)
  • Errichtung der SA-Gruppe Weichsel, in: Der Danziger Vorposten, 8.2.1940
  • Jeder Deutsche muss zehn Jahre jünger werden, in: Freiheitskampf, 17.6.1939
  • Blick nach innen, in: Nationalzeitung, 23.2.1940
  • Gruppenführer Ivers gefallen, in: Freiheitskampf, 3.3.1945
  • Ivers, Otto Wilhelm Georg, in: Hessische Parlamentarismusgeschichte Online, parlamente.hessen.de/abgeordnete/1162657812 (24.4.2026)
  • Ivers, Otto Wilhelm Georg, in: Hessische Biografie, www.lagis-hessen.de/pnd/1162657812 (24.4.2026)
  • Ivers, Otto, DFG-VK Darmstadt „Von Adelung bis Zwangsarbeit – Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt“, dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/IversOtto.htm (24.4.2026)

NameDr. Otto Ivers
Geschlechtmännlich
Nationalitätdeutsch
OpfergruppeAngehörige:r eines militärähnlichen Dienstes, WK II
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 3
Geburtsdatum12.01.1895
Todesdatum
Bestattungsdatum
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld Ehrenhain
TodesursacheLuftangriff
TodesortDE, Dresden, Wiener Straße 37

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