Ilse Paulich

Symbolbild (Ilse Paulich)

 

Ilse Paulich, geb. Mortkewitz (1903–1945), kam in Dresden als Kind jüdischer Eltern zur Welt. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt war ihr Vater bereits nach Brasilien ausgewandert. Ihre Mutter starb, als sie fünfzehn Jahre alt war. Als sie mit achtzehn Jahren den sechs Jahre älteren Lithografen Max Paulich (1897–1976) heiratete, verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Packerin. Ihr Ehemann war evangelisch-lutherischer Konfession, die kirchliche Trauung fand im November 1921 in der St.-Markus-Kirche in Dresden-Pieschen statt. Mit ihrem Mann bekam Ilse Paulich drei Kinder: den 1924 in Fürth geborenen Heinz sowie Hans-Joachim und Gerda, die in Dresden zur Welt kamen. Seit 1923 lebte die Familie in der Lützowstraße (heute Franz-Lehmann-Straße) 20, später in der Großenhainer Straße 133, in Pieschen.

Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 wurde Ilse Paulich als Jüdin im Sinne der NS-Rassegesetze diskriminiert – auch wenn sie durch ihre Ehe unter einem gewissen Schutz stand. Späteren Angaben ihres Ehemanns zufolge verlor sie ihre Anstellung in der Chemischen Fabrik v. Heyden, einem Arzneimittelhersteller in Radebeul. Später musste sie im separierten „Judensaal“ einer nicht näher bekannten Firma Zwangsarbeit leisten.

An ihrem Arbeitsplatz wurde Ilse Paulich im August 1944 von der Gestapo verhaftet und in das Dresdner Polizeigefängnis in der Schießgasse überstellt, nach späteren Angaben ihres jüngeren Sohnes mit der Begründung, sie habe sich staatsfeindlich geäußert. Von dort wurde sie im Oktober 1944 in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Wegen des Arbeitskräftemangels, zu dessen Behebung KZ-Häftlinge eingesetzt wurden, wurde Ilse Paulich Ende Februar 1945 in ihre Geburtsstadt Dresden zurückgebracht und musste dort für die Zeiss Ikon AG Munition herstellen. Woran und wo genau Ilse Paulich nur drei Wochen später mit 41 Jahren starb, ist nicht bekannt – höchstwahrscheinlich waren die Lebens- und Arbeitsumstände ursächlich dafür verantwortlich.

Am 26. März 1945 wurde sie im Grabfeld 5F in einem Grab mit der Ungarin Hildegard Braun bestattet, die einen Tag nach ihr gestorben und ebenfalls als KZ-Gefangene im Lager Reick untergebracht gewesen war. Ilse Paulichs Familie erfuhr nichts von ihrem Tod und ihrem Grab in Dresden. Ihr Ehemann nahm an, sie sei im KZ Auschwitz vergast und ließ sie Anfang 1947 für tot erklären.

 

 

 

Quellen (Auswahl):

  • Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden: 11430, VdN-Nr. 5829 (Hans-Joachim Paulich); 11430, VdN-Nr. 5830 (Max Paulich)
  • Stadtarchiv Dresden: 6.4.25–1.2.2-85 Standesamt I, Geburtenregisternr. 872/1903 (Ilse Perlmutter (Paulich)); 6.4.25–4.3.2-39 Standesamt IV, Eheregisternr. 291/1921 (Ilse Mortkewitz (Paulich))
  • Paulich, Ilse, 18.4.1903, in: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg – Memorial Archives, memorial-archives.international/entities/show/546f87f1759c02ca678ccdfc (10.10.2024)
  • Paulich, Ilse, in: Bundesarchiv (Hg.), Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de942916 (24.4.2026)

Name Ilse Paulich
GeburtsnameMortkewitz
NamensvariantenPaulick
Geschlechtweiblich
Nationalitätdeutsch
OpfergruppeKZ-Häftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 9
Geburtsdatum18.04.1903
Todesdatum21.03.1945
Bestattungsdatum26.03.1945
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 5F
Todesursacheunbekannt
Todesortunbekannt

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