Anna Štruncová

Anna Štruncová, um 1940

© Paměť národa

Anna Wirthová (rechts), nach 1945

© Paměť národa

Urnengrab von Anna Štruncová auf dem Friedhof Dýšina

© Spolek pro vojenská pietní místa, Marek Lanzendorf, 2020, www.vets.cz/vpm/41204-urna-anna-struncova-a-kenotaf-jan-strunc/ (3.7.2026)

Anna Štruncová (1895–1944) wurde als Anna Kotabová im böhmischen Chudenice bei Klatovy geboren. In jungen Jahren heiratete sie den Elektromonteur Jan Štrunc (1879–1945) aus Nová Hut’, mit dem sie einen Sohn und die Tochter Anna, später verheiratete Wirthová (1922–2007), bekam. Diese lernte Anfang der 1940er-Jahre an ihrem Arbeitsplatz bei den Škoda-Werken in Pilsen ihren Verlobten Vojtĕch Šedivec (1921–1944) kennen, der sich ab Anfang 1943 in der Chráster Ortsgruppe des Ústředni národni revolučni výbor (Zentraler nationaler Revolutionsausschuss), einer kommunistisch dominierten Sammlungsbewegung, engagierte. Auf Bitten Šedivecs und vermittelt von ihrer Tochter verbarg die Hausfrau vorübergehend vier aus einem Kriegsgefangenenlager entflohene russische Kriegsgefangene auf dem Dachboden ihres Hauses in Nová Hut’. Zudem versuchte sie mithilfe illegaler Schriften, neue Mitglieder für die Gruppe zu werben, und sie vergrub ein Päckchen mit Flugschriften in ihrem Garten, als Šedivec seine Festnahme befürchtete.

Am 16. Januar 1944 wurde Anna Štruncová mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Kindern verhaftet. Mutter und Tochter wurden zur Gestapo-Dienststelle nach Pilsen gebracht, wo sie brutal misshandelt und später der Justiz übergeben wurden, die einen Haftbefehl über sie verhängte. Über Leipzig wurden die beiden nach Dresden gebracht, wo der Volksgerichtshof Anna Štruncová am 29. Juni 1944 in einem Nebenprozess des Verfahrens gegen Vojtĕch Šedivec zum Tode verurteilte. Die Richter warfen ihr vor, den Kriegsgefangenen die Flucht in die Sowjetunion und so deren erneuten Kampf als Soldaten gegen das Deutsche Reich ermöglicht zu haben. Ebenso wie die vier angeklagten Männer wurde sie wegen Hochverrats und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt, und ihre Tochter erhielt eine vierjährige Zuchthausstrafe, weil sie ihre Mutter und ihren Verlobten nicht angezeigt hatte. Anschließend wurde sie in eine der Todeszellen im Frauentrakt des Hafthauses in der George-Bähr-Straße überführt. 

Mitte August 1944 durfte sie sich von ihrer Tochter verabschieden, bevor diese zur Verbüßung ihrer Haftstrafe in das Frauenzuchthaus Aichach in Bayern transportiert wurde. In ihrem am Tag der Hinrichtung, dem 17. November 1944, verfassten Abschiedsbrief bat Anna Štruncová ihre Angehörigen, ihren Leichnam nicht in einem fremden und feindlichen Land zu lassen. Fünf Tage später wurde sie auf dem Johannisfriedhof im Grabfeld 4I bestattet.

Ihrer Tochter, die zum Kriegsende aus der Haft entlassen worden war, gelang es mit anderen Angehörigen und unterstützt von der Diplomatischen Mission der ČSSR, die Urnen von Anna Štruncová und zehn weiteren Hinrichtungsopfern aus Chrást und Umgebung Ende März 1952 in ihre Heimat zu überführen. Auf ihrem Grab auf dem Friedhof Dýšina bei Chrást wird symbolisch auch an Anna Štruncovás in der Haft im Zuchthaus Gollnow umgekommenen Ehemann erinnert, der ebenso wie ihr Sohn wegen des Abhörens „feindlicher“ Rundfunksender im Familienkreis eine Freiheitsstrafe erhalten hatte. Eine nach 1990 zusätzlich angebrachte Tafel informiert darüber, dass beiden Eheleuten posthum das vom damaligen Präsidenten Edward Beneš vergebene tschechoslowakische Kriegskreuz „In Memoriam 1939“ verliehen worden war.

Quellen (Auswahl):

  • Bundesarchiv: R 3017/15604
  • Stadtarchiv Dresden, 9.1.24, Nr. 783, Bd. 4
  • Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, E.1.I. Ehrenhain Widerstandskämpfer und Angehörige fremder Nationen, 1938–1960
  • Auskünfte und Unterlagen aus Privatbesitz (u. a. Anna Wirthová, Erinnerungsbericht, 3.3.1998)
  • Anna Wirthová-Štruncová, Komunistický odboj v Chrástecku, Plzeň 1988

Name Anna Štruncová
GeburtsnameKotábová
Geschlechtweiblich
Nationalitättschechisch
OpfergruppeJustizhäftling
Nicht anerkannt gemäß Gräbergesetz
Geburtsdatum03.07.1895
Todesdatum17.11.1944
Bestattungsdatum22.11.1944
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4I
Exhumiert und überführt nach
CZ, Dýšina, hřbitov Dýšina (28.03.1952)
TodesursacheHinrichtung
TodesortDE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz

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