Helene von Gersdorff

Helene von Gersdorff, 1939

© StSG/Gedenkstätte Großschweidnitz

Grabstein auf der Grabstätte von Helene von Gersdorff im Grabfeld 4F

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Grabstätte von Helene von Gersdorff im Grabfeld 4F

© StSG/GSMP, Holm Helis, 2025

Helene von Gersdorff (1923–1943) wurde in Dresden als zweites der fünf Kinder von Nikolai und Anna von Gersdorff geboren, ihre Eltern waren ein Jahr vor ihrer Geburt als Adelige aus der Sowjetunion geflohen. Nikolai von Gersdorff war Jurist, seine russische Frau eine Schwester von Dimitri Obolensky, der 1945 als Justizgefangener starb. Helene von Gersdorff war seit ihrer zu früh erfolgten Geburt wegen eines Sauerstoffmangels geistig und körperlich beeinträchtigt und erkrankte als Einjährige so schwer an einer Hirnhautentzündung, dass sie weitere bleibende Schäden erlitt. Mit drei Jahren bekam sie die Diagnose „Schwachsinn (Idiotie)“, wurde bis 1930 überwiegend im Haushalt der Eltern betreut und dann in die Siechenanstalt Bethesda in Radebeul eingewiesen. In der Abteilung für geistig und körperlich behinderte Kinder verbrachte sie rund acht Jahre, bis sie aufgrund einer Verschlechterung ihrer psychischen Verfassung im September 1939 in das Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße und, nachdem sich ihr Zustand wieder verbessert hatte, im folgenden Monat in den Katharinenhof in Großhennersdorf eingewiesen wurde. 

Als 1940 im Zuge der nationalsozialistischen Krankenmorde die Patient:innen in die Landesanstalt Großschweidnitz verlegt wurden, veranlasste ein mit der Familie von Gersdorff befreundetes Vorstandsmitglied des Katharinenhofs Helene von Gersdorffs Entlassung nach Hause. Nach kürzeren Aufenthalten in Anstalten der Inneren Mission in Kleinwachau, Bethel und Leipzig kam sie wieder nach Hause und von dort im Juli 1941 erneut in das Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße, das die inzwischen 17-Jährige im Oktober 1941 in die Landesanstalt Arnsdorf einweisen ließ. In dieser Situation versuchte Nikolai von Gersdorff mithilfe des schwedischen Konsulats in Dresden, wo er inzwischen angestellt war, seine Tochter in der schweizerischen Anstalt Littenheid bei Wil in Sicherheit zu bringen. Obwohl die Arnsdorfer Anstaltsleitung zustimmte, kam es aus unbekannten Gründen nicht dazu.

Im folgenden Jahr verschlechterte sich ihr Zustand, sie wirkte teilnahmslos und isolierte sich von den übrigen Patient:innen. Mitte August 1943 wurde sie in die Landesanstalt Großschweidnitz verlegt und hatte inzwischen angesichts der systematischen Vernachlässigung dramatisch an Gewicht verloren. Nur wenige Tage später, am 22. August 1943, ihrem 20. Geburtstag, starb sie – offiziellen Angaben zufolge an Kreislaufversagen.

Ihre Eltern ließen sie am 27. August 1943 auf dem Johannisfriedhof bestatten. Kurz vor Kriegsende gelangten die Eltern mit einem der sogenannten Weißen Busse über Lübeck nach Schweden. Das Grab ihrer Tochter in Dresden ließen sie gegen Bezahlung durch die Friedhofsverwaltung pflegen, später übernahm es Helene von Gersdorffs jüngste Schwester, bis sie es aus Altersgründen aufgab. 2019 erhielt das Grab einen neuen Grabstein und Helene von Gersdorff ein ewiges Ruherecht im Sinne des Gräbergesetzes.

Quellen (Auswahl):

  • Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10822/F4565
  • Stadt Dresden, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft: Ordner 67.01
  • Sigrid Winkler, Katharinenhof. Beiträge zum Weg einer diakonischen Einrichtung seit 1721, Großhennersdorf 1996, S. 29–31
  • Boris Böhm/Sophia Glaner, Helene von Gersdorff (1923–1943). Biografisches Porträt eines sächsischen Opfers der NS-Psychiatrie, Dresden 2023

Name Helene von Gersdorff
Geschlechtweiblich
Nationalitätdeutsch
OpfergruppeAnstaltspatient:in
Anerkannt gemäß Gräbergesetz
§ 1 Abs. 2 Nr. 4
Geburtsdatum22.08.1923
Todesdatum22.08.1943
Bestattungsdatum27.08.1943
FriedhofJohannisfriedhof
GrablageGrabfeld 4F
TodesursacheKreislaufversagen
TodesortDE, Großschweidnitz, Landesanstalt Großschweidnitz

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