František Šiška

František Šiška, um 1930

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Grabstein für František Šiška und Antonín Navrátil mit handschriftlicher Ergänzung des Namens von Alois Růžička, der ebenfalls im Grab lag, vor 1976

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Witwe, Schwiegertochter, Sohn und Enkelin von František Šiška an dessen Grab, vor 1976

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František Šiškas Enkelin zeigt auf den Namen ihres Großvaters auf der Gedenkwand, um 1976

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Porträtrelief zum Gedenken an František Šiška am Bahnhof in Mirošov (Detail)

© Spolek pro vojenská pietní místa, Marek Lanzendorf, 2020, www.vets.cz/vpm/37431-pametni-deska-frantisek-siska/ (3.7.2026)

Bahnhof von Mirošov mit Porträtrelief

© Spolek pro vojenská pietní místa, Marek Lanzendorf, 2020, www.vets.cz/vpm/37431-pametni-deska-frantisek-siska/ (3.7.2026)

František Šiška (1893–1944) wurde als Sohn des Wagenmeisters Jan Šiška und seiner Ehefrau Barbora Šišková im böhmischen Mešno im Kreis Rokycany geboren, wo er mit drei Geschwistern aufwuchs. Nach dem Schulbesuch war er im Alter von 17 Jahren als Hilfsarbeiter bei der Eisenbahn mit Instandhaltungstätigkeiten beschäftigt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Soldat des österreichisch-ungarischen Heeres an der italienischen Front, um nach Kriegsende seine Arbeit bei der Eisenbahn wieder aufzunehmen, wo er sich gewerkschaftlich bei der Unie železničních zaměstnanců (Union der Eisenbahnbeschäftigten) engagierte. Politisch sympathisierte er mit der Komunistická strana Československa (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei, KPČ). 1920 heiratete Šiška die sieben Jahre jüngere Anna Štěrbová, mit der er 1921 und 1928 die Söhne Bohumír und František bekam. 1932 zog die Familie von Mešno ins benachbarte Mirošov.

František Šiška war bereits im Ruhestand, als er den überlieferten Prozessunterlagen zufolge im Frühjahr 1942 – drei Jahre nach Beginn der deutschen Okkupation – dem aus Mirošov stammenden und später ebenfalls in Dresden hingerichteten kommunistischen Funktionär Václav Gottlieb eine eigene Geldspende und Gelder weiterer Spender zur Unterstützung der Familien von politischen Häftlingen übermittelte. Später führte er noch weitere Spendensammlungen durch und beteiligte sich durch Werbung von Mitgliedern und Betreuung einer Gruppe am regionalen Aufbau des Ústředni národni revolučni výbor (Zentraler nationaler Revolutionsausschuss), einer kommunistisch dominierten Sammlungsbewegung. Zudem nahm er an Besprechungen mit höheren Funktionären teil und ließ den untergetauchten höheren kommunistischen Funktionär Emil Sirotek – auch er sollte später in Dresden hingerichtet werden – zweimal bei sich übernachten. 

Mitte April 1943 wurde František Šiška mit vier später mitangeklagten Männern verhaftet und bei der Polizei in Mirošov sowie im Gestapogefängnis in Pilsen mehrfach so schwer misshandelt und zu Geständnissen gezwungen, dass er vorübergehend ins Haftkrankenhaus kam. Die Untersuchungshaft verbrachte er in Dresden und Bautzen. In den Briefen an seine Familie drückte er seine Sehnsucht nach einem Besuch seiner Frau aus, thematisierte die schlechte Ernährung in der Haftanstalt und äußerte seine Sorge über den Zustand seiner Bienenstöcke sowie den bevorstehenden Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden. Šiška war – wohl durch Berichte von tschechischen Mithäftlingen – bekannt, dass das Oberlandesgericht viel weniger Todesurteile aussprach als der Volksgerichtshof. Seine Hoffnung auf eine Haftstrafe erfüllte sich jedoch nicht, vielmehr wurde er am 4. Januar 1944 – als einziger der fünf Angeklagten – zum Tode verurteilt. Besonders schwer lasteten die Richter Šiška die Beherbergung Emil Siroteks an. Nach dem Todesurteil wurde er in die Haftanstalt in der George-Bähr-Straße in Dresden überführt. In seinem Abschiedsbrief am Tag seiner Hinrichtung, sechs Wochen nach dem Todesurteil, beglückwünschte er seinen älteren Sohn zu seiner bevorstehenden Verheiratung, gab letzte Weisungen für den Umgang mit den Bienen und bat seine Angehörigen, sich seiner immer im Guten zu erinnern. 

Am 19. Februar 1944 wurde František Šiška mit zwei weiteren tschechischen Hinrichtungsopfern in einem gemeinsamen Grab im Grabfeld 1F auf dem Johannisfriedhof bestattet. 1976 wurde das Grab eingeebnet und die Überreste der Bestatteten gelangten in die Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I. František Šiškas Witwe und weitere Familienmitglieder besuchten den Johannisfriedhof vor und nach der Überführung und hielten ihre Aufenthalte fotografisch fest. 

Nach der samtenen Revolution 1989/90 in der Tschechoslowakei wurde der kommunistische Widerstand gegen die deutsche Besatzungsherrschaft zum Teil aus der öffentlichen Erinnerung verbannt – so auch ein Traditionskabinett für František Šiška in einer Gaststätte in Mirošov. Am dortigen Bahnhof erinnert jedoch bis heute ein Porträtrelief an ihn.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv: Mordregister I/II, František Šiška
  • Státní okresní archiv Rokycany: f. ČSPB – OV Rokycany, inv. č. 36, František Šiška (u. a. Erinnerungsbericht Bohumír Šiška, 31.8.2001, Briefe František Šiškas an seine Familie aus der Haft, Urteilsauszug)
  • Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: f. Osvědčení podle zák. č. 255/1946 Sb., č. j. 74005/48, František Šiška
  • František Šiška, in: Pavla Plachá/Birgit Sack, „Behaltet diesen Brief als Andenken an mich“. Abschiedsbriefe von Dresdner Hinrichtungsopfern aus der Tschechoslowakei. Eine kommentierte Edition / „Tento dopis si nechte na památku na mě“. Poslední dopisy Čechoslováků popravených v Drážďanech. Komentovaná edice, Prag/Leipzig 2023, S. 173f (deutsch) und 212f (tschechisch)

Name František Šiška
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum15.05.1893
Todesdatum14.02.1944
Bestattungsdatum19.02.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 1F
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach
Grabfeld 3I (1976)
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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