Marinus Jasperse

Marinus Jasperse, 1944 (Ausschnitt)

© Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz

Marinus Jasperse (1912–1944) kam als Sohn einer ledigen Mutter in Oost- en West-Souburg (heute ein Teil von Vlissingen) in der niederländischen Provinz Zeeland zur Welt und wuchs bei Pflegeeltern in Rotterdam auf. Nach dem Schulbesuch brach er eine Schlosserlehre ab, und nachdem er 18 Jahre alt geworden war, arbeitete er als Taxifahrer. 1937 heiratete er Hendrika Aelbrichs, mit der er im folgenden Jahr die Tochter Carla bekam. Während des deutschen Angriffs auf die Niederlande im Mai 1940, der nach wenigen Tagen mit der Kapitulation des Landes endete, kämpfte er in einem Infanterie-Regiment, anschließend arbeitete er wieder als Taxifahrer. 

1941 kam Marinus Jasperse erstmals nach Deutschland und arbeitete in Berlin. Als er dort seine Arbeit verlor, wurde er in die besetzten Niederlande zurückgeschickt. Nachdem er im März 1943 kurzzeitig als Aushilfsbote bei der niederländischen Post beschäftigt gewesen war, wurde er zur reichsdeutschen Post zwangsverpflichtet. Seit Juni 1943 war er beim Postamt Chemnitz beschäftigt, wo er zuletzt als Fahrer Feldpostpäckchen beförderte; untergebracht war er in einem Arbeitslager. Wegen seiner deutschen Sprachkenntnisse bestimmten seine niederländischen Landsleute ihn zur Vertrauensperson, und vermutlich in dieser Eigenschaft beschwerte er sich im Frühsommer 1944 vergeblich über die unzureichende Verpflegung in dem Arbeitslager.

Mitte Juni 1944 wurde Jasperse verhaftet, und bereits einen Monat später, am 18. August 1944, verurteilte das Sondergericht Chemnitz ihn auf der Grundlage der Volksschädlingsverordnung zum Tode. Jasperse wurde vorgeworfen, über einen Zeitraum von zehn Tagen aus Transportbeuteln eine größere Anzahl an Päckchen entwendet zu haben, die für Soldaten an der Front bestimmt gewesen waren. Die Lebensmittel und Zigaretten hatte er selbst genutzt, und das Gericht gestand Jasperse zu, aus einem Hungergefühl heraus gehandelt zu haben. Auch Deutsche erhielten für vergleichbare Taten Todesurteile, so dass von einer härteren Bestrafung als Ausländer nicht auszugehen ist. 

Nach der Überführung zur Urteilsvollstreckung verfasste Jasperse in Dresden ein Gnadengesuch, in dem er angab, den Hunger nicht mehr ausgehalten zu haben. In einem Brief bat er seine Frau voller Verzweiflung, für ihn um Gnade zu bitten und seine Pflegeeltern ebenfalls darum zu ersuchen. Auch sein Pflichtverteidiger bat vergeblich, die Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe umzuwandeln: sein Mandant sei nicht Teil der deutschen Volksgemeinschaft und die Tat daher anders zu bewerten, zudem existiere die Todesstrafe in den Niederlanden nicht. In einem Abschiedsbrief am Tag seiner Hinrichtung, dem 13. September 1944, bat Jasperse seine Frau, ihn nicht zu vergessen und wünschte ihr ein glückliches Leben. Sechs Tage später wurde sein Leichnam auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I bestattet.

Anfang 1946 versuchte die niederländische Militärmission in Berlin vergeblich, Gewissheit über den Verbleib Marinus Jasperses zu bekommen und im Auftrag der niederländischen Post suchte auch die niederländische Repatriierungsbehörde nach ihm. Im November 1946 stellte der katholische Gefängnisseelsorger Pater Franz Bänsch auf Bitten der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft – vermutlich für die niederländischen Behörden – eine Bescheinigung über Jasperses Tod aus. Dennoch wurde Marinus Jasperse 1949 aufgrund seines Namens vermeintlich als sowjetischer Staatsangehöriger identifiziert. Seine Überreste wurden deshalb in die Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 5K(a) überführt.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv, R 3001/150533
  • Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, 30149, Nr. 871
  • Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 11830, Nr. 34
  • Arolsen Archives, ITS Digital Archives: Teilbestand 2.2.2.1 Kriegszeitkartei, Marinus Jasperse; Teilbestand 6.3.1.1. Suchanfragen 1945–1946, Akte von Marinus Jasperse, geboren am 17.10.1912

Name Marinus Jasperse
Geschlechtmännlich
Nationalitätniederländisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 9
Geburtsdatum17.10.1912
Todesdatum13.09.1944
Bestattungsdatum19.09.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4I
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach
Grabfeld 5Ka (1949)
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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