Zdeňka Varhulíková
Zdeňka Varhulíková (1914–1944) kam kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs als Tochter von Růžena Varhulíková und Antonín Varhulík in Prag zur Welt, wo sie mit ihrem Bruder Antonín auch aufwuchs. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Lehrerin unterrichtete sie an städtischen Volksschulen. Ein in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre aufgenommenes Lehramtsstudium an der Prager Karlsuniversität musste sie unfreiwillig abbrechen, als die deutschen Besatzer einige Monate nach ihrem Einmarsch die tschechischen Hochschulen schließen ließen. Einer politischen Partei gehörte sie nicht an, wohl aber einem linksgerichteten gewerkschaftlichen Zusammenschluss von Lehrkräften.
Über den später mitangeklagten Kommunisten František Pekášek fand sie Anfang 1941 Zugang zu einer kommunistischen Widerstandsgruppe, die von dem Funktionär Cyril Šumbera angeleitet wurde, und beteiligte sich an der Herstellung, Vervielfältigung und Verteilung illegaler Schriften. Zudem besorgte sie für Šumbera Waffen und Munition. Als dieser im Juli 1942 verhaftet wurde, nahm sie Kontakt mit František Nosek auf und arbeitete mit ihm zusammen.
Anfang 1943 wurde Zdeňka Varhulíková verhaftet und am 22. März 1944 ebenso wie František Pekášek zum Tode verurteilt. Vor Gericht gab sie sich als Patriotin zu erkennen, die sich als „gute Tschechin“ habe erweisen wollen.[1]Urteil gegen Zdeňka Varhulíková und drei Andere, Volksgerichtshof, 1. Senat, 22.3.1944, Bundesarchiv, R 3017/15718, S. 1–12, hier: 8. Die Einschätzung der Richter spiegelte auch deren geschlechtsspezifischen Vorurteile wider, wenn sie ihr abnahmen, ohne eigene Initiative zunächst aus Liebe zu Pekášek und dann unter dem Einfluss Šumberas agiert zu haben.
Die über einjährige Haft in Dresden bis zu ihrer Hinrichtung am 26. Juli 1944 verbrachte Zdeňka Varhulíková im Frauenflügel des Gefängnisses in der George-Bähr-Straße. In dieser Zeit hatte sie einen kurzen Blickkontakt mit ihrem Vater, der verhaftet worden war, weil er auf ihre Bitte einen Vervielfältigungsapparat dem Zugriff der Gestapo entzogen hatte. In der Gefangenschaft entwickelte Zdeňka Varhulíková ein enges Vertrauensverhältnis zu der Ersten Hauptwachtmeisterin der Frauenabteilung, Hedwig Hache, die nach Kriegsende ein Abschiedskassiber Varhulíkovás an ihre Familie übermitteln ließ. Darin hatte diese ihre Familie einerseits in Anspielung auf Hache daran gemahnt, dass es auch Deutsche gebe, die den tschechischen Gefangenen „wie barmherzige Samariter“ erschienen seien, andererseits aber auch ihre innere Bereitschaft bekundet, sich „für das [tschechische] Volk nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zu opfern“.[2]Abschiedskassiber von Zdeňka Varhulíková an ihre Eltern und ihren Bruder, Abschrift, Übertragung ins Deutsche, S. 190–193, hier: 190 f.
Fünf Tage nach ihrer Hinrichtung am Münchner Platz in Dresden wurde Zdeňka Varhulíková ebenso wie František Pekášek auf dem Johannisfriedhof bestattet, wo zuvor schon die ebenfalls in Dresden hingerichteten Cyril Šumbera und František Nosek bestattet worden waren.
In der sozialistischen Tschechoslowakei wurde Zdeňka Varhulíková zur vorbildhaften Kommunistin aufgebaut, ihre Biografie entsprechend angepasst. So wurden nur ausgewählte Passagen aus ihren Abschiedsbriefen und dem Abschiedskassiber zitiert und alle Gottesbezüge ausgespart. Eine 1978 angelegte Straße in Prag-Holešovice erhielt den Namen „Varhulíkové“ und in Prag-Bubeneč erinnert ein Gedenkstein an Zdeňka Varhulíková und weitere am kommunistischen Widerstand Beteiligte. Auch auf dem Grab ihrer Eltern auf dem Friedhof in Bubeneč – der Vater war aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden, aber erst zum Kriegsende aus dem KZ Dachau freigekommen – wird symbolisch an Zdeňka Varhulíková erinnert.
Quellen (Auswahl):
- Bundesarchiv: R 3017/15718
- Národní archiv: f. PŘ II, sig. V 947/13, Zdeňka Varhulíková; f. ÚV SPB, Zdeňka Varhulíková
- Vojenský ústřední archiv – Vojenský historický archiv: f. Sbírka osob, kt. 125, Zdeňka Varhulíková
- Tomáš Pasák, Zdeňka Varhulíková, in: Tomáš Pasák (Hg.), Bojovali za nás. Sborník o hrdinech protifašistického odboje na Praze 6 [Sie kämpften für uns. Eine Sammlung über die Helden des antifaschistischen Widerstands in Prag 6], Prag 1985, S. 283–292
- Pavla Plachá/Birgit Sack, Abschiedsbriefe und -kassiber als historische Quelle. Eine Einführung, in: Pavla Plachá/Birgit Sack, „Behaltet diesen Brief als Andenken an mich“. Abschiedsbriefe von Dresdner Hinrichtungsopfern aus der Tschechoslowakei. Eine kommentierte Edition / „Tento dopis si nechte na památku na mě“. Poslední dopisy Čechoslováků popravených v Drážďanech. Komentovaná edice, Prag/Leipzig 2023, S. 11–54
- Zdeňka Varhulíková, in: ebenda, S. 187–193 (deutsch) und 236–241 (tschechisch)
- Zdeňka Varhulíková, in: Wikipedia,
| Name | Zdeňka Varhulíková |
|---|---|
| Geschlecht | weiblich |
| Nationalität | tschechisch |
| Opfergruppe | Justizhäftling
Anerkannt gemäß Gräbergesetz § 1 Abs. 2 Nr. 4 |
| Geburtsdatum | 19.03.1914 |
| Todesdatum | 26.07.1944 |
| Bestattungsdatum | 31.07.1944 |
| Friedhof | Johannisfriedhof |
| Grablage | Grabfeld 1F
Exhumiert und innerhalb des Friedhofs überführt nach Grabfeld 3I (1976) |
| Todesursache | Hinrichtung |
| Todesort | DE, Dresden, Hinrichtungsstätte, Münchner Platz |
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