Józef Montag
Józef Montag (1911–1945) kam in der galizischen Stadt Krosno zur Welt, die damals zu Österreich-Ungarn und seit der nationalen Unabhängigkeit 1918 zu Polen gehörte. Er stammte aus einer jüdischen Familie und war eines von elf Kindern.
Als Józef Montag 18 Jahre alt war, starb sein Vater. Um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, brach er den Besuch der Jeschiwa, einer traditionellen jüdischen Bildungsstätte, ab und absolvierte in Krakau eine Handelsschule. Anschließend arbeitete er dort als Buchhalter in einem Metallwarenhandel, später eröffnete er mit einem Teilhaber eine eigene Filiale des Geschäfts. Einem Erinnerungsbericht seiner Tochter zufolge engagierte er sich in dieser Zeit in der Hapoel Hamizrachi, einer jüdisch-zionistischen Arbeiterorganisation, die Religion und Sozialismus miteinander verband.
Kurz nach dem deutschen Überfall auf Polen, der den Beginn des Zweiten Weltkriegs markierte, heiratete Józef Montag Mina Engelerd, die ebenfalls den jüdischen Glauben praktizierte, und im September 1940 wurde die Tochter Atara geboren. Nach Einrichtung eines Ghettos durch die deutschen Okkupanten musste die Familie dorthin umziehen.
Als Ende 1942 das Ghetto in Krosno aufgelöst wurde, wurde Józef Montag dem Flughafen Krosno zur Zwangsarbeit zugewiesen und dort in einem Arbeitslager untergebracht, seine Frau Mina kam in ein anderes Lager. Unter Einsatz seines Lebens gelang es Józef Montag jedoch, seine Tochter aus Krosno herauszuschmuggeln. Seine mutige Tat bewahrte sie vor der Lagerhaft und rettete sie vor dem sicheren Tod. Während die SS seine Frau im Lager ermordete, überlebte die Tochter den Krieg bei einer polnisch-katholischen Familie.
Um 1943 wurde Józef Montag zunächst in ein Außenlager des Konzentrationslagers Plaszów in Mielec überführt und kam nach dessen Auflösung im Juli 1944 über ein Lager in Wieliczka in das Hauptlager in Plaszów. Von dort wurde er in einem Einzeltransport in das Außenlager Zschachwitz des KZ Flossenbürg deportiert, wo er Mitte Oktober 1944 eintraf. Hier musste er für die Mühlenbau und Industrie AG (MIAG) Rüstungsgüter fertigen.
Ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in Dresden starb Józef Montag im Alter von 33 Jahren – laut einer Todes- und Begräbnisanzeige – an einer Gehirnentzündung. Ursächlich dafür dürfte sein durch die Arbeits- und Lebensbedingungen geschwächtes Immunsystem gewesen sein.
Józef Montags Überreste wurden zwei Tage nach seinem Tod im Grabfeld 5F auf dem Johannisfriedhof bestattet. In der Annahme, er sei sowjetischer Staatsangehöriger gewesen, wurden sie 1949 in eine Gedenk- und Begräbnisanlage für diese Opfergruppe umgebettet.
Quellen (Auswahl):
- Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz (darunter: Atara Distelfeld (geb. Montag), Meine Lebensgeschichte und die Geschichte meiner Familie vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg (unveröffentlichtes Manuskript, hebräisch, 1997));
- Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs: Todes- und Begräbnisanzeige
- Montag, Józef, 29.5.1911, in: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg – Memorial Archives, memorial-archives.international/entities/show/546f87f1759c02ca678ccdfc (9.10.2024)
| Name | Józef Montag |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | polnisch |
| Opfergruppe | KZ-Häftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 4 |
| Geburtsdatum | 29.05.1911 |
| Todesdatum | 12.04.1945 |
| Bestattungsdatum | 14.04.1945 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 5F
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach Grabfeld 5Ka (1949) |
| Todesursache | Gehirnentzündung |
| Todesort | unbekannt |
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