Johanna Stephan
Johanna Stephan, geb. Kriegel (1913–1945), kam in Grimma zur Welt. Mit Anfang zwanzig heiratete sie 1936 sie in Bautzen Bruno Stephan. Seit den frühen 1940er-Jahre lebte sie mit ihrem Mann in Dresden in einem Hinterhaus am Bismarckplatz (heute: Friedrich-List-Platz) 18. Dort befand sich damals das Hauptgebäude der Technischen Hochschule Dresden, für die Bruno Stephan als technischer Betriebsleiter arbeitete. 1943 bekam das Paar einen Sohn.
Im folgenden Jahr wurde Johanna Stephan erneut schwanger. Wegen der bevorstehenden Geburt befand sie sich zum Zeitpunkt der Bombenangriffe auf Dresden im Entbindungshaus der Staatlichen Frauenklinik in der Pfotenhauer Straße 90 in Dresden. Dort brachte Johanna Stephan am 13. Februar 1945 ihren Sohn Rainer zur Welt. Weil Fliegeralarm ausgelöst worden war, wurde sie mit ihrem Sohn sowie weiteren Wöchnerinnen und neugeborenen Kindern am selben Abend in Kellerräume unterhalb des Klinikgebäudes verlegt. Dort wurde Johanna Stephan mit vielen weiteren Frauen verschüttet und starb noch in der Nacht. Ihr mutmaßlich in einem anderen Keller untergebrachter Sohn Rainer überlebte dagegen schwer verletzt, wurde mit weiteren Neugeborenen am folgenden Tag aus den Trümmern geborgen und in ein Krankenhaus in Heidenau, später ins das Sanatorium nach Kreischa gebracht, das überlebenden Müttern und Kindern als Lazarett diente.
Am 8. Juni 1945 zeigte Bruno Stephan den Tod seiner Frau an. Ihre Überreste wurden zusammen mit weiteren auf dem Gelände der Frauenklink geborgenen Toten am 15. Juni 1945 in nebeneinander liegenden Gräbern im „Ehrenhain“ auf dem Johannisfriedhof beigesetzt. Die Bestattungskosten übernahm die Frauenklinik.
Anfang der 1990er-Jahre besuchten Bruno und Rainer Stephan, die seit den 1950er-Jahren im Westen Deutschlands lebten, den „Ehrenhain“ auf dem Johannisfriedhof. Sie hätten gerne am Grab getrauert, doch war dieses aufgrund der Einebnung des gesamten Grabfelds nicht mehr aufzufinden.
2005 wurde an der Klinik für Orthopädie, dem damaligen Standort der Frauenklinik, eine Tafel eingeweiht, die an die „Toten und Überlebenden der Bombenangriffe auf die Staatliche Frauenklinik Dresden“ erinnert – und damit auch an Johanna Stephan.
Quellen (Auswahl):
- Stadtarchiv Dresden, 6.4.25–21.4.2-2 Standesamt 05, Sterberegisternr. 1102/1945 (Johanna Stephan)
- Marina Lienert, Das Stadtkrankenhaus Johannstadt in der Zeit des Nationalsozialismus, in: Albrecht Scholz u. a. (Hg.), Vom Stadtkrankenhaus zum Universitätsklinikum. 100 Jahre Krankenhausgeschichte in Dresden, Köln u. a. 2001, S. 105–142, hier S. 132–142
- Jörg Marschner, Ein Trümmer-Baby auf Spurensuche, in: Sächsische Zeitung, 12.2.2008; Einzelschicksal von Rainer Stephan, in: Überlebende Kinder Dresden, www.ueberlebendekinderdresden.de/schicksale21.html (9.2.2026)
- Annegret Seemann, Nicht nur Zerstörung, sondern auch Wiederaufbau im Blick, in: Unijournal 3/2005, S. 2
- Matthias Schildbach, Die Tragödie der Dresdner Frauenklinik, in: Sächsische Zeitung, 8.2.2025
| Name | Johanna Stephan |
|---|---|
| Geburtsname | Kriegel |
| Geschlecht | weiblich |
| Nationalität | deutsch |
| Opfergruppe | Zivilist:in
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 3 |
| Geburtsdatum | 13.12.1913 |
| Todesdatum | 13.02.1945 |
| Bestattungsdatum | 15.06.1945 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld Ehrenhain |
| Todesursache | Luftangriff |
| Todesort | DE, Dresden, Pfotenhauerstraße 90, Frauenklinik |
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