Gedenk- und Begräbnisanlage für die Opfer polizeilicher Gewalt im Keglerheim

Die in dieser Anlage im Grabfeld 3A bestatteten Toten kamen am 25. Januar 1933 durch Polizeigewalt ums Leben. Sie sind jedoch keine Opfer im Sinne des Gräbergesetzes. Da die politische Gewalt im Keglerheim jedoch ein bekanntes Ereignis der Dresdner Stadtgeschichte ist, wurde die Anlage dennoch in dieses Portal aufgenommen.



Die Geschehnisse am 25. Januar 1933

Am Abend des 25. Januar 1933 fand eine vom kommunistischen „Kampfbund gegen den Faschismus“ – der Nachfolgeorganisation des verbotenen Roten Frontkämpferbundes – organisierte Veranstaltung im Keglerheim in der Friedrichstraße 12 in Dresden-Friedrichstadt statt. Die Arbeiterschaft in diesem Stadtteil nutzte den ehemaligen Konzert- und Ballsaal als Versammlungsort. Wenige Tage vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 forderte der Redner Herbert Fraedrich, ein ehemaliger Oberleutnant, die Anwesenden auf, nationalsozialistische Gewalt mit Gegengewalt – auch mittels Waffen – zu beantworten. 

Aufgrund des Gewaltaufrufs erklärte der verantwortliche Polizeikommissar die Versammlung für beendet und ließ den Saal räumen. Die Ursachsen der anschließende Gewalteskalation wurden nicht abschließend geklärt. Insgesamt gab es auf Seiten der Teilnehmenden neben Verletzten neun Tote, von denen fünf im Keglerheim selbst und vier im Stadtkrankenhaus Friedrichstadt bzw. auf dem Weg dorthin starben.

Das Polizeipräsidium stellte sich in einer Presseerklärung hinter die Polizeibeamten, die in Notwehr von der Waffe hätten Gebrauch machen müssen: Die Anwesenden hätten sich geweigert, den Saal zu verlassen, die Polizisten mit Stühlen und anderen Gegenständen beworfen, und von der Galerie des Saals seien Schüsse abgegeben worden. Die kommunistische Presse warf der Polizei eine gezielte Tötungsaktion vor. Auch sozialdemokratische Zeitungen sahen die Hauptschuld bei der Polizei, die das verfassungsmäßig garantierte Recht auf freie Meinungsäußerung unterbunden habe, hielten die Kommunistische Partei aber für mitverantwortlich für die Gewalt-Eskalation: Deren jahrelange „Provokationen“, auch gegen leitende sozialdemokratische Beamte, hätten Gegenreaktionen hervorrufen müssen. Unabhängig von der Frage, wer zuerst geschossen habe, hätte es zu „einem solchen Blutbad in einer öffentlichen politischen Versammlung“ allerdings nicht kommen dürfen. [1]An die Arbeiterschaft Dresdens! In: Dresdner Volkszeitung, 26.1.1933.

Wer den ersten Schuss abgegeben hatte, fand auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Sächsischen Landtags nicht heraus. Die dort vernommenen Zeugen belasteten die Polizeibeamten schwer und wiesen unter anderem auf die Nichtanwesenheit höherer Polizeibeamter und den Einsatz junger, gewaltbereiter Polizeischüler aus Meißen sowie auf abgesperrte oder schwer erreichbare Notausgänge hin. Auch die Ergebnisse der von der Staatsanwaltschaft angeordneten Obduktion legen übermäßige Polizeigewalt nahe: Drei Männer waren durch Schüsse getötet worden, zwei weitere durch Schädelbruch gestorben. Vermutlich hatte die Panik infolge der fehlenden Notausgänge dazu geführt, dass drei weitere Männer erstickten und einer an einem Herzschlag starb. Zu einem abschließenden Ergebnis konnte der Ausschuss nicht mehr kommen, denn seine Arbeit endete mit dem SA-Überfall auf den Landtag am 8. März 1933. 

Polizeipräsidium Dresden, Anzeige über nachgemerkten Unfall (Paul Eichhhorn), 30.1.1933 (Auszug)

Nach dem vorläufigen sachverständigen ärztlichen Gutachten hat er nirgends eine Schussverletzung gefunden. Die Beobachtungen weisen dagegen darauf hin, dass vom Gesicht her und von der linken Seite des behaarten Kopfes starke Gewalteinwirkungen stattgefunden haben. Die Veränderungen an den Augenhöhlen und an den Augäpfeln lassen einen Bruch des Schädelgrundes vermuten, der die Todesursache sein kann. Eine andere Todesursache ist äußerlich nicht erkennbar.

© Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, Sterbefallanzeigen

Opfer polizeilicher Gewalt im Keglerheim

Fritz Domaschke
Markthelfer
* 13.2.1899, Dresden
† 25.1.1933
Stadtkrankenhaus Friedrichstadt

Paul Eichhorn
Arbeiter
* 12.11.1900, Freital
† 25.1.1933
Keglerheim

Kurt Förster
Arbeiter
* 29.4.1890, Dresden
† 25.1.1933
Keglerheim

Kurt Göbel
Schneidergehilfe
* 18.7.1907, Dresden
† 25.1.1933
Stadtkrankenhaus Friedrichstadt

Herrmann Koch
Kutscher
* 19.7.1875, Dresden
† 25.1.1933
Keglerheim

Walter Liebscher
Kraftwagenführer
* 24.5.1903, Dresden
† 25.1.1933
Keglerheim

Paul Maiwald
Händler
* 9.9.1893, Petersdorf
† 25.1.1933
auf dem Transport ins Krankenhaus 

Richard Michel
Arbeiter
* 11.5.1902, Niederleutersdorf
† 25.1.1933
Keglerheim

Adolf Sommerfeld
Verkäufer
* 27.5.1907, Kiel
† 25.1.1933
Stadtkrankenhaus Friedrichstadt

Die Beerdigung

Die Beerdigung von sieben der neun Toten auf dem Johannisfriedhof fand am 31. Januar 1933 statt, einen Tag nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Die Polizei hatte einen Trauerzug genehmigt und ließ ihn überwachen. Sofern die Getöteten zum Zeitpunkt des Überfalls erwerbslos gewesen waren, übernahm die Stadt Dresden die Kosten der Beisetzung. Walter Liebscher war bereits am Vortag auf Wunsch seiner Angehörigen nach kirchlichem Ritus in einem anderen Grabfeld des Friedhofs beerdigt worden. Adolf Sommerfelds Leichnam wurde Anfang Februar 1933 eingeäschert und auf dem benachbarten städtischen Urnenhain bestattet. 

Die Beisetzungsfeierlichkeiten trugen Presseberichten zufolge den Charakter einer politischen Demonstration. Mehrere Tausend Menschen bewegten sich seit dem frühen Nachmittag an den mit Kränzen überladenen Särgen vorbei, darunter Abordnungen des Kampfbunds gegen den Faschismus, der Roten Hilfe, des Sozialistischen Schutzbundes und des republiktreuen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ein Foto zeigt Männer mit erhobener Faust – dem sozialistischen Gruß –, die hinter den Särgen Spalier stehen. Eine Fahne trägt das Logo der „Antifaschistischen Aktion“, einer 1932 von der KPD ausgerufenen antifaschistischen „Einheitsfront“.

Den Trauerzug begleiteten Musikkapellen und Fahnen mit Trauerflor. Dem etwa zweistündigen Vorbeimarsch, der von den Angehörigen der Getöteten angeführt wurde, folgte die Überführung der Särge an den Ort der Beisetzung. Bei der anschließenden Trauerfeier an den Gräbern sprachen unter anderem Karl Ferlemann, Organisationsleiter der Bezirksleitung Sachsen der KPD, und Wilhelm Franke, SPD-Stadtverordneter und Repräsentant des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Ferlemann bewertete die Toten als „Blutzeugen der gewaltigen Verschärfung der faschistischen Diktatur“, die in den Augen der KPD bereits vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten seit 1930 bestanden hatte. [1]Ueberwältigender Aufmarsch. 30 000 marschieren in kampfbereiter Einheitsfront, in: Arbeiterstimme, 1.2.1933.

Im gemeinsam durchgeführten Trauerzug zeigte sich die politisch tief gespaltene organisierte Arbeiterbewegung solidarisch mit den Toten und ihren Angehörigen. Die Ablehnung von Polizeigewalt und die Frontstellung gegen den Nationalsozialismus vereinigte sie kurzzeitig vor den Gräbern. Doch die Spaltung zwischen republikanischer und revolutionärer Linker war tiefer. Die von der KPD an den Gräbern der Toten beschworene kampfbereite „Einheitsfront“ existierte nicht.

Die Bestattung der Opfer vom 25. Januar

Wie im größten Teil unserer gestrigen Ausgabe schon berichtet, erfolgte am gestrigen Dienstagnachmittag auf dem Johannisfriedhof in Tolkewitz die Beisetzung der bei dem Tumult im Keglerheim am 25. Januar Getöteten.
Bereits in den Mittagsstunden setzte auf den Zufahrtsstraßen zum Friedhof starker Verkehr ein. Einzelne Züge von Kommunisten, die in den Mittagsstunden von der Peripherie der Stadt zum Aufstellplatz auf der Stübelallee geschlossen marschieren wollten, wurden von der Polizei aufgelöst, da die Ausnahme vom Demonstrationsverbot nur für den Hauptzug, vom Stübelplatz bis zum Johannisfriedhof, gültig war. Auf den Straßen zum Friedhof standen an jeder Straßenecke Schutzpolizeiposten, die mit Karabinern bewaffnet waren.
Auf dem Friedhof sorgten Beamte der Wohlfahrtspolizei für Aufrechterhaltung der Ordnung. Auf dem Hauptwege des Friedhofs, zwischen Wehlener und Tolkewitzer Straße, wurden die […] Särge seitwärts in einem offenem Viereck, das von Lorbeerbäumen und Tannen umrahmt war, aufgestellt.
Gegen 2,30 Uhr nahte die Spitze des Zuges mit Trauermusik dem Friedhof. Der Vorbeimarsch des Zuges an den Särgen dauerte über zwei Stunden. Um 5 Uhr begann die eigentliche Trauerfeier. An der Friedhofsmauer an der Tolkewitzer Straße war ein Massengrab hergerichtet. Die Angehörigen folgten den einzelnen Särgen. Während des Herantragens der Särge erklangen Trauermärsche und Chorgesänge. […] Bei Fackelbeleuchtung wurden die letzten Särge in das Grab gesenkt. Dann sprach der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, Ferlemann (Berlin)*, ferner ein Vertreter des Generalvorstands der Roten Hilfe und im Namen der Eisernen Front der Dresdner sozialdemokratische Abgeordnete Franke, sowie ein Redner des Schutzbundes der Sozialistischen Arbeiterpartei.

Dresdner Neueste Nachrichten, 2.2.1933 (Auszug)

*Karl Ferlemann war damals Organisationsleiter der KPD-Bezirksleitung Sachsen

Die Beisetzung der Keglerheim-Opfer

Am Dienstagnachmittag fand auf dem Tolkewitzer Friedhof die Beerdigung von sieben Opfern der Schießerei im Keglerheim statt, nachdem bereits am Montag die Einäscherung der beiden anderen getöteten Opfer erfolgt war,* deren Angehörige die Beisetzung außerhalb der kommunistischen Demonstration nach kirchlichem Brauch vollzogen wissen wollten. Die Polizei hatte trotz des Demonstrationsverbotes diesen Trauerzug genehmigt. Nach dem Vorbeimarsch an den sieben auf dem Friedhof aufgebahrten Toten, wurde der Zug, an dem etwa 12 000 Personen teilnahmen, aufgelöst. Zu der Trauerfeier selbst wurden nur einzelne Abordnungen zugelassen, darunter eine Abordnung der Eisernen Front. Die Kosten der Beisetzung werden von der Stadt Dresden übernommen. Die sieben Toten wurden in einem gemeinsamen Grab beigesetzt. Nachdem die Angehörigen vor dem Grab Abschied genommen hatten, hielten die Vertreter des Zentralkomitees und der übrigen Organisationen Ansprachen, die darin gipfelten, daß die Opfer vom Keglerheim ein Wahrzeichen für die heranrückende endgültige Auseinandersetzung zwischen dem Kapital und der Arbeiterschaft darstellten, und die mit einem Gelöbnis der Vergeltung und Rache endeten.

Dortmunder Zeitung, 1.2.1933 (Auszug)

*Rudolf Sommerfelds Leichnam wurde am 1.2.1933, einem Mittwoch, eingeäschert und auf dem Urnenhain beigesetzt. Walter Liebschers Leichnam wurde nicht eingeäschert, sondern war am 30.1.1933 auf dem Johannisfriedhof bestattet worden.

Belegung des Grabfelds

Sieben der neun durch die brutale Gewalt im Keglerheim Getöteten wurden am 31. Januar 1933 am Rande des Grabfelds 3A, das als Kindergrabanlage genutzt wurde, bestattet. Die Toten wurden nebeneinander in der Reihe 33 in den Gräbern Nr. 16–22 bestattet. Fast alle Angehörigen erwarben die Gräber für eine zwanzigjährige Ruhefrist. Im August 1934 wurde Kurt Göbels Vater im Grab Nr. 15 neben seinem Sohn bestattet.

Das Grabfeld in der SBZ/DDR

Hinweisen im Bestattungsbuch zufolge wurden die sieben Gräber unmittelbar nach Kriegsende von der Friedhofsverwaltung in Pflege genommen, sofern sich nicht Angehörige um die Gräber kümmerten. 

Anfang 1952, im Vorfeld des 20. Jahrestags der Polizeigewalt im Keglerheim, beschloss die Dresdner Stadtverordnetenversammlung, Mittel für die Ausgestaltung des Bestattungsortes als würdige Gedenkstätte „für die am 25. Jan. 1933 im Keglerheim zu Dresden von der Reaktion ermordeten aufrechten Antifaschisten“ zur Verfügung zu stellen. [1]Niederschrift der Ratssitzung vom 22.1.1952 (Auszug), Stadtarchiv, 9.1.1.14, Nr. 800, Bd. 3. Die Arbeiten an dem Gedenkort zogen sich jedoch über vier Jahre hin, weil im Umfeld der Gräber der Keglerheim-Opfer für die notwendige Flächenerweiterung zunächst Kindergräber eingeebnet werden mussten. Die Friedhofsverwaltung bestand darauf, Ruhefristen einzuhalten und schriftliche Einverständniserklärungen der Angehörigen einzuholen.

Bei der Gedenkfeier Ende Januar 1953, anlässlich des 20. Jahrestags, legten Angehörige und Organisationsvertreter, etwa die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, auf den Gräbern Blumenkränze nieder, hinter denen zwei provisorische Stelen mit Feuerschalen aufgebaut waren. Auf ihnen waren die Namen der Bestatteten sowie politische Appelle zu lesen.

Mit Ausnahme von zweien waren die Gräber von den Familien – möglicherweise bereits 1933 – mit individuellen Grabzeichen versehen worden. Eine einheitliche Gestaltung der Gräber gab es deshalb nicht.

Im Jahr 1953, zwanzig Jahre nach den Geschehnissen, rückte auch das kriegszerstörte Keglerheim selbst ins Zentrum des offiziellen Gedenkens. In der Nähe der Ruine wurde im Rahmen einer Großkundgebung eine Gedenktafel enthüllt, die die namentlich aufgeführten Opfer als „im Kampfe für die Ziele der Arbeiterklasse durch faschistischen Terror“ Gefallene würdigte. Die Ehrung der Toten als Märtyrer im Kampf gegen den Faschismus ging einher mit ihrer Instrumentalisierung für aktuelle politische Zielsetzungen – etwa mit der Aufforderung, die Toten durch den Eintritt in die Volkspolizei zu ehren. 

Im Dezember 1956 wurde in der – nun zu einem Gedenkort aufgewerteten – Begräbnisanlage auf dem Johannisfriedhof eine Stele aus Sandstein aufgestellt. Geschaffen von dem Bildhauermeister Helmut Schleider trug sie die Inschrift „Sie lebten und kämpften für den Sieg der Arbeiterklasse. Zu Ehren der am 25. Januar 1933 im Keglerheim ermordeten Antifaschisten“. Den Vorgaben der Friedhofsverwaltung entsprechend, verzichtete die Stadt darauf, eine Feuerschale auf die Stele aufzusetzen. An die Stelle der individuellen Grabzeichen traten gleichförmige Grabsteine mit den Namen und Lebensdaten der Toten. 1957 wurde die Anlage feierlich eingeweiht, sie ist bis heute erhalten.

Im Juli 1958 wurde der Leichnam von Walter Liebscher, den seine Familie 1933 im Grabfeld 4F bestattet hatte, in die Gedenk- und Begräbnisanlage überführt. Er wurde neben Hermann Koch beigesetzt. Damit waren die Überreste von acht der neun Keglerheim-Opfer in der Begräbnisanlage bestattet.

Im Juni 1960 nahm der Dresdner Stadtrat die Anlage für die Keglerheim-Opfer in Pflege. Im August 1969 wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt. 1970 wurden zwecks Verschönerung der Anlage unter anderem Bäume gefällt. Da die Umgebung in einem ungepflegten Zustand war, veranlasste das städtische Grünflächenamt 1972 die Einebnung der Grabreihen 1 bis 29, auch die dort noch befindlichen sieben Kindergräber waren betroffen. Im Juni 1973 ließ die Friedhofsverwaltung die außerhalb der Gedenkanlage noch vorhandenen Grabsteine abtragen und die Fläche einplanieren.
 

Das Grabfeld nach 1989/90

Auf Initiative der Verwaltung des Johannisfriedhofs ließ das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft die zugewachsene und nicht mehr verkehrssichere Gedenk- und Begräbnisanlage 2007 sanieren. Im Zuge dieser Maßnahme wurde sie um eine symbolische Namenstafel für das neunte Todesopfer Rudolf Sommerfeld erweitert, dessen Vater seine Urne 1933 auf dem benachbarten Urnenhain hatte bestatten lassen. Bereits 1964 war die Grabstelle aufgegeben und neu verpachtet worden, eine Überführung der Urne war daher nicht mehr möglich. 

Die symbolische Tafel wurde gegenüber der Gräberreihe platziert. Sie war im Lapidarium des Amtes für Kultur und Denkmalschutz in der Ruine Zionskirche eingelagert gewesen und gehörte zu einer 1968 neu eingerichteten Gedenkanlage am ehemaligen Standort des Keglerheims in der Friedrichstraße. Mit Namenstafeln für die Opfer und einer neuen Inschrift ersetzte sie die Gedenktafel aus dem Jahr 1953. Der neuen Inschrift zufolge waren die „9 Arbeiter durch einen feigen Überfall der Polizei hinterhältig ermordet“worden.

Eine bei der Stadt Dresden eingerichtete Kunstkommission schätzte Mitte der 1990er-Jahre den Inschriftentext als problematisch ein. Äußerer Anlass für die Abtragung der Anlage beim früheren Standort des Keglerheims in der Friedrichstraße war eine Baumaßnahme. Seit 2009 erinnert eine vom Verein riesa efau initiierte Gedenktafel räumlich etwas versetzt an die Toten des Keglerheims.
 

Quellen (Auswahl):

  • Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs: Begräbnisanzeigen; E.1. Ehrenhain Widerstandskämpfer und Angehörige fremder Nationen
  • Stadtarchiv Dresden:  9.1.1.14, Nr. 800, Bd. 3; /Zwischenarchiv: Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, 8525/49
  • An die Arbeiterschaft Dresdens! in: Dresdner Volkszeitung, 26.1.1933
    Neun Arbeiter erschossen! in: Arbeiterstimme, 26.1.1933
  • Der Blutabend im Keglerheim, in: Dresdner Volkszeitung, 27.1.1933
  • Schwere Kämpfe zwischen Kommunisten und Polizei in Dresden, in: Der Führer, 27.1.1933
  • Die Todesursachen der Keglerheim-Opfer, in: Sächsische Dorfzeitung, 30.1.1933
  • Opfer des Blutbades, in: Illustriertes Volksecho, Nr. 5, Januar 1933
  • Die Beisetzung der Keglerheim-Opfer, in: Dortmunder Zeitung, 1.2.1933
  • Ueberwältigender Aufmarsch. 30 000 marschieren in kampfbereiter Einheitsfront, in: Arbeiterstimme, 1.2.1933
  • Die Bestattung der Opfer vom 25. Januar, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 2.2.1933
  • Fritz Kriegenherdt, Das Blutbad im Keglerheim, Dresden 1958
  • SED-Bezirksleitung Dresden/Rat des Bezirkes Dresden (Hg.), Erinnerungsstätten der revolutionären Arbeiterbewegung im Bezirk Dresden, Dresden 1988, I/29
  • Ingrid Rosski, Denkmal, Mahnmal oder Schandmal, in: Sächsische Zeitung, 10./11.7.1993
  • Janosch Förster, Die letzte „Front des demokratischen Sachsen“? Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss im Schatten der „Machtergreifung“ 1933, in: Landtagskurier 2 (2023), S. 22f