Friedrich Schreiter
Friedrich Schreiter (1892–1944), genannt Fritz, kam als Sohn von Emilie und Hermann Schreiter im damals noch selbständigen Pieschen zur Welt und wuchs bei seiner Mutter und deren zweitem Ehemann auf. Nach dem Volksschulbesuch absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser und schloss sich 1908, mit 16 Jahren, dem Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) an sowie im folgenden Jahr der Sozialistischen Arbeiterjugend, 1912 trat er der SPD bei. Anfang 1915, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde Fritz Schreiter einberufen und wenig später an der Westfront eingesetzt, desertierte jedoch 1917 nach Dänemark. In Deutschland wurde er wegen Antikriegspropaganda verurteilt.
Nach Kriegsende arbeitete Schreiter zunächst als Maschinenbauer und heiratete im April 1919 die Verkäuferin Emma Sander (1896–1953), mit der er den Sohn Axel Schreiter (1920–1945) bekam. 1920 fand Fritz Schreiter eine Anstellung bei der DMV-Ortsverwaltung Dresden und schloss sich der KPD an. Nachdem er dem Rat der Stadt Dresden seit April 1922 als nicht besoldeter Stadtrat angehört hatte, wurde er Anfang 1924 zum Stadtverordneten gewählt. Dieses Amt übte er wegen seiner Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister des damals noch selbstständigen Zschachwitz jedoch nur bis zum Jahresende aus. Schreiter blieb auch Bürgermeister, als er 1928 aus der KPD ausgeschlossen wurde und Mitglied der Kommunistischen Partei-Opposition (KPD(O)) wurde, weil er die Bevormundung der KPD durch die KPdSU kritisiert hatte. 1930 wurde Schreiter nicht wiedergewählt und war in der Folge arbeitslos, in der KPD(O) übernahm er die Leitung des Bezirks Ostsachsen.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten emigrierte er im März 1933 aus Furcht vor einer Verhaftung in die Tschechoslowakei, seine Frau folgte mit dem Sohn wenig später nach. Zunächst im deutsch-tschechoslowakischen Grenzgebiet und dann von Prag aus organisierte Schreiter die Einfuhr der nun illegalen KPD(O)-Schrift „Gegen den Strom“ nach Sachsen. Im September 1933 reiste er mit seiner Familie nach Schweden und im Juni 1934 weiter nach Dänemark, wo er 1936 eine Anstellung auf einer Schiffswerft in Helsingør fand. Von dort engagierte er sich erneut an der Verbreitung von in Dänemark gedruckten Exemplaren der Schrift „Gegen den Strom“, die über Nachbarländer auch nach Deutschland gelangen sollten. 1937 wurde Schreiter die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt, er war nun staatenlos. Nach dem deutschen Überfall auf Dänemark im April 1940 floh er nach Schweden, wurde jedoch wenig später nach Dänemark ausgewiesen, dort im Juli 1940 verhaftet und zusammen mit seiner Familie an Deutschland ausgeliefert. Über Flensburg gelangte er Anfang 1941 nach Dresden, wo am 21. März 1942 der Prozess gegen ihn und zwei Mitangeklagte vor dem Volksgerichtshof in Dresden unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Fritz Schreiter erhielt eine fünfzehnjährige Zuchthausstrafe wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und wurde in das Zuchthaus Waldheim überführt.
Emma Schreiter befand sich zu dieser Zeit in der Landesheilanstalt Arnsdorf, da bei ihr war eine offenbar haftbedingte Schizophrenie diagnostiziert worden war.Erst im Februar 1944 wurde sie vom Oberlandesgericht Dresden wegen ihrer Beteiligung an den illegalen Aktivitäten ihres Mannes zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt.
Nach der Denunziation durch einen Mitgefangenen und einer von der Anstaltsleitung veranlassten Untersuchung wurde ein neues Verfahren gegen Fritz Schreiter eingeleitet. Wegen angeblich kommunistisch geprägter Äußerungen gegenüber anderen Häftlingen im Jahr 1943, in denen er den baldigen Zusammenbruch des NS-Regimes prognostiziert hatte, verurteilte der Volksgerichtshof ihn am 28. April 1944 in Leitmeritz zum Tode, zur Vollstreckung wurde Fritz Schreiter nach Dresden überführt. Mit Unterstützung seines Dresdner Rechtsanwalts gelang es ihm, mittels Wiederaufnahmeanträgen seine ursprünglich auf den 16. Juni, dann auf den 2. August 1944 festgelegte Hinrichtung zu verzögern, bis sie schließlich am 13. September 1944 am Münchner Platz erfolgte. Schreiter litt seinem Anwalt zufolge seit längerem an einer Haftpsychose und war stark untergewichtig. Den Abschiedsbrief, den er am Tag seines Todes an seine Schwester Gertrud verfasste, gab die Zensur nicht frei. Darin berichtete er von seiner kolossalen „Abmagerung“, wies die Schwester an, gegen seine rechtswidrige Ausweisung aus Schweden juristisch vorzugehen und hoffte auf eine friedliche Zukunft Deutschlands nach Kriegsende. [1]Friedrich an Gertrud Schreiter, 13.9.1944, Bundesarchiv, R 3018/13392, nicht paginiert.
Am 19. September 1944 wurde Friedrich Schreiter im Grabfeld 4I auf dem Johannisfriedhof bestattet. Sein 1943 verhafteter Sohn Axel starb kurz vor Kriegsende im KZ Flossenbürg.
Wie andere kommunistische Dresdner Hinrichtungsopfer wurde auch er mit einer Straßenbenennung geehrt, 1946 in Dresden-Zschachwitz. Bei einer Ehrung der „Opfer des Faschismus“ durch die Volkspolizei, die Ende September 1945 im damaligen Ehrenhain am Japanischen Palais stattfand, wurde auch Fritz Schreiters gedacht.
1949 und 1976 wurden die Leichname von vier in seinem Grab mitbestatteten Männern in Gedenk- und Begräbnisanlagen innerhalb des Friedhofs umgebettet. 1981 gab die Friedhofsverwaltung das Grab weiter, weshalb Friedrich Schreiter nach 1989/90 nicht als Opfer von Krieg und Gewalt anerkannt wurde.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 3018/13392; R 3018/1316
- Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden: 11430, VdN-Nr. 8654; 12457, V/6/099 (enthält einen Lebenslauf Fritz Schreiters, geschrieben von seiner Schwester, undatiert)
- Stadtarchiv Dresden: 3.6-285 Schreiter Br. Friedrich
- Die Parteimitgliedschaft für den Ekki-Beschluß, in: Arbeiterstimme, 1.11.1928
- Schreiter, Fritz, 2008, in: Bundesstiftung Aufarbeitung, https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/kataloge-datenbanken/biographische-datenbanken/fritz-schreiter?ID=5133 (4.6.2026)
- Christian Hermann, Friedrich Schreiter, 6.5.2010, in: Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V. (Hg.), Sächsische Biografie, saebi.isgv.de/biografie/25287 (25.5.2026)
| Name | Friedrich Schreiter |
|---|---|
| Geschlecht | männlich |
| Nationalität | deutsch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz |
| Geburtsdatum | 27.04.1892 |
| Todesdatum | 13.09.1944 |
| Bestattungsdatum | 19.09.1944 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 4I |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
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