Gudrun Mann

Gudrun Schmidt, um 1934

Gudrun Schmidt, um 1934

© privat

Gudrun und Ulrich Mann mit ihren drei Kindern, um 1943

Gudrun und Ulrich Mann mit ihren drei Kindern, um 1943

© privat

Grabstelle der Familie Mann

Grabstelle der Familie Mann mit Grabtafeln für Gudrun Mann und ihre drei Kinder sowie für Renate und Grete Mann

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2026

Grabstelle der Familie Mann

Grabtafel für Gudrun Mann und ihre drei Kinder in der Grabstelle der Familie Mann

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2026

Grabstelle der Familie Mann

Grabtafel für Renate Mann in der Grabstelle der Familie Mann

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2026

Grabstelle der Familie Mann

Erinnerung an Grete Mann (zweite von oben) in der Grabstelle der Familie Mann

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2026

Gudrun Mann (1908–1945) kam als Gudrun Schmidt im damals noch selbstständigen Charlottenburg zur Welt. Ihr Vater war bei ihrer Geburt Studienrat, später stieg er zum Oberstudiendirektor auf. Nach dem Schulbesuch in Berlin, den sie mit dem Abitur abschloss, absolvierte Gudrun Schmidt Ende der 1920er-Jahre eine zweijährige Ausbildung an der Lehranstalt für Technische Assistentinnen in Berlin, deren Leiterin, Margot Schumann, den Beruf der medizinisch-technischen Assistentin begründet hatte. Anschließend studierte Gudrun Schmidt in Berlin, später in Rostock, Medizin.

Im April 1933, wenige Monate nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, schloss sich Gudrun Schmidt der Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen an, einer Untergliederung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, der NSDAP trat sie allerdings nicht bei. Ihr Vater hingegen, Adolf Schmidt, hatte sich schon vor 1933 der NSDAP angeschlossen und war in der Weimarer Republik wegen seiner politischen Aktivitäten offenbar vorzeitig pensioniert worden.

In Rostock lernte Gudrun Schmidt den Mediziner Ulrich Mann (1905–1980) kennen, ihren späteren Ehemann. Kurz nach dem Studienende im Mai 1935 übermittelte sie ihrem Doktorvater eine überarbeitete Fassung ihrer Dissertation. Warum sie den Titel dennoch nicht erwarb, ist nicht bekannt.

Um in der Nähe ihres Partners zu sein, setzte sie ihre Ausbildung in Dresden fort, wo Ulrich Mann im elterlichen Haus in der Sidonienstraße 16 die Praxis seines Vaters für Hals,- Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) übernommen hatte. Zunächst absolvierte sie ab Oktober 1935 ihr praktisches Jahr im Stadtkrankenhaus Dresden-Friedrichstadt, und nachdem sie im Juni 1936 ihre ärztliche Approbation erhalten hatte, arbeitete sie als unbesoldete Volontärärztin an der HNO-Klinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Friedrichstadt.

Ende August 1936 heiratete sie Ulrich Mann, der sich seit Ende 1933 in der SA betätigte, zuletzt als Sanitäts-Truppführer zur ärztlichen Betreuung etwa bei Veranstaltungen. 1937 wurde er NSDAP-Mitglied. Das Paar lebte in einer Wohnung im Haus seiner Familie in der Sidonienstraße 16. Im folgenden Jahr kam die Tochter Barbara zur Welt, der 1939 Dietrich und 1940 Waltraud folgten; mutmaßlich deswegen praktizierte Gudrun Mann nicht mehr als Ärztin. Im Sommer 1940 wurde ihr Mann nach Riesa dienstverpflichtet, wo er die Praxis eines zur Wehrmacht eingezogenen Kollegen übernehmen musste, um die ärztliche Betreuung der Zivilbevölkerung sicherzustellen.

1944 zog Gudrun Mann mit den drei Kindern vorübergehend zu Verwandten in die niederschlesische Kleinstadt Steinau an der Oder (heute Ścinawa, Polen), um ihrer Mutter während eines Krankenhausaufenthalts beizustehen. In dieser Zeit arbeitete sie als Ärztin in demselben Krankenhaus in Wohlau (heute Wołów, Polen), indem auch ihre Mutter untergebracht war. Wohl in der zweiten Jahreshälfte 1944 kehrte Gudrun Mann mit ihren Kindern nach Dresden zurück. Gemeinsam mit ihren Kindern, ihrer Schwiegermutter und ihrer Schwägerin verbrannte sie bei den Luftangriffen auf Dresden am 14. Februar 1945 im Haus der Familie in der Sidonienstraße 16.

Verzweifelt über den Tod seiner gesamten Familie und auf der Suche nach dem, was von ihr übrig geblieben war, zog es Ulrich Mann immer wieder zu dem zerstörten Haus. Anfang April 1945 schrieb er: „Ich weiß nun, daß Gudrun im Kellergang […] den Tod gefunden hat“. [1]Ulrich Mann an seinen Bruder Fritz Mann, 6.4.1945 Privatbesitz. Trotz der schweren Trümmer konnte er Knochenreste bergen, die er eigenhändig im Garten sowie in der Grabstelle der Familie Mann auf dem Johannisfriedhof vergrub. Erst im April 1947 wurden bei Enttrümmerungsarbeiten weitere Überreste der sechs Toten polizeilich geborgen, die er Anfang Mai 1947 im Familiengrab beisetzen ließ. Als einige Monate später auf dem Grundstück die Überreste von fünf weiteren Hausbewohner:innen geborgen wurden, identifizierte er sie und ließ sie auf eigene Kosten im „Ehrenhain“ des Johannisfriedhofs bestatten.

1950 zog Ulrich Mann, der wieder geheiratet hatte, mit seiner zweiten Familie in die Bundesrepublik. Die Pflege des Grabes, das sich bis heute im Familienbesitz befindet, übernahm sein älterer Bruder.

Quellen (Auswahl):

  • Stadtarchiv Dresden: 2.3.25, Nr. 1925
  • Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs: Akt. M 105
  • Universitätsarchiv Rostock: Matrikelbücher der Universität Rostock, Immatrikulation von Gudrun Schmidt, SS 1933, https://purl.uni-rostock.de/rosdok/ppn640343074 (24.4.2026); Matrikelbücher der Universität Rostock, Immatrikulation von Gudrun Schmidt, SS 1934, https://purl.uni-rostock.de/rosdok/ppn640343473 (24.4.2026)
  • Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz

Name Gudrun Mann
GeburtsnameSchmidt
Geschlechtweiblich
Nationalitätdeutsch
OpfergruppeZivilist:in
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz
Geburtsdatum01.11.1908
Todesdatum14.02.1945
Bestattungsdatum03.05.1947
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4Bogen
TodesursacheLuftangriff
TodesortDE, Dresden, Sidonienstraße 16

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