Dr. jur. Herta Quaas
Herta Quaas (1908–1945) wurde in Sebnitz als Tochter eines Bankbeamten geboren, erwarb an der Städtischen Studienanstalt in der Melanchthonstraße in Dresden-Neustadt das Abitur ab und studierte Jura, zunächst in Freiburg im Breisgau und ab dem Wintersemester 1929/30 in Leipzig. Als sie im Juni 1933 das Erste Juristische Staatsexamen bestanden hatte, waren die Nationalsozialisten bereits an der Macht. 1934 wurde Herta Quaas mit einer sozialrechtlichen Arbeit über „Erstattungsansprüche in Minderjährigenfürsorge und Fürsorgeerziehung“ zur Dr. jur. promoviert und begann im selben Jahr mit dem juristischen Vorbereitungsdienst, den sie bis 1937 an Amtsgerichten in Sebnitz, Bautzen und Dresden sowie beim Dresdner Landgericht und bei einem Dresdner Rechtsanwalt absolvierte.
Eine Station während des Referendariats, die auch die Weichen für ihre spätere Tätigkeit stellte, war 1936/37 das Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP im Gau Sachsen mit Sitz in Dresden. Im Mai 1937 beantragte Herta Quaas erfolgreich ihre Aufnahme in die NSDAP-Ortsgruppe Dresden.
Im August 1938 erhielt sie eine Anstellung als wissenschaftliche Referentin beim Hauptamt für Volkswohlfahrt in der Reichsleitung der NSDAP. Im Mai 1940 zog sie wieder nach Dresden und wurde dort Leiterin – mutmaßlich der Dresdner Ortsgruppenverwaltung – der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV). Die vom Hauptamt gesteuerte NSV war der NSDAP als Verband angeschlossen und für alle Bereiche der Volkswohlfahrt und Fürsorge in der Partei zuständig.
Über Herta Quaas’ konkrete Aktivitäten vor Ort ist nichts Näheres bekannt, sie war jedoch zugleich auch weiter als wissenschaftliche Referentin tätig. 1940 erschien ihre Schrift über „Mieterschutz im Kriege“, der im folgenden Jahr eine zweite, ergänzte Auflage folgte. Darin erläuterte und rechtfertigte sie das „Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden“ vom April 1939, das es Vermietern und Städten erlaubte, als jüdisch verfolgte Menschen aus Wohnungen zu verdrängen. Es widerspreche, wie Quaas erläuterte, „nationalsozialistischem Rechtsempfinden, wenn deutsche Volksgenossen in einem Hause mit Juden zusammenleben müssen“. Eine „wirkliche Hausgemeinschaft“ sei nur zwischen „Artgenossen“ möglich, daher habe der Gesetzgeber „Maßnahmen getroffen, um die Juden in steigendem Umfange aus deutschen Hausgemeinschaften auszuscheiden und in eigenen Wohnstätten unterzubringen“. Zudem wollte sie eine erleichterte Wohnungsbeschaffung nur „bevölkerungspolitisch wertvolle[n] Familien“ gewähren, nicht aber „asozialen Großfamilien“. [1]Herta Quaas, Mieterschutz im Kriege, 2., ergänzte Auflage, Leipzig/Berlin 1941, die Zitate S. 107 und 97.
Bei den Luftangriffen auf Dresden am Vormittag des 2. März 1945 befand sich Herta Quaas an ihrem Arbeitsplatz am Hindenburgufer (heute Käthe-Kollwitz-Ufer) 84, dem Sitz des örtlichen NSV-Verbands und von dessen Wohlfahrtsschule. Sie starb vor Ort, ihre Überreste wurden sechs Tage später geborgen und zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt auf dem Johannisfriedhof bestattet.
Die Pflege des Grabes übernahm eine Verwandte, die mutmaßlich auch den bis heute erhaltenen Grabstein anfertigen ließ.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 9361-IX Kartei; R 9361-I/2746
- Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 11380, Nr. 3366
- Stadtarchiv Dresden, 6.4.25–21.4.2-1 Standesamt 05, Sterberegisternr. 261/1945 (Herta Quaas)
- Universitätsarchiv Freiburg im Breisgau: B 0044, 64-686
- Universitätsarchiv Leipzig: Universitätsquästur, Studentenkartei
- Herta Quaas, Erstattungsansprüche in Minderjährigenfürsorge und Fürsorgeerziehung, Diss., Dresden 1934
- Herta Quaas, Mieterschutz im Kriege, 2., ergänzte Auflage, Leipzig/Berlin 1941
- Jürgen Herrlein, Die „Entjudung“ des Mietwohnungsbestands im Nationalsozialismus als Teil der geplanten „Ausrottung des jüdischen Volkes“, in: KJ 48 (2015), S. 17–36 (zu Quaas S. 31, 35)
| Name | Dr. jur. Herta Quaas |
|---|---|
| Geschlecht | weiblich |
| Nationalität | deutsch |
| Opfergruppe | Zivilist:in
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 3 |
| Geburtsdatum | 16.08.1908 |
| Todesdatum | 02.03.1945 |
| Bestattungsdatum | |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld Ehrenhain |
| Todesursache | Luftangriff |
| Todesort | DE, Dresden, Hindenburgufer (heute Käthe-Kollwitz-Ufer) 84 |
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