Rudolf Loudát

Rudolf Loudát, um 1930

© privat

Grab von Rudolf Loudát

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Feierliche Enthüllung einer Gedenktafel am Schulgebäude Chrastava für Rudolf Loudát am 28. Oktober 1946

© Státní okresní archiv Liberec

Gedenktafel für Rudolf Loudát in Chrastava

© Spolek pro vojenská pietní místa, Dan Vrba junior, www.vets.cz/vpm/1578-pametni-deska-rudolf-loudat/ (3.7.2026)

Rudolf Loudát (1898–1944) stammte aus dem böhmischen Chřenovice, heute ein Ortsteil von Ledeč nad Sázavou, wo er als uneheliches Kind von Marie Loudátová aufwuchs. 1923 heiratete der Arbeiter die sechs Jahre jüngere Anselma Buruková, die aus Chrastava im Kreis Liberec stammte, einer vorwiegend von Deutschen bewohnten Kleinstadt im tschechoslowakischen Grenzgebiet. Dort lebte das Paar, das 1925 den Sohn Václav und 1930 die Tochter Johana bekam. Loudát wurde Mitglied der Ortsgruppe der Československá sociálně demokratická strana dělnická (Tschechoslowakische Sozialdemokratische Arbeiterpartei) und engagierte sich im örtlichen Dělnická tělocvičná jednota (Arbeiterturnverein), dessen Vorsitzender er in den 1930er-Jahren wurde und der sich als dezidiert tschechisch-patriotische Stimme in einem deutsch geprägten Umfeld verstand. 

Es verwundert daher nicht, dass Rudolf Loudát Chrastava verließ, als der Ort im Gefolge des Münchner Abkommens 1938 Teil des Reichsgaus Sudetenland wurde, und mit seiner Familie in sein Heimatdorf Chřenovice zog. Im benachbarten Zruč nad Sázavou fand er eine Anstellung in der Schuhfirma Baťa. Dort gewann ihn sein Kollege Josef Šubrt 1942 für die Mitarbeit in einem Widerstandsnetzwerk des Ústředni národni revolučni výbor (Zentraler nationaler Revolutionsausschuss), einer kommunistisch dominierten Sammlungsbewegung. Den Prozessunterlagen zufolge soll er sich zum Aufbau einer kommunistischen Betriebszelle an seinem Arbeitsplatz bereit erklärt und im Kollegenkreis illegale kommunistische Schriften weitergegeben haben. 

Im März 1943 wurde Loudát mit Josef Šubrt sowie Arnošt Štégl und František Gabriš, zwei weiteren Kollegen, verhaftet und über Gefängnisse in Kolín, der „Kleinen Festung“ Theresienstadt, Prag und Bautzen nach Dresden gebracht. Dort verurteilte der Volksgerichtshof ihn und seine Kollegen am 25. April 1944 am Münchner Platz zum Tode. In seinem Abschiedsbrief bedauerte er, seine Familie nicht noch einmal gesehen zu haben und bat sie, tapfer und stark zu sein.

Fünf Tage nach der Hinrichtung am 26. Juli 1944 wurden Rudolf Loudáts Überreste auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 1F in einem Grab mit den am selben Tag hingerichteten Tschechen Josef Fišer und František Pekáček bestattet. Deren Überreste wurden 1976 als diejenigen tschechoslowakischer Widerstandskämpfer in die Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I überführt, nur Loudáts Überreste blieben im Grab, da er fälschlich als Deutscher identifiziert worden war. Nach 1989/90 erhielt er ein ewiges Ruherecht. 

In der Tschechischen Republik wird an Rudolf Loudát bis heute in Chrastava erinnert, wo seine Witwe seit Kriegsende wieder gelebt hatte: Am 28. Oktober 1946, zum Jahrestag der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, wurde dort unterhalb einer Gedenktafel für den Legionär František Turpiš (1898–1918) eine Gedenktafel für Rudolf Loudát als Widerstandskämpfer und Aktivisten für die tschechische Minderheit eingeweiht. Zudem erhielt die Straße „Loudatová“ seinen Namen.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv: Mordregister I/II (Abschrift), Rudolf Loudát; R 3017/9967
  • Státní oblastní archiv v Litoměřicích: Sbírka nacistických okupačních materiálů různé provenience, inv. č. 5128, 6923
  • Státní okresní archiv Kutná Hora: f. Městský národní výbor Zruč nad Sázavou, kt. č. 122, inv. č. 750
  • Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: Německé soudní spisy – odboj v ČSR 1939–1945, kt. 48, inv. č. 400; f. Osvědčení podle zák. č. 255/1946 Sb., č. j. 17070/49, Rudolf Loudát
  • František Vydra/Ivan Vydra, Vlastenci odhalili pamětní desku Rudolfu Loudátovi 28. října 1946 [Patrioten enthüllten am 28. Oktober 1946 eine Gedenktafel für Rudolf Loudát], in: Bulletin společnosti přátel města Chrastavy, 2 (2017), Heft 25, S. 1–4, http://www.chrastava.com/listy/bull250.pdf (25.6.2026)
  • Rudolf Loudát, in: Pavla Plachá/Birgit Sack, „Behaltet diesen Brief als Andenken an mich“. Abschiedsbriefe von Dresdner Hinrichtungsopfern aus der Tschechoslowakei. Eine kommentierte Edition / „Tento dopis si nechte na památku na mě“. Poslední dopisy Čechoslováků popravených v Drážďanech. Komentovaná edice, Prag/Leipzig 2023, S. 118 (deutsch) und 143 (tschechisch)

Name Rudolf Loudát
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum16.04.1998
Todesdatum26.07.1944
Bestattungsdatum31.07.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 1F
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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