Jáchym Katzer

Jáchym Katzer, um 1930

© privat

Jáchym Katzer und Marie Katzerová, um 1940

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Jáchym Katzer als Soldat, um 1918

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Grabstein für Jáchym („Joachim“) Katzer

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Grabstätte von Jáchym („Joachim“) Katzer mit Grabstein

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Jáchym Katzer (1899–1943) wurde als jüngstes von acht Kindern einer Tschechin und eines Deutschen in Weipersdorf (tschechisch Výprachtice) geboren und wuchs in ärmlichen und instabilen Verhältnissen auf, sein Vater war Alkoholiker. Er wurde unter anderem in Leipzig groß, wo er ab dem Alter von dreizehn Jahren durch seine Arbeit, unter anderem in der Sächsischen Baumwollspinnerei und zuletzt bei den Preußischen Staatseisenbahnen zum Lebensunterhalt der Familie beitragen musste. Von 1917 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs im Folgejahr kämpfte er im österreichischen Heer. Unterbrochen von seiner Wehrpflicht für die neu gegründete Tschechoslowakei arbeitete er danach wieder in Leipzig, wo er in seiner Freizeit kaufmännische Kurse besuchte, bis er als Buchhalter in einer Mühlenbaufirma und dann in einer Maschinenfabrik in Pardubice angestellt wurde. Dort heiratete er 1925 Marie Vavřenová, mit der er im folgenden Jahr eine Tochter bekam. 1931 zog er mit seiner Familie nach Prag, wo er als Sachbearbeiter des Jednotný svaz soukromých zaměstnanců (Einheitsverband der Privatangestellten) tätig war, der zweitgrößten Fachgewerkschaft der Tschechoslowakischen Republik. Politisch war Katzer seit Anfang der 1920er-Jahre in der deutschen Sozialdemokratie und nach seinem Umzug nach Pardubice in der Československá sociálně demokratická strana dělnická (Tschechoslowakische Sozialdemokratische Arbeiterpartei) organisiert.

Nach Beginn der deutschen Okkupation 1939 wurde die Gewerkschaft in die Nationale Gewerkschaftszentrale der Arbeitnehmer (Národní odborová ústředna zaměstnanecká) überführt und verlor ihren Charakter als unabhängige Interessensvertretung. Aus Mitteln, die er von Offizieren der aufgelösten tschechoslowakischen Armee eingeworben hatte, unterstützte Katzer drei Ehefrauen von Piloten, die auf Seiten der Alliierten für die Wiederherstellung der tschechoslowakischen Unabhängigkeit kämpften. Seit Anfang 1940 übermittelte er dem Piloten Radoslav Selucký militärische und wehrwirtschaftliche Informationen aus Rüstungsbetrieben, die er bei Dienstreisen ermittelte. Selucky vermittelte er zudem ein Treffen mit einem hochrangigen Angehörigen der militärischen Widerstandsorganisation Obrana národa (Widerstand der Nation) und stellte für ihn und Miloslav Hůla (1915−1943), die einem größeren, vom sowjetischen Geheimdienst angeleiteten und finanzierten Kundschafternetz angehörten, Empfehlungsschreiben aus, um ihnen eine konspirative berufliche Anstellung zu ermöglichen.

Im März 1941 wurde Jáchym Katzer verhaftet. Nach einer Untersuchungshaft von fast zwei Jahren verurteilte ihn der Volksgerichtshof am 19. Januar 1943 am Münchner Platz in Dresden zusammen mit Radoslav Selucký und neun weiteren Angeklagten zum Tode. Wiederholte Bemühungen seines Dresdner Anwalts und seiner Familie um eine Begnadigung unter Verweis auf Katzers „Deutschfreundlichkeit“ scheiterten. Seine Verlegung in das Stadtkrankenhaus in Dresden-Löbtau wegen einer Haftpsychose und ein ausstehendes Gutachten zu seinem Geisteszustand verzögerten Jáchym Katzers Hinrichtung, die schließlich am 11. August 1943 erfolgte. Den Notizen des katholischen Gefängnisseelsorgers Pater Franz Bänsch zufolge war er „ganz apathisch scheinbar ohne Besinnung“. [1]Notiz, wohl am Hinrichtungstag, Sammlung Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Unterlagen Franz Bänsch (Kopie).

Einige Tage später wurden seine Überreste auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 1E beigesetzt. Da Jáchym Katzer als Deutscher galt, wurden diese 1976 nicht in die Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I überführt. In den 1990er-Jahren erhielt er ein ewiges Ruherecht gemäß Gräbergesetz.

Quellen (Auswahl):

  • Archiv bezpečnostních složek: 141-463-1; 141-463-5; 141-469-12
  • Bundesarchiv: R 3017/14753
  • Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: f. Osvědčení podle zák. Č. 255/1946 Sb., č. j. 74669/47, Jáchym Katzer
  • Unterlagen und Auskünfte aus Privatbesitz

Name Jáchym Katzer
NamensvariantenJoachim
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum05.12.1899
Todesdatum11.08.1943
Bestattungsdatum14.08.1943
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 1E
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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