Dimitri Obolensky

Dimitri Obolensky, um 1935

© privat

Dimitri und Irmgard Obolensky bei ihrer Hochzeit, Juni 1935

© privat

Dimitri Obolensky (2. Reihe, außen rechts) mit Eltern und Geschwistern in Dresden, um 1925

© privat

Grabstätte von Dimitri Obolensky im Grabfeld 4C

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Grabstätte von Alexis Obolensky im Grabfeld 4C

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Dimitri Obolensky (1894–1945) kam in Sankt Petersburg als ältestes von vier Kindern des Fürstenpaares Elisabeth und Alexis Obolensky zur Welt. Nach dem Abitur auf der deutschsprachigen Annenschule in Sankt Petersburg ließ er sich im Pagenkorps, einer Militärakademie für Söhne von Adeligen und Militärs, zum Gardeoffizier ausbilden. Anschließend nahm er an der Sankt Petersburger Universität ein Studium auf, konnte es aber wegen Ausbruch des Ersten Weltkriegs jedoch nicht beenden. Dimitri Obolensky diente in der Garde des Zaren, bis diese im Zuge der Februarrevolution 1917 aufgelöst wurde. Unter der neuen Sowjetregierung kam er kurzzeitig in Haft. 

Mitte der 1920er-Jahre zog Dimitri Obolensky nach Dresden zu seinen ebenfalls emigrierten Eltern und galt seither als staatenlos. An der Technischen Hochschule Dresden schrieb er sich im Fach Mathematik ein und versuchte vergeblich, seinen akademischen Lehrer Erich Trefftz (1888–1937), Professor für Technische Mechanik, von seinen Forschungen zu überzeugen, die die Gesetze der Mechanik infrage stellten. Ohne akademischen Abschluss und Fürsprache blieb er ein Außenseiter im deutschen Wissenschaftsbetrieb, hatte als Freigeist allerdings auch wenig Interesse an einer klassischen universitären Laufbahn.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten setzte Obolensky zunächst seine wissenschaftliche Vortragstätigkeit fort. Darüber hinaus engagierte sich der russische Patriot und Kosmopolit für Völkerverständigung und stand dem Krieg als Mittel der Politik skeptisch gegenüber. So gehörte er der Dresdner Ortsgruppe der All Peoples’ Association an, die die internationale Freundschaft fördern wollte. Als Mitglied der Wladimir-Solowjow-Gesellschaft förderte er zudem die russische Kultur. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus glaubte er nicht, dass vom „neuen Deutschland“ ein Krieg ausgehen könnte, und verteidigte es 1935 in den „Dresdner Nachrichten“ gegen Kritiker aus der angloamerikanischen Welt als friedfertig.

Im Juni 1935 heiratete Obolensky die aus Luckau stammende verwitwete Lehrerin Irmgard Kubaschewski, geborene Hirschfeld (1897–1957), ab 1937 lebte das Paar in der Bautzner Straße 82. Obolenskys wachsende Distanz zum NS-Regime zeigte sich, als er 1939 gemeinsam mit anderen Mitgliedern die Dresdner russisch-orthodoxe Gemeinde verließ, weil er die von den Nationalsozialisten erzwungene Enteignung des Kirchengrundstücks und die Angliederung der Dresdner Gemeinde an die dem NS-Regime genehme russisch-orthodoxe Auslandskirche nicht hinnehmen wollte.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Obolensky unter anderem mit Sprachunterricht an der Kriegsschule Dresden (heute Offiziersschule des Heeres) in der Dresdner Albertstadt. 1939 verließ er die Schule und arbeitete anschließend im Werk Ica von Zeiss-Ikon als Sachbearbeiter in der Patentabteilung. Ein befreundeter Arbeitskollege erinnerte sich an Vorladungen zur Gestapo, nachdem Obolenksy sich in französischer Sprache abfällig über das deutsche Militär geäußert und den deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 kritisiert hatte. Als Obolensky schließlich gegenüber einem neuen Vorgesetzten den Krieg für verloren erklärte, erwirkte dieser seine Entlassung. 

Ab Anfang 1944 arbeitete er in der Patentabteilung der Dresdner Firma Mimosa AG, einem Hersteller von Fotopapier, wo er am 6. Oktober 1944 nach der Denunziation durch einen Kollegen an seinem Arbeitsplatz verhaftet wurde. Ihm wurde vorgeworfen, sich gegenüber anderen Beschäftigten staatsfeindlich geäußert zu haben. Nach zweiwöchiger Gestapo-Haft im Polizeigefängnis in der Dresdner Schießgasse wurde Dimitri Obolensky in die Untersuchungshaftanstalt in der George-Bähr-Straße 5 überführt, wo ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. 

Die Strafverfolgung der regimekritischen Äußerungen Obolenskys, die seit Kriegsbeginn als „Zersetzung der Wehrkraft“ streng geahndet wurden, gab die zuständige Oberreichsanwaltschaft beim Volksgerichtshof an die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft ab. Deshalb wurde Obolensky zu Beginn des Jahres 1945 in die mit dem Oberlandesgericht Dresden verbundene Haftanstalt in der Dresdner Mathildenstraße 59 überführt. Zu einem Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden kam es jedoch nicht mehr. Nach einwöchiger schwerer Erkrankung ließ der Gefängnisarzt den 50-Jährigen am 8. Februar 1945 in das Johannstädter Krankenhaus einweisen. Durch die Haft körperlich geschwächt und psychisch schwer angegriffen, starb Dimitri Obolensky zwei Tage später an einer Sepsis, verursacht durch eine Wundrose. 

Nach der Freigabe durch die Dresdner Gestapo ließ Irmgard Obolensky den Leichnam ihres Mannes – zeitlich verzögert durch die Bombenangriffe auf Dresden Mitte Februar – am 24. Februar 1945 auf dem Dresdner Johannisfriedhof bestatten. Das Grab befindet sich in der Nähe der Ruhestätte seines 1933 gestorbenen Vaters Alexis Oblolensky und wird bis heute von seiner Nichte Alexandra von Gersdorff gepflegt. Seit 2025 erinnert ein Stolperstein an seinem letzten Wohnort in der Bautzner Straße 82 in Dresden an Dimitri Obolensky.

Quellen (Auswahl):

  • Arolsen Archives, ITS Digital Archives: Teilbestand 2.1.4.2 SN 014 7 Informationen über Ausländer, die sich während des Kriegs im Kreis Dresden (SK) aufhielten / 70975526
  • Bundesarchiv: R 3017/27620
  • Sächsisches Staatsarchiv – Hauptstaatsarchiv Dresden: 11430, VdN Nr. 5696 (Irmgard Obolensky)
  • Universitätsarchiv der TU Dresden: Nachlass Trefftz, Nr. 43; Außenstelle Medizin, Bestand Sektionsprotokolle, Registerbuch 1945
  • Mündliche Auskünfte Alexandra von Gersdorff, 16.3.2025
  • Dimitri Obolensky, Eine Amerikanerin erlebt das neue Deutschland, in: Dresdner Nachrichten, 6.9.1935
  • Dmitri Obolensky, Über eine neue Formulierung der statodynamischen Grundbeziehung in der Mechanik, in: Časopis pro pěstování matematiky a fysiky, Vol. 64 (1935), Nr. 6, S. 235–237
  • Der Nobelpreis und seine letzten Träger, in:  Dresdner Nachrichten, 1.5.1934
  • Kulturabend der russischen Solowjow-Gesellschaft, in: Dresdner Nachrichten, 28.6.1935
  • Birgit Sack, Dimitri Obolensky, 2025, Stolpersteine in Dresden, stolpersteine-dresden.de/details/ (4.6.2026)

Name Dimitri Obolensky
Geschlechtmännlich
Nationalitätrussisch
OpfergruppeJustizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz
Geburtsdatum30.09.1894
Todesdatum10.02.1945
Bestattungsdatum24.02.1945
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4C
TodesursacheSepsis
TodesortDE, Dresden, Stadtkrankenhaus Johannstadt

Sollten Sie zu Personen oder deren Gräber über die Datenbank hinausweisende Auskünfte haben wollen, nutzen Sie bitte unser Online-Auskunftsformular.