Opfergruppen
Ausgehend vom Gräbergesetz lassen sich die Bestatteten unterschiedlichen Opfergruppen zuordnen. Auf dem Neuen Katholischen Friedhof sind Häftlinge von Justiz, Polizei und von Konzentrationslagern beerdigt sowie Zwangsarbeiter:innen, Vertriebene, Zivilist:innen, Umsiedler:innen, Soldaten beider Weltkriege und Anstaltspatient:innen.

Anteil der einzelnen Opfergruppen an den 1200 hier bestatteten Opfern von Gewalt und Krieg
© StSG/GSMP, 2024
Justizhäftlinge
Die rund 500 Justizgefangenen bilden die größte Gruppe unter den 1200 Opfern von Gewalt und Krieg auf diesem Friedhof. Mehrheitlich starben sie nach einem Todesurteil im Richthof des Dresdner Landgerichts am Münchner Platz unter der Guillotine. 350 der hier bestatteten Justizgefangenen waren tschechischer Nationalität, gefolgt von knapp achtzig polnischen und über dreißig deutschen Justizhäftlingen.
Von den Justizgefangenen, die nicht hingerichtet wurden, starben fünfzehn Häftlinge infolge von Infektionskrankheiten, fünf töteten sich selbst und bei zwei Gefangenen ist die Todesursache nicht bekannt. Drei Justizgefangene kamen im Gerichtsgefängnis in der George-Bähr-Straße bei den Bombenangriffen auf Dresden im Februar 1945 ums Leben.
V or ihrer Verhaftung hatten die Justizgefangenen ihren Lebensmittelpunkt überwiegend außerhalb Dresdens gehabt: im Protektorat Böhmen und Mähren sowie in den Reichsgauen Sudetenland und Wartheland. Sie waren für die Gerichtsverhandlung bzw. die Vollstreckung des Todesurteils nach Dresden verbracht worden. Etwa vierzig ausschließlich männliche Justizgefangene waren vor ihrer Inhaftnahme als zivile Zwangsarbeiter in Sachsen beschäftigt gewesen, der Franzose Yves Joël Anglès d’Auriac im Reichsgau Sudetenland.
Über sechzig Prozent der hingerichteten Justizgefangenen waren aus politischen Gründen zum Tode verurteilt worden – mehrheitlich vom Volksgerichtshof, der ab Anfang 1943 regelmäßig in Dresden tagte, sowie von den Oberlandesgerichten Dresden, Leitmeritz und Posen. Sie hatten sich aktiv gegen die deutsche Besatzungsherrschaft aufgelehnt oder das NS-Regime kritisiert, etwa indem sie Zweifel an einem deutschen Kriegserfolg geäußert hatten. Mehr als ein Drittel der Hinrichtungsopfer waren von Sondergerichten in Dresden, Chemnitz, Leipzig und Prag verurteilt worden. Die knapp hundert vom Sondergericht Prag Verurteilten stellten unter diesen die größte Gruppe, obwohl die Todesurteile dieses Gerichts nur bis Frühjahr 1943 in Dresden vollstreckt wurden. Überwiegend erfolgten die Todesurteile der Sondergerichte wegen leichterer krimineller Delikte wie Diebstählen, Hehlerei oder Schwarzschlachtungen.
Die Justizgefangenen waren überwiegend römisch-katholischer Konfession, so auch der tschechische Kaufmann Osvald Neumann, der vom Judentum zum Katholizismus konvertiert war. Nur rund dreißig Justizhäftlinge gehörten einer anderen Konfession an oder waren konfessionslos. Bis auf Václav Kropáček und František Procházka, deren Überreste ihre Familien in den 1960er-Jahren in ihre tschechische Heimat überführen ließen, sind die Justizgefangenen bis heute hier bestattet.
Polizeihäftlinge
Auf diesem Friedhof sind auch dreißig Polizeihäftlinge bestattet, darunter zwei Frauen. Als offizielle Todesursache wurde in acht Fällen Selbsttötung angegeben, die übrigen Gefangenen der Dresdner Polizei starben an Infektionskrankheiten. Ob zumindest in einzelnen Fällen polizeiliche Gewalt den Tod verschuldet oder mitverschuldet hat, ist nicht bekannt.
Die Hälfte der Polizeigefangenen war polnischer Nationalität und von vierzehn Häftlingen ist bekannt, dass sie vor ihrer Inhaftierung Zwangsarbeit leisten mussten. Über den Grund der polizeilichen Verhaftung ist nur im Falle des Italieners Arnaldo Barbieri Näheres bekannt.
Fünfzehn Inhaftierte kamen im Dresdner Polizeigefängnis in der Schießgasse 7 ums Leben, bei zehn Männern ist ihre polizeiliche Unterbringung in Barackenlagern rund um den benachbarten Zeughausplatz bekannt und fünf Polizeihäftlinge starben in Dresdner Krankenhäusern.
KZ-Häftlinge
Mindestens drei deutsche KZ-Häftlinge sind auf dem Neuen Katholischen Friedhof bestattet, ihre Urnen wurden dem Friedhof aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Mauthausen sowie der Tötungsanstalt Bernburg überstellt. Bernhard Janetzky und Hans Müller wurden auf Initiative ihrer Angehörigen hier im Familiengrab bestattet, Wilhelm Koch wurde auf Kosten der Fürsorge beigesetzt.
Anders als Bernhard Janetzky und Hans Müller stammte Wilhelm Koch nicht aus Dresden, sein Geburts- und letzter Wohnort war ein niederschlesisches Dorf. Im Rahmen der „Sonderbehandlung 14f13“ war er aus dem KZ Flossenbürg in die Tötungsanstalt Bernburg deportiert und dort ermordet worden. Warum er in Dresden bestattet wurde, ist nicht bekannt.
zivile Zwangsarbeiter:innen
Die rund 270 zivilen Zwangsarbeiter:innen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten bilden die zweitgrößte Opfergruppe auf diesem Friedhof, etwa ein Viertel von ihnen war weiblich. Unter den Bestatteten bilden sie die jüngste Opfergruppe: Etwa ein Drittel war zwischen 1920 und 1928 geboren und zum Zeitpunkt des Todes Mitte zwanzig und jünger, die jüngsten starben im Alter von 16 Jahren. Dieser Gruppe sind auch 45 Säuglinge und Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen zugeordnet, die in den Herkunftsländern ihrer Mütter oder in Dresden geboren wurden. Über fünfzig weitere Männer und Frauen mussten in Dresden oder andernorts zivile Zwangsarbeit leisten, bevor sie in Justiz- bzw. Polizeihaft ihr Leben verloren. Sie sind daher nicht dieser der Opfergruppe zugeordnet, sondern jener der Justiz- oder der Polizeihäftlinge.
Rund ein Drittel der verstorbenen Zwangsarbeiter:innen – über zwanzig Säuglinge und Kinder eingeschlossen – war polnischer Nationalität. Eine weitere größere Gruppe stammte aus der Sowjetunion und war überwiegend ukrainischer Nationalität. Unter den Zwangsarbeiter:innen aus Westeuropa überwogen mit über fünfzig Frauen, Männern und Kindern die mit französischer Nationalität. Von den knapp zwanzig ausschließlich männlichen italienischen Zwangsarbeitern waren einige freiwillig nach Sachsen gekommen, als Deutschland und Italien noch Bündnispartner waren – danach mussten sie zwangsweise weiter in Deutschland arbeiten. Andere mussten als sogenannte „Italienische Militärinternierte“ Zwangsarbeit leisten.
Von über zwei Dritteln der hier bestatteten Zwangsarbeiter:innen ist ihre vorherige Unterbringung in Lagern bekannt, andere wohnten zur Untermiete oder in Gasthäusern. Die rund sechzig Lager allein in Dresden, in denen die Menschen zuvor gelebt hatten, verteilten sich über das gesamte Stadtgebiet. Dazu gehörten Lager größerer und kleinerer Wirtschaftsbetriebe, die teilweise direkt für die Rüstungsindustrie produzierten, aber auch solche von städtischen oder staatlichen Arbeitgebern wie der Dresdner Straßenbahn AG und der Deutschen Reichsbahn.
Etwa dreißig zivile Zwangsarbeiter:innen waren den Friedhofsbüchern zufolge vor ihrem Tod in Auffang- und Durchgangslagern in der Bremer Straße untergebracht gewesen. In dieser Straße in unmittelbarer Nachbarschaft des Friedhofs befanden sich mehrere Barackenlager, die teils Firmen unterhielten, teils die Stadt Dresden.
Die Stadt Dresden und verschiedene Firmen unterhielten in der Bremer Straße – in unmittelbarer Nachbarschaft des Friedhofs – Wohnbarackenlager für Zwangsarbeiter:innen. Etwa dreißig zivile Zwangsarbeiter:innen waren den Friedhofsbüchern zufolge vor ihrem Tod in Auffang- und Durchgangslagern in der Bremer Straße untergebracht. So existierte auf der Bremer Straße 25 ein sogenanntes Ausländerlager der Firma Seidel & Naumann, die ihren Sitz in der angrenzenden Hamburger Straße hatte. Im Dresdner Adressbuch für die Jahre 1943/44 sind die Grundstücke in der Bremer Straße 3 bis 31 gegenüber dem Neuen Katholischen Friedhof als Baustellen bezeichnet, auf einer Luftaufnahme vom April 1945 sind jedoch verschiedene Baracken zu erkennen, die wie ein zusammenhängender Lagerkomplex wirken.
Wie katastrophal die Zustände in den Baracken waren, verdeutlich ein kurz nach Kriegsende verfasster Bericht, als diese für die Unterbringung von Vertriebenen hergerichtet werden sollten:
Die 4 Baracken des Lagers, die jetzt der Aufnahme von 600 – 800 Flüchtlingen dienen sollen, sind alle reparaturbedürftig. Fensterrahmen, Fenster und Türen fehlen fast überall oder sind defekt. Die Dächer müssen ausgebessert werden. Die Schornsteine sind abgeknickt oder verbogen, so dass nicht ohne Gefahr geheizt werden kann. […] Die Baracken sind sehr verschmutzt […] Es werden etwa 6 Arbeitskräfte ständig gebraucht (4 Frauen, 2 Männer), da man sonst auch nicht des Ungeziefers Herr werden kann […] Die Flüchtlinge können im allgemeinen nicht dazu herangezogen werden, da sie meist erschöpft sind. […] Die Ungezieferbeseitigung ist im Hinblick auf die Seuchengefahr, die vom Ungeziefer ausgeht, wesentlich. Gegen die Rattenplage muss auch energisch vorgegangen werden.
Bezirksgesundheitsamt III, Bericht über das Barackenlager Bremer Straße, 7.8.1945 (Auszug) © Stadtarchiv Dresden, 4.1.10, Nr. 42
Über zwanzig männliche Zwangsarbeiter waren als Beschäftigte der Deutschen Reichsbahn in verschiedenen betriebseigenen Wohnlagern untergebracht, so im Lager „Nizza“ in der Hamburger Straße 39/41, im Lager „Keglerheim“ in der Friedrichstraße 10/12, im Lager „Stadt Petersburg“ bei der Frauenkirche, im Lager „Gröbelschule“ in der Gröbelstraße 3, in Lagern am Emmerich-Ambros-Ufer und in Cossebaude. Fünf polnische Zwangsarbeiter lebten im Gemeinschaftslager „Glück auf“ des Dresdner Kohlenhandels in der Winterbergstraße 52.
Elf Zwangsarbeiter:innen – darunter vier Frauen, deren Kinder kurz nach der Geburt starben – waren im Lager Seidnitz der Zeiss-Ikon AG in der Bodenbacher Straße 152/154 untergebracht gewesen. Vier später verstorbene Säuglinge bzw. Kleinkinder mussten von ihren Müttern zwangsweise in der im Mai 1943 eingerichteten sogenannten Ausländerkinder-Pflegestätte „Lager Kiesgrube“ im Dresdner Norden abgegeben bzw. nach der Entbindung dort gelassen werden, damit diese ihre Arbeitskraft weiter in den Dienst des Deutschen Reichs stellen konnten. Darunter befand sich auch das französische Kleinkind Erika Nottet.
Die auf dem Neuen Katholischen Friedhof bestatteten Zwangsarbeiter:innen kamen zwischen Oktober 1941 und Ende April 1945 um Leben. Weitere sechs Frauen und Männer waren ehemalige Zwangsarbeiter:innen, die nach Kriegsende bis Juli 1945 starben.
Von mehr als der Hälfte der Zwangsarbeiter:innen ist bekannt, dass sie in den Dresdner Stadtkrankenhäusern in Friedrichstadt, Johannstadt und der Löbtauer Straße oder in einem Hilfskrankenhaus am Strehlener Platz starben, sechs Säuglinge und Kleinkinder wurden vor ihrem Tod in die Kinderheilanstalt in der Chemnitzer Straße 14 überführt. Der Krankheitsverlauf etwa von Veronika Kapitanowa lässt darauf schließen, dass Erkrankte unzureichend behandelt bzw. so spät in Krankenhäuser eingeliefert wurden, dass ihr Leben nicht mehr gerettet werden konnte. Dafür spricht auch, dass mindestens drei weitere Zwangsarbeiter:innen auf dem Transport ins Krankenhaus starben. Die meisten anderen starben in den Lagern selbst.
Die Todesursachen stehen in einem ursächlichen Zusammenhang mit den schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen: Häufig sind in den Bestattungsbüchern Tuberkulose oder Lungenentzündung angegeben, auch unspezifische Angaben wie etwa Herzmuskelschwäche sind darauf zurückzuführen. Über zehn Zwangarbeiter:innen starben bei Arbeitsunfällen, etwa infolge von Vergiftungen. Aufgrund von unzureichenden Schutzvorkehrungen waren sie sowohl bei der Arbeit als auch im Fall von Luftangriffen besonders gefährdet. Insgesamt 37 Zwangsarbeiter:innen kamen bei den alliierten Bombenangriffen am 7. Oktober 1944, am 16. Januar 1945 oder am 17. April 1945 ums Leben.
Die Überreste von insgesamt dreißig französischen, belgischen und italienischen Zwangarbeiter:innen liegen nicht mehr auf dem Neuen Katholischen Friedhof. Bergungskommandos aus Belgien und Frankreich ließen Ende April 1948 die Leichname von zwanzig ihrer Staatsangehörigen auf den Französischen Nationalfriedhof in Berlin-Frohnau überführen, der 1946 als Sammelfriedhof für Kriegsgefangene, Konzentrationslagerhäftlinge und Zwangsarbeiter:innen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, und Luxemburg angelegt worden war, die in Berlin und Umgebung umgekommen waren. Einige dieser Leichname, darunter der von Odette Pot, wurden nach der Auflösung des Französischen Nationalfriedhofs 1954 auf den Berliner Friedhof Heiligensee umgebettet. Und als die italienischen Behörden 1992 ihre in Ostdeutschland bestatteten Staatsangehörigen nach Italien überführen ließen, waren darunter auch zehn der auf dem Neuen Katholischen Friedhof Bestatteten. Die Überreste der übrigen französischen, belgischen und italienischen Staatsangehörigen ließen sich nicht exhumieren, etwa weil die Gräber eingeebnet und neu belegt worden waren.
Anstaltsinsass:innen
Auf dem Neuen Katholischen Friedhof sind sieben psychisch oder geistig beeinträchtigte Frauen und Männer bestattet, die im Zuge der NS-Krankenmorde in den Jahren 1940/41 in den Tötungsanstalten Bernburg, Hadamar, Hartheim oder Pirna-Sonnenstein vergast worden waren. Die auf dem Friedhof beigesetzten Urnen enthalten Aschereste, die keinen bestimmten Personen zuzuordnen sind.
Den Familien war das nicht bekannt, sie waren in dem Glauben gelassen worden, es handele sich um die Asche ihrer Angehörigen. Die meisten Urnen – etwa die von Monika Lauth – wurden in einer bestehenden Familiengrabstätte beerdigt. Arthur Zinn allerdings, der evangelisch war, wurde wohl ohne Wissen der Angehörigen bestattet.
Bei einem der Bestatteter, der in der Landesanstalt Großschweidnitz um Leben kam – einer Einrichtung, die Patient:innen medikamentös ermordete –, ist ungewiss, ob auch er er gezielt getötet wurde oder aufgrund seines hohen Alters eines „natürlichen“ Todes starb. Weitere drei Bestattete starben in den sächsischen Landesanstalten Arnsdorf, Hochweitzschen und Zschadraß, die keine Medikamenteneuthanasie praktizierten, infolge der er seit Kriegsbeginn deutlich reduzierten Versorgung.
Kein einziges Grab eines Euthananieopfers wurde nach dem Gräbergesetz anerkannt – höchstwahrscheinlich deshalb, weil sie nicht als Opfer der Krankenmorde erkannt wurden.
Zivilist:innen
Vierzig zivile deutsche Opfer der Bombenangriffe auf Dresden sind auf dem Neuen Katholischen Friedhof bestattet. Gut die Hälfte von ihnen kam bei den Angriffen Mitte Februar 1945 ums Leben, die übrigen Frauen, Männer und Kinder starben infolge der Bombardements vom 7. Oktober 1944 sowie vom 16. Januar und 17. April 1945. Hinzu kommt der Lehrling Wolfgang Graf, der bei dem Angriff auf Pirna am 19. April 1945 starb.
Insgesamt neun Frauen und Männer kamen ums Leben, als am 13./14. Februar 1945 das zentrale Verwaltungsgebäude der katholischen Kirche in Dresden und Sachsen, das sogenannte Geistliche Haus in der Schloßstraße 32, zerstört wurde. Unter den Toten waren neben einem Mitarbeiter des dort ansässigen Kapellknabeninstituts und seiner Frau sechs weibliche Ordensangehörige, darunter Magdalene Wodarz (Schwester Maria Sofia) und der Franziskanerpater Vitus Frankrone (Pater Adeodat).
Als Opfer des feindlichen „Bombenterrors“ – so die Formulierung in den Bestattungsbüchern – wurde über die Hälfte der Toten in einem Grabfeld gemeinsam mit Soldaten des Zweiten Weltkriegs bestattet. Unter den Bestatteten ist auch Anna Melzer, die am 16. Januar 1944 in ihrer Wohnung auf dem Jagdweg 13 in der Wilsdruffer Vorstadt mit ihren drei Kindern umkam.
Soldaten des Ersten Weltkriegs
Zu dieser Gruppe gehören elf Soldaten, von denen die meisten aus Dresden stammten. Sie erlagen bis zum Kriegsende in Reservelazaretten ihren Schussverletzungen oder Infektionskrankheiten. Zehn dieser Soldaten, darunter der Lehrer Robert Krengel, wurden im Grabfeld F beigesetzt, wo bis heute ein Hochkreuz steht, das mutmaßlich an die Gruppe der Soldaten erinnern soll.
Acht weitere auf dem Neuen Katholischen Friedhof beerdigte Männer starben zwischen 1926 und 1941 an den gesundheitlichen Folgen ihrer Kriegseinsätze im Ersten Weltkrieg. Heute existiert keines dieser Gräber mehr.
Soldaten und Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs
Zu dieser Gruppe gehören zwölf Soldaten und sechzehn Kriegsgefangene. Die Soldaten waren zwischen 1942 und 1944 an Schussverletzungen oder Infektionskrankheiten in Reservelazaretten gestorben. Manche von ihnen stammten aus Dresden, andere waren in Dresden gestorben. Ein Soldat der Litauischen Ersatz-Kompanie Dresden hatte zu den litauischen Freiwilligen gehört, die sich Anfang 1944 angesichts der bevorstehenden erneuten Okkupation des Landes durch die Rote Armee zum Dienst in der Wehrmacht gemeldet hatten.
Die Kriegsgefangenen hatten nach ihrer Entlassung aus der Gefangenschaft nicht mehr in ihre Herkunftsorte in den ehemaligen deutschen Ostgebieten zurückkehren können und waren auf ihrem Weg in Richtung Westen nach Dresden gelangt. Sie starben zwischen der zweiten Jahreshälfte 1945 und Anfang 1946 in Krankenhäusern oder Behelfskrankenhäuern an Infektionskrankheiten oder den Spätfolgen von Verletzungen. Josef Bauer starb in einem Auffanglager für Kriegsgefangene.
Angehörige militärähnlicher Dienste im Zweiten Weltkrieg
Drei Frauen und sechs Männer standen vor ihrem Tod als Wehrmachtangestellte, Polizisten oder Nachrichtenhelferin in Diensten des NS-Regimes, darunter auch Josef Kapturauskas, ein litauischer Ingenieur, der bei der Organisation Todt, einer paramilitärischen Bautruppe, tätig war. Zwei Polizeiwachtmeister starben mutmaßlich während ihres dienstlichen Einsatzes bei den Bombenangriffen Mitte April 1945.
Umsiedler:innen
Knapp dreißig auf dem Friedhof Bestattete waren sogenannte „Volksdeutsche“. Sie waren im Zuge von Umsiedlungsaktionen der NS-Behörden ins Deutsche Reich gebracht worden – mit dem Ziel einer Ansiedlung in vormals polnischen Staatsgebieten. Überwiegend besaßen sie die jugoslawische oder, wie Rosa Feibel, die rumänische Staatsangehörigkeit, weil sie aus den dortigen deutschen Siedlungsgebieten stammten.
Die Siedlungsgebiete lagen in der Untersteiermark und der Oberkrain (Jugoslawien) sowie in der Bukowina (Rumänien). Auch eine Schwarzmeerdeutsche aus dem russischen Teil der Sowjetunion liegt hier bestattet. Die Frauen, Männer und Kinder mussten im Reich ein Eignungsverfahren durchlaufen, die sogenannte „Schleusung“, und sofern sie die „rassischen“ und gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllten, erhielten sie die deutsche Staatsangehörigkeit. In den vormals polnischen Staatsgebieten sollten sie die „Germanisierung“ vorantreiben. Die hier bestatteten Umsiedler:innen starben zwischen Mitte 1941 und Anfang 1945 an Infektionskrankheiten – überwiegend in Dresdner Krankenhäusern –, einige auch in den Lagern. Dort waren die Familien ortsweise für das Prüfungsverfahren oder, nach dessen Abschluss, als Durchgangsstation vor der Ansiedlung untergebracht: im Kurhaus Bühlau am Ullersdorfer Platz, in der Tonhalle in der Glacisstraße 28, in Volksschulen in der Ehrlichstraße 1, der Oppelstraße 37 oder der Wallwitzstraße 20, aber auch in Lagern in Freiberg, Geising oder Johanngeorgenstadt.
Vertriebene
Die rund 260 auf dieeem Friedhof bestatteten Geflüchteten und zwangsweise Vertriebenen deutscher Nationalität stammten mehrheitlich aus dem Sudetengebiet und aus Niederschlesien. Mehr als die Hälfte starb bis zum Jahresende 1945. Diese hatten ihre Heimatorte im Zuge der sogenannten „wilden“ Vertreibungen bis Herbst 1945 verlassen müssen, bei den später Gestorbenen war die Aussiedelung geregelter von statten gegangen. Die in Dresden Ankommenden wurden städtischen Quarantänelagern zugewiesen – unabhängig davon, ob sie sich dauerhaft in Sachsen niederlassen wollten oder Dresden für sie nur Durchgangsstation war.
Nach Kriegsende nutzte die Dresdner Stadtverwaltung Baracken oder Schulen, die im Nationalsozialismus für die Unterbringung von Zwangsarbeiter:innen, aber auch von Umsiedler:innen genutzt worden waren, für die Unterbringung von Vertriebenen und entlassenen deutschen Kriegsgefangenen. Die über 80 bestatteten Vertriebenen, deren letzter Aufenthaltsort bekannt ist, waren unter anderem in Lagern im Industriegelände an der Königsbrücker Straße, am Neustädter Bahnhof oder in der Paul-Schrader-Straße in der Albertstadt untergebracht sowie in Dresdner Schulen, unter anderem in der Saalhausener Straße 61, der Marschallstraße 21, der Zinzendorfstraße 15, der Rothenburger Straße 35, der Nöthnitzer Straße 6, der Wachsbleichstraße 6 oder der Ehrlichstraße 1. Manche dieser Schulen hatten zuvor Umsiedler:innen beherbergt. Eine größere Gruppe war in einem Barackenlager in der Bremer Straße 25 untergebracht, das die Firma Seidel & Naumann zuvor für die Unterbringung ziviler Zwangsarbeiter:innen verwendet hatte, weitere später Bestattete hielten sich in der Neuländer Straße 29 in Dresden-Trachau auf. Die dortigen Baracken hatte bis Kriegsende die Firma Zeiss-Ikon für Zwangsarbeiter:innen genutzt.
Über die verheerenden Zustände im Lager in der Neuländer Straße liegt ein Bericht an das städtische Gesundheitsamt vor:
Hier übertrifft eine Krankheit die andere. Krebszustände äußerlich Gesicht Hals eiternde Wunde, sodass die Maden drumherum laufen. Seit Freitag sind mir da Leute hinbefördert worden, welche nur Krankenhausaufnahme-bedürftig sind. Es sind Leute, die nur dahinsiechen, sowie Geisteskranke, Tbc-Leute, Di, Ausschlag, Durchfall, Ruhr, ja wenn nicht sogar Typhuserscheinungen, Gelähmte beider Füße, Krüppel, Unterernährte, rachitisch usw. […] Heute meinte ein Arzt: ‚Für diese ist das Todesurteil gesprochen'. Gestern ist wieder ein Kind verstorben.
Friedrich Heslach, Samariterkolonne I, an das Gesundheitsamt Dresden, 14.8.1945 (Auszug zum Lager Neuländer Straße 29) © Stadtarchiv Dresden, 4.1.10, Nr. 42
Über zwei Drittel der Vertriebenen, darunter Karl Margner, starben in Dresdner Krankenhäusern oder Behelfskrankenhäusern, die meisten in den Stadtkrankenhäusern Friedrichstadt und Löbtauer Straße, aber auch in Behelfskrankenhäusern. Elisabeth von Foerster und über zehn weitere bestattete Vertriebene starben in einem Hilfskrankenhaus des Roten Kreuzes in der Bremer Straße 51/53, das für nicht reisefähige Geflüchtete im Stadtteil Friedrichstadt zuständig war. Faktisch handelte es sich um eine Unterkunft für „Sieche und Alterskranke“, wie das Gesundheitsamt anlässlich einer Besichtigung am 1. September 1945 feststellte. Ein „besonderer Leichenraum“ wurde für nicht notwendig gehalten, „da über die Straße hinweg 2 Friedhöfe liegen“.[1]Hauptgesundheitsamt, betr. Lagerbetreuung, Besichtigung, 1.9.1945, Stadtarchiv, 4.1.10, Nr. 42, Bl. 60f.
Das durchschnittliche Lebensalter der Vertriebenen, die sich etwa gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilten, lag zum Zeitpunkt ihres Todes weit über demjenigen der übrigen Opfergruppen: Über die Hälfte von ihnen war in den 1860er- und 1870er-Jahren geboren, zehn weitere Frauen und Männer sogar bereits in den 1850er-Jahren. Der älteste von ihnen, der 1854 geborene Landwirt Josef Hanke, starb im Alter von 91 Jahren im Stadtkrankenhaus Löbtauer Straße an einer Lungenentzündung. Diese und weitere Infektionskrankheiten dominierten die in den Friedhofsbüchern vermerkten Todesursachen ebenso wie Alters-, und Herz- bzw. Kreislaufschwäche.

Verteilung der rund siebzig bestatteten Säuglinge und Kinder auf einzelne Opfergruppen
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Säuglinge und Kinder
Rund siebzig der Bestatteten starben im Kindesalter, häufig wurden sie nur wenige Tage oder Wochen alt. Fast drei Viertel von ihnen hatten eine zivile Zwangsarbeiterin als Mutter, zwölf eine Vertriebene, fünf eine Umsiedlerin und vier eine Zivilistin. Die Kinder von Zwangsarbeiterinnen, Umsiedlerinnen und Vertriebenen waren mit ihren Müttern bzw. Familien in Lagern in Dresden und Umgebung untergebracht gewesen.
Rund drei Viertel dieser Zwangsarbeiterinnen hatten ihre Kinder nicht in ihren Herkunftsländern zur Welt gebracht, sondern in Dresden und Umgebung. Ebenso wie bei den Kindern von Vertriebenen und Umsiedlerinnen verweisen Angaben zur Todesursache wie „Ernährungsstörung“ oder „Lebensschwäche“ ebenso wie Diphterie oder Lungenentzündung auf die völlig unzureichende medizinische und pflegerische Versorgung von (werdenden) Müttern und Kindern und die katastrophalen Zustände in den Lagern. Anna Wochnik etwa überlebte die Geburt ihrer Tochter, die ihrerseits sieben Stunden später starb, nicht. Ganz überwiegend starben die Säuglinge und Kleinkinder dieser Opfergruppen in Krankenhäusern, davon sieben in der Kinderheilanstalt in der Chemnitzer Straße 14. Darunter befanden sich auch Kinder polnischer und sowjetischer Zwangsarbeiterinnen, die aus der Ausländerkinder-Pflegestätte „Lager Kiesgrube“ überführt worden waren. Das Beispiel der Französin Erika Nottet verdeutlicht, dass auch Kinder von westeuropäischen Zwangsarbeiterinnen dort untergebracht waren.
Todesursache Luftangriff
Insgesamt 83 Frauen, Männer und Kinder, die bei Luftangriffen auf Dresden ab Oktober 1944 ums Leben kamen, sind auf diesem Friedhof bestattet. Vierzig von ihnen waren deutsche Zivilist:innen, darunter sechs weibliche Ordensangehörigen und zwei Geistliche. Mit 37 Personen starben fast ebenso viele Zwangsarbeiter:innen bei den Angriffen, außerdem drei Justizgefangene, zwei Polizisten und eine Wehrmachtangestellte.
Die Gräber der Ordensangehörigen und Geistlichen sind bis heute erhalten, und auf wenigen noch bestehenden Familiengräbern auf dem Friedhof erinnern darüber hinaus bis heute Grabsteine symbolisch an Angehörige, die bei den Luftangriffen Mitte Februar 1945 oder als Soldaten im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen.

Die 83 Toten infolge alliierter Luftangriffe, unterteilt nach Opfergruppen
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Anteil der Toten infolge alliierter Luftangriffe an allen 1200 Opfern
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