Oldřich Smetana

Symbolbild (Oldřich Smetana)

 

Oldřich Smetana (1909−1943) wurde in Holice (deutsch Holitz) bei Pardubice als Sohn eines Gefängnisverwalters geboren. Nach dem Schulbesuch absolvierte er eine Handelsakademie, meldete sich 1926 freiwillig zur tschechoslowakischen Armee, und war dann in einer Schuhfabrik angestellt. Seit 1929 war er als Kontrolleur in der Zollverwaltung tätig. 1936 heiratete er Anna Kraus, eine Tschechoslowakin deutscher Nationalität aus Boží Dar bei Karlovy Vary (deutsch Karlsbad) an der Grenze zu Sachsen. Mit ihr bekam er 1942 einen Sohn.

Wenige Monate nach dem deutschen Einmarsch in Prag und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 wurde Smetana dem städtischen Verpflegungsamt in Pardubice als Aushilfskraft zugeteilt. Im Januar 1941 wurde er in seine Geburtsstadt Holice versetzt, wo er beim städtischen Versorgungsamt für die Ausgabe von Lebensmittel- und Kleiderkarten zuständig war. 

Im Juli 1942 wurde Smetana verhaftet, und am 25. September 1942 verurteilte ihn das Sondergericht Prag auf der Grundlage der Volksschädlingsverordnung zum Tode. Mitangeklagte, darunter Arbeitskollegen, erhielten lediglich Freiheitsstrafen. Smetana wurde vorgeworfen, Lebensmittel- und Kleiderkarten unterschlagen und an seinen Jugendfreund Pavel Seiner (1902–1942) sowie dessen Bruder Josef Seiner (1898–1943) verkauft zu haben, die wegen ihrer jüdischen Herkunft von der Lebensmittel- und Kleiderzuteilung nahezu ausgeschlossen waren. Außerdem wurde Smetana vorgeworfen, Schuhe, Kaffee, Zigaretten und weitere Produkte auf dem Schwarzmarkt aufgekauft und mit Gewinn weiterverkauft zu haben. Besonderen Anstoß nahm das Gericht daran, dass Smetana ihm qua Amt anvertraute Güter unterschlagen hatte und dass die Karten Abnehmern zugutegekommen waren, die das Regime als jüdisch verfolgte.

Kurz nach dem Todesurteil wurde Smetana zur Urteilsvollstreckung nach Dresden in die Haftanstalt in der George-Bähr-Straße überführt, wo ihn seine Ehefrau ein letztes Mal besuchen konnte. In Bittschriften baten sie und ihr Bruder um Gnade für den Ehemann und Schwager und betonten die Deutschfreundlichkeit des Verurteilten. Als Anna Smetanová Mitte Oktober 1943 von der Staatsanwaltschaft gefragt wurde, ob sie im Fall der Urteilsvollstreckung den Leichnam ihres Mannes selbst bestatten wolle – unter der Bedingung, dass dies in Dresden geschehe –, stimmte sie zu.

Am 13. Januar 1943 wurde Oldřich Smetana am Münchner Platz in Dresden hingerichtet, und am selben Tag starb auch Josef Seiner dort unter der Guillotine. Er war in einem anderen Prozess vom Sondergericht Prag zum Tode verurteilt worden, weil er die von Smetana erhaltenen Karten mit Gewinn weiterverkauft hatte. Sein Bruder Pavel Seiner war bereits Ende 1942 in Gestapo-Haft gestorben. 

Am 19. Januar 1943 wurde Oldřich Smetana auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 2B bestattet, Ende 1968 gab seine Witwe das Grab auf. Auf ihren Antrag wurde Smetana 1995 von den tschechischen Behörden als politischer Häftling anerkannt. Sie gab an, ihr Mann habe die nationalsozialistischen Besatzer gehasst, und deshalb der deutschen Volkswirtschaft schaden sowie zugleich der unzureichend versorgten tschechischen ebenso wie der jüdischen Bevölkerung helfen wollen.

Quellen (Auswahl):

  • Archiv bezpečnostních složek: 134-443-15
  • Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: f. Osvědčení podle zák. č. 255/1946 Sb., č. j. 315144/95, Oldřich Smetana
  • Josef Seiner, in: Terezín Memorial, www.pamatnik-terezin.cz/prisoner/zi-seiner-josef (15.5.2026)
  • Pavel Seiner, in: Terezín Memorial, https://www.pamatnik-terezin.cz/prisoner/te-seiner-pavel (15.5.2026)

Name Oldřich Smetana
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz
Geburtsdatum28.07.1909
Todesdatum13.01.1943
Bestattungsdatum19.01.1943
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 2B
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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