Jiří Šizling

Jiří Šizling, um 1940

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Jiří Šizling, um 1935

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Gedenkanlage in Neuměř zur Erinnerung an die Kämpfer gegen die Okkupation

© Spolek pro vojenská pietní místa, Martin Milichovský, 2014, www.vets.cz/vpm/21419-pomnik-obetem-2-svetove-valky/ (3.7.2026)

Jiří Šizling (1917–1944) wurde 1917 als Sohn von Marie Šizlingová und dem Maurer Josef Šizling (1879–1943) im böhmischen Neuměř bei Pilsen geboren. Er wuchs mit zwei Schwestern und vier Brüdern in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Jiří Šizling eine Lehre als Friseur, anschließend war er meist ohne feste Anstellung. 1939 erlebte er die Okkupation seiner Heimat durch die Deutschen.

Am 20. Mai 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet, kurz darauf wurden auch sein Vater und sein Bruder Karel Šizling inhaftiert. Jiří Šizling entkam zwar und tauchte unter, wurde aber zwei Wochen später erneut verhaftet. In der Gestapo-Haft in Klatovy wurden Jiří, Josef und Karel Šizling schwer misshandelt und Mitte Juli 1943 in das Polizeigefängnis Theresienstadt überführt. Dort blieb Jiří Šizling zunächst auch noch, nachdem Vater und Bruder in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert worden waren, wo der Vater Ende 1943 an Lungentuberkulose starb. Jiří Šizling wurde im Oktober 1943 in die Gefangenenanstalt in der George-Bähr-Straße in Dresden transportiert, wo ein Ermittlungsrichter des Volksgerichtshofs einen Haftbefehl gegen ihn ausstellte. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern stand Jiří Šizling in Briefkontakt. In Sorge um die Gesundheit Ihres Sohnes wandte Marie Šizlingová sich zudem im Januar 1944 an den Ermittlungsrichter mit der Bitte, ihrem Sohn Vitaminpakete zusenden zu dürfen.

Am 20. April 1944 verurteilte der Volksgerichtshof Jiří Šizling und sieben Mitangeklagte zum Tode. Die Richter warfen ihnen vor, sich im Frühjahr 1943 durch ihr Engagement in einem regionalen Ableger des Ústředni národni revolučni výbor (Zentraler nationaler Revolutionsausschuss), einer kommunistisch dominierten Sammlungsbewegung, maßgeblich am Wiederaufbau der illegalen kommunistischen Partei in der Gegend von Staňkov, einem Nachbarort von Neuměř, beteiligt zu haben. Das Netzwerk hatte sich bemüht, Spendenwillige für monatliche Zahlungen an Angehörige politischer Häftlinge zu gewinnen und Vorbereitungen für die erhoffte Kriegsniederlage Nazi-Deutschlands zu treffen. Jiří Šizling soll im Februar 1943 von dem später mitverurteilten Josef Peteřík (1920–1944) angeworben worden sein, selbst Gelder gezahlt und auftragsgemäß einen Beschäftigten der Metallwerke Holleischen GmbH, eines Rüstungsbetriebs, für die Mitarbeit gewonnen und diesem zudem ein illegales Flugblatt ausgehändigt haben. Außerdem soll er seinem Vater einen Aufruf des Nationalen Revolutionsausschusses zu lesen gegeben haben. 

Die mit Jiří Šizling zum Tode verurteilten sieben Tschechen wurden am 26. Juli 1944 am Münchner Platz hingerichtet. Mutmaßlich wegen seines absehbaren Sterbens infolge einer lebensbedrohlichen Erkrankung wurde er selbst nicht hingerichtet, sondern starb am 23. August 1944 in der Haftanstalt an einer Lungentuberkulose. Wie die medizinische Betreuung des zum Tode Verurteilten verlief, ist nicht bekannt. Marie Šizlingová wurde über den Tod ihres Sohnes in einer knappen Mitteilung des Anstaltsvorstands informiert. Fünf Tage nach seinem Tod wurde Šizlings Leichnam auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I bestattet – in einem gemeinsamen Grab mit den Hingerichteten Marie Perdulová, František Procházka und Jaroslav Vacek. 

Auch sein Onkel Karel Brychcín, ein Bruder seiner Mutter, wurde einen Monat nach Jiří Šizlings Tod am Münchner Platz hingerichtet. Seit den 1960er-Jahren bemühten sich Jiří Šizlings Bruder Václav und sein Cousin Bohumil Brychcín vergeblich, Näheres über die Todesumstände herauszufinden. Bei einem Besuch auf dem Johannisfriedhof stellten sie fest, dass sein Grab nach dem Krieg einen Grabstein erhalten hatte, auf dem jedoch Jiří Šizlings Name fehlte – mutmaßlich deshalb, weil er damals nicht als Tscheche identifiziert worden war. 1976 wurden seine Überreste jedoch mit denen der übrigen im Grab Bestatteten in die Gedenk- und Begräbnisanlage im Grabfeld 3I überführt. 

In seiner Heimatgemeinde Neuměř erinnert ein Gedenkstein in der Nähe des Zentrums an Tschechen aus dem Ort, die im Kampf gegen die nationalsozialistische Okkupation starben. Neben Jiří Šizling nennt die Erinnerungstafel auch seinen Vater Josef und die in seinem Prozess mitverurteilten Josef Peteřík sowie Josef und Jiří Fišer.

Quellen (Auswahl):

  • Arolsen Archives, ITS Digital Archives: Teilbestand 1.1.5.3 Individuelle Unterlagen Männer Buchenwald, Akte von Schisling [Šizling], Josef, geboren am 11.10.1879; Teilbestand 1.1.5.3. Individuelle Unterlagen Männer, Buchenwald, Akte von Sisling [Šizling], Karel, geboren am 14.05.1914
  • Bundesarchiv: R 3017/14175; Mordregister II, Josef Peteřík
  • Sammlung Gedenkstätte Münchner Platz Dresden: Korrespondenz mit Václav Šizling und Bohumil Brychcín
  • Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz (u. a. Václav Šizling, Můj život, 1997)
  • Václav Šizling, Odsouzeni k trestu smrti, in: Pravda, 3.11.1974

Name Jiří Šizling
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum09.01.1917
Todesdatum23.08.1944
Bestattungsdatum28.08.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4I
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach
Grabfeld 3I (1976)
TodesursacheLungentuberkulose
TodesortDE, Dresden, Haftanstalt, George-Bähr-Straße 5

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