Gräber alliierter Flieger in einem Waldstück beim Grabfeld 5F
In einem nicht für Bestattungen genutzten Waldstück beim Grabfeld 5F wurden kurz nach den Luftangriffen vom Februar 1945 fünf alliierte Besatzungsmitglieder eines oder mehrerer abgestürzter oder alliierter Flugzeuge bestattet. Sie galten als „Terrorflieger“, die separat zu beerdigen waren. Ihre Identität ist nicht geklärt.
Belegung des Grabfelds
Wenige Tage nach den Luftangriffen auf Dresden von Mitte Februar 1945 wurden auf dem Johannisfriedhof fünf Besatzungsmitglieder eines oder mehrerer abgestürzter alliierter Flugzeuge am Rande des Johannisfriedhofs beigesetzt. Als Bestattungsort wählte die Friedhofsverwaltung ein nicht für Bestattungen genutztes Waldstück in der Nähe des Grabfelds 5F. Die Toten galten als „Terrorflieger“.
Die wenigen Informationen über die Toten und die näheren Umstände ihres Todes stammen von Zeugen, die im Juni 1947 von der Polizei befragt wurden. Ein sowjetischer, ein britischer und ein amerikanischer Offizier hatten zuvor die Dresdner Polizeibehörde beauftragt, festzustellen, wie viele alliierte Flugzeuge über Dresden abgestürzt waren, wie viele Insassen geborgen wurden und wo sich die Gräber toter Besatzungsmitglieder befinden. Drei tote Flieger waren demzufolge bei einem Angriff auf das Wasserwerk Tolkewitz abgestürzt oder notgelandet und im Umfeld des Wasserwerks geborgen worden. Sie sollen der Royal Canadian Air Force angehört haben, die im Luftkrieg gegen Deutschland britische und US-amerikanische Luftstreitkräfte unterstützt hatten.
Ein weiterer Toter wurde an der Mauer des Johannisfriedhofs gefunden, ein fünfter Leichnam dem Friedhofsverwalter von der Polizei übergeben. Ob diese beiden Toten ebenfalls zu den Besatzungsmitgliedern des im Gelände des Wasserwerks abgestürzten Flugzeugs gehörten, ist nicht bekannt. Ihre Bestattung erfolgte auf Weisung der Polizei ohne Ausstellung einer standesamtlichen Sterbeurkunde.
In der Nacht vom 13. zum 14.2.45 hatte ich Nachtdienst. Gegen 1, 00 Uhr nachts schwirrte es im Gelände. Man versuchte, das Wasserwerk anzugreifen. Ich befand mich im Luftschutzkeller. Nach dem Angriff begab ich mich in das Brunnengelände, welches sich in den Wasserwerkwiesen befindet. Daselbst waren Bomben im Reihenflug gefallen. Am Landgraben spießte die Tragfläche eines Bombers aus der Erde heraus. Im Wasserwerksgelände, ungefähr 100 m vom Werk entfernt, lag der erste Tote (Schädel auseinandergerissen), er war mit dem Kopf in der Wiese stecken geblieben. Den zweiten Toten fanden wir innerhalb des Werkes an dem Ausfahrtstor der Tolkewitzer Straße mit geschlossenem Fallschirm, anscheinend ein Kanadier (Schädel auseinandergetrieben, Gehirn lag etliche Meter daneben). Auf einer Taschenlampe im Holzkasten, welche er umgehängt trug, stand mit schwarzer Farbe der Name: „Murphi“. Der dritte Tote lag ebenfalls innerhalb des Werkes (Schädel auseinandergerissen) am Filterturm, neben ihm eine starke eiserne Welle (Teil eines Flugzeuges). Diese drei aufgefundenen Toten trugen ‚Sweater‘. Drei bis vier Tage später wurden die Toten durch einen Wohlfahrtsbeamten und 4 Arbeiter mit dem Handwagen weggeschafft, vermutlich nach dem Johannis-Friedhof.
Protokoll (Auszug) einer Aussage von Kurt Mehlhorn, Maschinist im Wasserwerk Tolkewitz, 21. Polizeirevier, Dresden, 9.6.1947
© Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Dresden, 11378, Nr. 366
Ich mußte den in Höhe der Ankerstr[aße] an der Friedhofsmauer liegenden Toten, der in voller Ausrüstung aus dem Flugzeug geschleudert wurde, nach dem Friedhof bringen. Er hatte schwarzes, welliges Haar, nach hinten gekämmt, war groß, jung und kräftig. Insgesamt wurden mir noch 4 Tote gebracht. Darunter drei Tote aus dem Wasserwerkgelände und den einen Toten von der Friedhofsmauer. Bei dem fünften Toten, welcher von der Polizei gebracht wurde, lagen nähere Angaben nicht vor. Alle fünf Toten wurden gemeinsam in Uniform begraben. Das Grab ist eingezäunt und wird gepflegt. Die Papiere wurden von einem ehemal[igen] Offizier der Wehrmacht abgenommen, daher können keine näheren Angaben über die Toten selbst gemacht werden.
Protokoll (Auszug) einer Aussage von Georg Zaag, Friedhofsinspektor des Johannisfriedhofs, 21. Polizeirevier, Dresden, 9.6.1947
© Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Dresden, 11378, Nr. 366
Die Gräber nach 1989/90
Im Jahr 1999 erhielten die drei Gräber der umgekommenen Besatzungsmitglieder ein dauerndes Ruherecht gemäß Gräbergesetz. Fotos aus diesem Jahr zeigen die zwei Einzelgräber und das größere Grab für drei Leichname. Sie sind bis heute erhalten, sind aber wegen der unbefestigten Waldlage offiziell nicht zugänglich.
Die Identität der fünf Männer konnte bis heute nicht geklärt werden. Etwas abseits von diesen Gräbern befindet sich ein weitertes Grab über das keine Informationen vorliegen.

