Julian Stříbrný

Julián Stříbrný, aufgenommen am 27. April 1943 bei der Gestapo Dresden nach dem Todesurteil (Ausschnitt)

© Bundesarchiv

Julián Stříbrný, um 1920

© Československá obec legionářská

Grabstein für Břetislav Dadák und Julian Střibrný –fälschlich als „Branislav Dadak“ und „Julian Stribny“ – im Grabfeld 1E, vor 1962

© privat

Grabstelle der Familie Stříbrný auf dem Friedhof in Kladno mit Urne von Julian Stříbrný, unten links

© StSG/GSMP

Gedenktafel des Legionärsverbandes für Julian Stříbrný

© Spolek pro vojenská pietní místa, Lubomír Mach, 2007, www.vets.cz/vpm/15507-pametni-deska-julian-stribrny/ (3.7.2026)

Schild der nach Julian Stříbrný benannten Straße mit Gedenktafel, die auf auf seinen Status als Legionär, das Engagement für die Obrana národa und seinen Hinrichtungstod verweist

© Spolek pro vojenská pietní místa, Vladimír Štrupl, 2011, www.vets.cz/vpm/15507-pametni-deska-julian-stribrny/ (3.7.2026)

Julián Stříbrný (1883–1943) wurde in Kladno als Sohn eines Dachdeckers geboren. Nach dem Besuch einer Berufsschule in Brünn arbeitete er als Elektriker, später qualifizierte er sich an einer Industrieschule in Brünn weiter. 1909 heiratete er Anastasie Soušková mit der er zwei Kinder bekam. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Stříbrný zur österreichisch-ungarischen Armee eingezogen und zunächst an der italienischen Front, dann an der russischen Front eingesetzt, wo er im Sommer 1916 in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Im März 1917 trat er in Russland in die Tschechoslowakische Legion ein, um für die Unabhängigkeit seiner Heimat von Österreich-Ungarn einzutreten. Er brachte es bis zum Leutnant und kehrte im Juli 1920 in die inzwischen selbstständige Tschechoslowakei zurück. Nachdem er die Reifeprüfung nachgeholt hatte, schloss er sich dem tschechoslowakischen Heer an, wo er bis zum Oberstleutnant aufstieg. Sein Selbstverständnis als nationalbewusster Tscheche unterstreichen seine Mitgliedschaft im Turnverband Sokol und sein Engagement an führender Stelle im Veteranenverband Československá obec legionářská (Tschechoslowakischer Legionärsverband). Auch sein Austritt aus der römisch-katholischen Weltkirche 1924 stand möglicherweise ebenfalls im Kontext seiner betont nationalen Orientierung.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1939 kehrte Julián Stříbrný aus der Slowakei, wo er zuletzt Dienst getan hatte, nach Kladno zurück und wurde zwei Monate später mit der Auflösung des tschechoslowakischen Heeres vorzeitig in den Ruhestand versetzt. Kurz darauf warb ihn František Kravák (1889–1943), ein früherer General der tschechoslowakischen Armee und ebenfalls Legionär, für die Untergrundarmee Obrana národa (Verteidigung der Nation), die eine Schlüsselstellung im frühen Widerstand gegen die deutsche Okkupation innehatte. Kravák war Teil der sogenannten Liquidationsgruppe des früheren tschechoslowakischen Verteidigungsministeriums, die Militärpersonen in zivile Dienste überführen sollte. Als Leiter des Gruppenkommandos für Nordböhmen beauftragte er Stříbrný mit dem Aufbau der Obrana národa im Kreis Kladno durch das Aufstellen von zwei Bataillonen, die im Einsatzfall einen bestimmten Grenzabschnitt besetzen bzw. öffentliche Gebäude und lebenswichtige Betriebe überwachen sollten. Als er ihm im Oktober 1939 befahl, die illegale Arbeit vorläufig einzustellen, setzte Julian Stříbrný sich eigenmächtig darüber hinweg. 

Im Rahmen einer größeren Verhaftungswelle gegen Angehörige der Obrana národa wurde auch die Gruppe um Kravák im Februar 1940 verhaftet. Aus der Gestapo-Haft in Kladno wurde sie in die Kleine Festung Theresienstadt überführt und über Prag schließlich um 1942 nach Gollnov (heute Goleniów, Polen), wo die Beschuldigten in Untersuchungshaft kamen. Dort wurde die Gruppe geteilt und ein Teil wurde zwecks Verurteilung durch den Volksgerichtshof nach Berlin geschickt, der andere Teil – darunter Stříbrný –, der als minder schwer belastet galt – nach Dresden, um vom dortigen Oberlandesgericht verurteilt zu werden. Dieses Gericht verurteilte Julian Stříbrný am 20. April 1943 zum Tode. Maßgeblich dafür war die Zeugenaussage von Josef Šulc (1895–1943), mit dem Stříbrný entgegen der Weisung Kraváks Kontakt aufgenommen hatte, um den Widerstand fortzusetzen. Der vorsitzende Richter schätzte ihn daher als Überzeugungstäter ein, der sich auch durch Weisungen aus den eigenen Reihen nicht hatte abhalten lassen.

Nach dem Todesurteil wurde Julián Stříbrný aus dem Dresdner Gefängnis in der Mathildenstraße in die Haftanstalt in der George-Bähr-Straße überführt, sein Rechtsanwalt und seine Tochter baten vergeblich um Gnade. Den vom katholischen Gefängnisseelsorger Franz Bänsch kurz vor der Hinrichtung am 16. Juli 1943 angebotenen seelsorgerischen Beistand wies Stříbrný – anders als viele andere, auch kirchenferne Landsleute – zurück. Fünf Tage später wurden seine Überreste und die von zwei weiteren tschechischen Hinrichtungsopfern auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 1E beigesetzt. 

Nach Kriegsende versah die Friedhofsverwaltung auch dieses Grab mit einem Grabstein. Mit Unterstützung des Československý Svaz Protifašistických Bojovníku (Tschechoslowakischer Verbandes der Antifaschistischen Widerstandskämpfer) erwirkte seine Witwe im September 1962, die Überführung der Urne ihres Mannes ins Familiengrab nach Kladno. An der Beisetzung der Urne auf dem Friedhof in Kladno nahm auch der kommunistische Künstler und vormalige Dresdner Oberbürgermeister Herbert Gute (1905–1975) teil, der Stříbrný in der gemeinsamen Haft im Gefängnis Mathildenstraße kennengelernt hatte. Bereits 1947 hatte der Tschechoslowakische Legionärsverband die Straße in Kladno, wo Julián Stříbrný bis zu seiner Verhaftung gelebt hatte, in „Plukovníka [Oberst] Stříbrného“ umbenannt und mit einer Gedenktafel versehen. Daran änderte sich auch nichts, als nach dem kommunistischen Putsch im Februar 1948 der Verband zwangsweise aufgelöst und die Mitglieder in den neu gegründeten Verband der der Antifaschistischen Widerstandskämpfer eingegliedert wurden.

Quellen (Auswahl):

  • Archiv bezpečnostních složek: 141-210-24
  • Bundesarchiv: R 3001/147239
  • Sammlung Gedenkstätte Münchner Platz Dresden: Unterlagen Franz Bänsch (Kopie)
  • Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs: A.7.II. Aushebungen, 1957–1975
  • Stříbrný Julian, Československá obec legionářská, legionáři, https://www.csol.cz/legionar/104109 (27.6.2026)
  • Herbert Gute, Partisanen ohne Gewehr, Berlin (DDR) 1970 (S. 112–119)

Name Julian Stříbrný
Geschlechtmännlich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz
Geburtsdatum19.11.1883
Todesdatum16.07.1943
Bestattungsdatum21.07.1943
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 1E
Exhumiert und überführt nach
CZ, Kladno, Centrální hřbitov Kladno (06.09.1962)
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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