Der „Ehrenhain“ für Luftkriegstote
In dieser Gedenk- und Begräbnisanlage, die seit den Luftangriffen vom Februar 1945 für Bestattungen genutzt wurde, sind die meisten der über 3700 zivilen Luftkriegstoten auf dem Johannisfriedhof bestattet, nur ein Drittel ist namentlich bekannt. Das NS-Regime stilisierte die Toten zu „Gefallenen“ an der „Heimatfront“. Auch heute werden im Stadtgebiet geborgene Luftkriegstote hier beigesetzt.
Lage der Anlage für Luftkriegstote auf dem Johannisfriedhof
Heutige Belegung mit Opfern von Gewalt und Krieg, sichtbare Gräber und Gedenkzeichen
Anlage des Gedenkorts und Belegung des Grabfelds
Schon vor Beginn des Zweiten Weltkriegs begann die Stadt Dresden, Vorkehrungen für eine eventuelle Beisetzung von Luftkriegstoten zu treffen. Der Johannisfriedhof als zweiter Bestattungsort neben dem städtischen Heidefriedhof war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil der Planungen. Er war Dresdens zweitgrößter Friedhof und der einzige kirchliche Friedhof, der über größere freie Flächen verfügte.
1943 stellte der Friedhof für künftige massenhafte Bestattungen eine Fläche von rund 30.000 Quadratmetern zur Verfügung. Das Areal am Ende der Pappelallee, die am Kreuztor an der Wehlener Straße begann, sollte als „ Ehrenhain“ gestaltet werden. „Ehrenhaine“ auf ausgewählten Friedhöfen sollten diese Gruppe von Toten kollektiv würdigen. Die deutschen zivilen Luftkriegsopfer galten in der NS-Terminologie als „Gefallene“ des Krieges an der „Heimatfront“ infolge von „Terrorangriffen“. Der Begriff „Ehrenhain“ wird für die Anlage auf dem Johannisfriedhof bis heute verwendet.
Die konkrete Ausgestaltung der Anlage wurde zwischen Stadt und Friedhofsverwaltung ausgehandelt. Um ein „Ehrenmal“ in der Mitte der Anlage sollten sich vier separate Gräberfelder anordnen. Im Auftrag des Johannisfriedhofs war insbesondere der Architekt Rudolf Kolbe (1873–1947) beteiligt, der 1941 ein Planungskonzept für den gesamten Friedhof erarbeitet hatte.
Die Friedhofsverwaltung und das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsen stellten – ebenso wie die Stadt Dresden für den Heidefriedhof – die Fläche kostenfrei, also ohne Gebühren für die Angehörigen, zur Verfügung. Die Kosten für Leichenbergung und ‑transport übernahm der Staat.
Ab Mitte Februar 1945 diente der Johannisfriedhof neben dem Heidefriedhof als eine von zwei „Gefallenensammelstellen“. Nach der Bergung der Leichen durch die Schutzpolizei organisierte das städtische Bestattungsamt deren Überführung. Beamte des Stadtgartenamts bestatteten die Luftkriegstoten in Reihengräbern auf dem „Ehrenhain“. Aus Meldungen des Bestattungsdienstes an die Stadtverwaltung geht hervor, dass bis Ende Februar 1945 rund 1200 Tote, bis Mitte März 1945 über 2200 und bis Mitte Juli 1945 insgesamt etwa 3400 namentlich bekannte sowie unbekannte Tote auf dem Johannisfriedhof bestattet wurden. Bei den nach Kriegsende begonnenen Enttrümmerungsarbeiten wurden weitere, unter den Trümmern verschüttete Tote gefunden – bis 1949 über 1500, von denen ein Teil auf dem Johannisfriedhof begraben wurde. Insgesamt ist von mehr als 3700 dort bestatteten Toten auszugehen. [1]Zahlenangaben nach: Matthias Neutzner, Die Bergung, Registratur und Bestattung der Dresdner Luftkriegstoten, 17.3.2010, www.dresden.de/media/pdf/stadtarchiv/Historikerkommission_Dresden1945_Bericht_TP1_V1_0.pdf (6.6.2026), S. 39.
Während manche Tote unmittelbar nach den Luftangriffen bestattet werden konnten, war das bei anderen erst Monate oder Jahre später möglich, wieder andere wurden nie geborgen. Bei der Identitätsklärung halfen Ausweispapiere, die die Toten bei sich trugen, sowie überlebende Familienmitglieder oder Nachbarn. Manchmal brachten Angehörige die Überreste auch selbst zum Friedhof. Die damals zwölfjährige Anita John (1932–2023) identifizierte ihre toten Eltern Charlotte und Erwin Kurz und sorgte dafür, dass ein Bekannter der Familie diese mit einem selbstgebauten Fahrradanhänger auf den Johannisfriedhof brachte.
Meine Eltern kamen am 13./14. Februar 1945 […] im Keller unseres Wohnhauses ums Leben. Die Todesursache war Ersticken durch Rauchvergiftung. Ich überlebte als Einzige, 13 Menschen starben. Am 16. Februar […] war unser Keller beräumt und die Toten wurden auf der Straße, vor den Trümmerbergen der Häuser, abgelegt. […] Die Toten sahen fast friedlich aus, nicht durch Verbrennungen entstellt. Ich konnte sie identifizieren. Meine Eltern hatten ihre Kennkarten bei sich, die mir als 12-jähriges Kind übergeben wurden. Auch die Ringe meiner Eltern bekam ich.
Sollte ich nicht für den Abtransport meiner Eltern zu einem Friedhof sorgen, würden sie mit den anderen Geborgenen zum Verbrennen auf den Altmarkt gebracht.
Am 17. Februar 1945 (Sonnabend) wurden meine Eltern durch einen Bekannten mit einem selbstgebauten Radanhänger nach dem Johannisfriedhof in Dresden-Tolkewitz gebracht. Aufgrund meines Gesundheitszustandes war ich überhaupt nicht in der Lage dabei zu sein. […]
Auf dem Johannisfriedhof war bereits eine Anlage als Massengrabanlage vorbereitet. Die Beerdigungsstelle war in vier Teile mit jeweiligen langen Reihen angelegt. Die Toten wurden auf der Seite liegend , ohne irgendwelche Umhüllung (manchmal mit einer Decke o.ä.) bestattet. Jeder Tote hat ein Feld von 60 cm. […] Durch menschliche Verständigung zwischen unserem Bekannten und den ausländischen Arbeitern dieser Beerdigungsarbeiten, konnte mein Wunsch, meine Mutter und meinen Vater wenigstens an einer gemeinsamen Stelle zu wissen, in Erfüllung gehen. […]
Wenn ich in den nächsten Wochen und Monaten auf dem Ehrenhain war, so wurden noch oft menschliche Überreste, – Knochen und Schädel –, gebracht. Die Anlieferung erfolgte in Wannen, Schubkarren oder ähnlichen Bewegungsgeräten.Bericht Anita John, 22.1.2007 (Auszug) © Archiv MEMORARE PACEM Gesellschaft für Friedenskultur e.V.
Auf dem „Ehrenhain“ wurden nicht nur zivile Opfer der Bombenangriffe auf Dresden von Mitte Februar 1945 bestattet, unter den Toten sind auch Menschen, die infolge der Luftangriffe am 2. März und am 17. April 1945 ums Leben kamen. Am 2. März 1945 starb etwa Herta Quaas, eine promovierte Juristin, die zuletzt Leiterin der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) in Dresden war. Als Funktionärin einer NS-Organisation steht sie für die Gruppe aktiver Nationalsozialist:innen unter den zivilen Opfern. Auch ein Deutscher, der laut Bestattungsbuch „gefallen beim Russeneinmarsch 8.5.45“ war, wurde hier bestattet.
Ebenso wurden im „Ehrenhain“ rund 30 deutsche Soldaten beigesetzt, die infolge der alliierten Bombenangriffe auf Dresden starben. Namentlich bekannt sind zudem einige Männer, die sich in einer militärähnlichen Organisation betätigten. Zu ihnen gehört der promovierte Chemiker und SA-Gruppenführer Otto Ivers, der zusammen mit seiner Ehefrau und seinem Sohn ums Leben kam.
Das Selbstverständnis als herausgehobener Bestattungsort für Mitglieder der deutschen bzw. nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ korrespondierte mit der Ausgrenzung anderer Luftkriegstoter: „Ausländer“, von denen 23 namentlich bekannt waren, wurden separat in einem angrenzenden Waldstück begraben. Dabei handelte es sich überwiegend um zivile Zwangarbeiter:innen, wie die Russin Maria Klimoschenko mit ihren beiden Töchtern Olga und Thonia. Hinzu kamen ein ukrainischer Kriegsgefangener sowie drei sowjetische Soldaten, die sich der Wehrmacht angeschlossen hatten.
Die Bestattungen „ausländischer“ Opfer sind nicht im Register und Bestattungsbuch des „Ehrenhains“ eingetragen, das außerhalb der regulären Friedhofsbücher für die Luftkriegstoten angelegt wurde. Die Beisetzung dieser Toten wurde erst nach Kriegsende auf einem separaten Papier verzeichnet. Bei den Luftangriffen ums Leben gekommene Häftlinge aus Dresdner Außenlagern des KZ Flossenbürg wurden mit weiteren KZ-Gefangenen im Grabfeld 5F bestattet. Lediglich zwei Russinnen wurden im „Ehrenhain“ beigesetzt. Ljuba Fedotowa und Gelina Golubinzewa lagen – mutmaßlich als Schwangere oder Wöchnerinnen – zum Zeitpunkt der Bombenangriffe in der Frauenklinik in der Pfotenhauer Straße 90. Dass die beiden Russinnen dort zusammen mit deutschen Frauen untergebracht waren, ging auf den damaligen Leiter der Dresdner Frauenklinik zurück, der sich einer separaten Unterbringung von Zwangsarbeiterinnen in Baracken widersetzt hatte. Zusammen mit sieben dieser deutschen Frauen, darunter zwei Hebammen, und zwei deutschen Männern waren ihre Leichname einen Monat nach Kriegsende in den Trümmern des Klinikgebäudes geborgen worden. Diese Toten wurden am 15. Juni 1945 in nebeneinanderliegenden Einzelgräbern im „Ehrenhain“ bestattet. Die Überreste von drei Schwestern und drei Patientinnen wurden darüber hinaus ebenfalls auf dem Johannisfriedhof beerdigt, jedoch außerhalb des „Ehrenhains“. Über eventuell geborene Kinder der beiden Zwangsarbeiterinnen ist nichts bekannt. Der am 13. Februar 1945 geborene Sohn von Johanna Stephan hingegen wurde einen Tag nach seiner Geburt verletzt aufgefunden und überlebte. Auch die am 12. Februar 1945 geborene Tochter von Johanna Krüger überlebte im Unterschied zu ihrer – ebenfalls auf dem Johannisfriedhof bestatteten – Mutter.
Häufig starben mehrere Mitglieder einer Familie oder mehrere Bewohner:innen und Gäste eines Hauses bei einem Luftangriff. Sie wurden gemeinsam geborgen und auf dem Johannisfriedhof in einem Grab oder in benachbarten Gräbern bestattet. Exemplarisch für diese kollektiven Bestattungen von Hausgemeinschaften sind 19 Bewohner:innen eines Hauses in der Müller-Berset-Straße 44, darunter fünf Kinder. Diese wurden – mutmaßlich wenige Tage nach den Luftangriffen Mitte Februar 1945 – in einem einzigen Grab auf dem „Ehrenhain“ bestattet. Bei zwei Namen ist die Einlieferung in einem Sarg vermerkt, die übrigen Gebeine wurden möglicherweise in Wannen oder Eimern übergeben – Einträge zu anderen Toten in den Bestattungsbüchern legen das nahe. Bestattet wurden keine körperlich unversehrten Leichname, sondern das, was von den verbrannten Körpern übriggeblieben war. Die Überreste von 14 Frauen, Männern und Kindern etwa, die sich zum Zeitpunkt der Bombenangriffe in einem Haus in der Nicolaistraße 10 aufgehalten hatten, wurden am 27. Februar 1946 nach ihrer Bergung am Vortag im Grab Nr. 20, in der Reihe 12 im Grabfeld A bestattet. Ausweislich des Bestattungsbuchs waren Käthe und Rudolph Gnauck, ihr Sohn Peter und Käthe Gnaucks Mutter Amanda Gebler „als Unbekannt i[n] Wanne eingeliefert“ worden. Später identifizierte sie Amanda Geblers Ehemann Karl Gebler, der den Tod von Ehefrau, Tochter, Schwiegersohn und Enkel bereits Anfang August 1945 angezeigt hatte. Zu den Toten gehörte auch die einjährige Helga Pötschke, eine weitere Enkelin von Amanda Gebler. Karl Gebler initiierte Mitte März 1946 eine Begräbnisfeier für seine Familienmitglieder und nahm das Grab in Pflege. Die übrigen zehn Toten waren bei der Einlieferung auf dem Friedhof namentlich bekannt. Margarethe Franz‘ Ehemann war laut der Ende April 1946 ausgestellten Sterbeurkunde „beim Ableben“ seiner Frau zugegen gewesen.
Das Grabfeld in der SBZ/DDR
In den ersten Jahren nach Kriegsende fanden weiterhin Beisetzungen von Luftkriegstoten statt, parallel dazu nahmen Angehörige Gräber in Pflege und versahen sie mit Grabzeichen. Nach Kriegsende gestorbene Angehörige von Luftkriegstoten wurden im „Ehrenhain“ nachbeerdigt, und es kam zu Exhumierungen und Überführungen innerhalb des Johannisfriedhofs und auf auswärtige Friedhöfe. Scheinbar unberührt von diesen Veränderungen und vom Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hielt die Friedhofsverwaltung daran fest, den „Ehrenhain“ gestalterisch zu vollenden.
Kennzeichnung von Gräbern
Zwei Monate nach Kriegsende beklagte der Friedhof gegenüber der Dresdner Stadtverwaltung, ein großer Teil der Gräber auf dem „Gefallenen-Ehrenplatz“ sei bereits von Angehörigen mit Grabzeichen versehen worden, „die der einheitlichen Gestaltung des Platzes in jeder Hinsicht entgegenstehen und unkünstlerisch wirken“. [1]Verwaltung des Johannisfriedhofs an den Dresdner Oberbürgermeister, Garten- und Friedhofsamt, 10.7.1945, Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, E.1.I. Ehrenhain, 1938–1960. Ein solches frühes Grabzeichen ist das provisorische Holzkreuz, mit dem Otto Bauche an den Tod seiner vier Kinder, darunter Wolfgang Bauche, erinnerte. Im Auftrag der Friedhofsverwaltung entwickelte der Architekt Rudolf Kolbe daher bindende Vorgaben für die Gestaltung der Grabzeichen. Die Verwaltung ließ ein Mustergrab mit dem normierten Grabzeichen anlegen.
1. Der monumentale Charakter der Anlage und die Betonung der gleichen Todesursache kommen am stärksten durch einheitliche Gestaltung der Grabzeichen als bloße Namensträger zum Ausdruck. […]
Hauptbedingung der […] Grabzeichen sind Gleichheit in Form, Beschriftung und Material mit dem Vorteil, daß damit alle diesbez[ü]gl[ichen] persönlichen Wünsche von vornherein ausscheiden. […]
Als einheitliches Grabzeichen ist deshalb eine stelenartige Platte […] gewählt worden […]
2. Die Beschriftung ist auf den Namen unter Wegfall von Titeln u.s.w. zu beschränken und für alle Grabzeichen einheitlich vertieft eingearbeitet durchzuführen.
3. Plastischer Schmuck und Symbole sollen […] wegfallen.
4. Als Material ist heimischer […] Sandstein […] vorzusehen.
5. Form, Bearbeitung und Beschriftung der Grabzeichen sind genau nach dem von der Friedhofsverwalt[un]g aufgestellten Mustergrabmal auszuführen. Die Genehmigung zur Ausführung erfolgt nur auf Grund einer […] Werkzeichnung. […]
6. Das gesamte Gräberfeld soll durch Heidekrautbepflanzung zu einer einheitlichen Grünfläche zusammengefaßt werden […]
7. Am Fußende jedes Grabes ist ein kleiner Platz für Blumenschmuck freigehalten.Rudolf Kolbe, Bestimmungen betreffend Gestaltung der Ehrenanlage für Luftkriegsopfer auf dem Johannisfriedhof, 27.4.1946 (Auszug) © Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs
Die Friedhofsverwaltung ließ es zu, dass nach Kriegsende gestorbene nahe Angehörige der Luftkriegstoten in deren Gräbern nachbestattet wurden – Voraussetzung war jedoch eine Urnenbeisetzung, und eine Namensnennung auf dem Stein war nicht erlaubt. In mindestens 25 Gräbern wurden vor allem Witwer und Witwen, aber auch Mütter, Väter und Großmütter von Luftkriegstoten bestattet. Weitere Angehörige ließen sich für den Fall ihres Todes eine Genehmigung zur Beisetzung ausstellen, so Susanne von Schuchs Ehemann. Da Friedrich von Schuch in die Bundesrepublik übersiedelte, kam es jedoch nicht dazu.
Erhalten gebliebene steinerne Grabzeichen zeigen die vorgegebene äußere Form. Bei der Inschrift, die sich auf Namen und Geburtstag der Luftkriegstoten beschränken sollte, unterliefen etliche Angehörige jedoch die strengen Vorgaben. So findet sich auf dem Grabstein von William Kortenkamp auch der Name seiner 1960 gestorbenen Witwe Olga Kortenkamp, deren Urne seinem Grab beigelegt wurde und auf anderen Grabzeichen wird symbolisch an weitere Luftkriegstote erinnert. Auf dem Grabstein für Rudolf Siedenburg etwa wird auch „zum stillen Gedenken“ an seine Ehefrau Edith Siedenburg und die gemeinsame Tochter Ursula aufgerufen, deren Leichname nicht geborgen werden konnten. Symbolisch wird mitunter auch Verwandter gedacht, die als Soldaten gestorben waren. So wird auf Franz Weißes Grabstein zusätzlich an seinen Sohn Gerhard Weiße erinnert, der am 13. Februar 1942 beim Afrikafeldzug in Libyen umgekommen und auf einem Soldatenfriedhof in Bengasi bestattet worden war. Ein Grabstein erinnert ausschließlich an den 1944 an der Ostfront gefallenen Rolf Vorläufer.
Gemeinsame Bestattungen von Hausbewohner:innen in einem Grab führten zudem dazu, dass nicht nur Familienangehörige auf einem Stein namentlich erwähnt wurden: Auf dem Grabstein für die Toten aus der Nicolaistraße 10 sind dichtgedrängt elf der vierzehn Beerdigten verzeichnet. Auf dem Grabstein für die 19 Toten aus der Müller-Berset-Straße 44 wird hingegen auf eine Namensnennung ganz verzichtet und nur der Wohn- und Todesort genannt.
Einer Mitteilung der Friedhofsverwaltung an das städtische Bestattungsamt zufolge waren Ende 1950 3657 Personen in 2356 Gräbern bestattet. Knapp dreißig Prozent dieser Gräber wurden von Angehörigen gepflegt, die übrigen Gräber blieben ungepflegt.
Exhumierungen
Zwischen 1946 und 1971 ließen Angehörige über zwanzig im „Ehrenhain“ bestattete Luftkriegsopfer in Familiengräber auf dem Johannisfriedhof überführen. Zu den ersten Exhumierten gehörten Lina und Ernst Mathé. Bis heute wird in der Familiengrabstätte im Grabfeld 3H daran erinnert, dass das Paar „gemeinsam […] bei dem Luftangriff auf Dresden“ umkam.
Knapp 30 weitere zivile Opfer der Luftangriffe wurden von ihren Angehörigen in Familiengräber auf andere Friedhöfe innerhalb und außerhalb Dresdens überführt. Fast ausnahmslos erfolgten die Exhumierungen in den Jahren bis 1950. Mit den Überführungen holten Angehörige die Beisetzung im Familiengrab nach, die ihnen unmittelbar nach dem Tod bzw. der Bergung der Überreste aufgrund des Bestattungsgebots im „Ehrenhain“ nicht möglich gewesen war.
Der Arzt Ulrich Mann ließ im Mai 1947 seine Frau, die Ärztin Gudrun Mann, die gemeinsamen Kinder Barbara, Dietrich und Waltraud sowie seine Schwester und seine Mutter im Familiengrab auf dem Johannisfriedhof bestatten. Ihre Überreste waren erst kurz zuvor geborgen worden.
„Ausländergräber“
Die im Nationalsozialismus vernachlässigte Reihe der „Ausländergräber“ am Rande des „Ehrenhains“ geriet nach Kriegsende 1945 in den Blick. Entsprechend den Weisungen der Besatzungsmacht zum Schutz der Gräber von Angehörigen der Vereinten Nationen nahm die Friedhofsverwaltung zwei Gräber in Pflege: das eines italienischen Zwangsarbeiters sowie das eines weiteren Zwangsarbeiters, dessen Überreste die französische Gräberkommission wegen Zweifeln an seiner Nationalität nicht exhumiert hatte.
Die Überreste dreier sowjetischer Soldaten aus Turkestan, die sich als Muslime der deutschen Wehrmacht angeschlossen hatten, wurden im April 1949 auf den Nordfriedhof überführt. Fünf Zwangsarbeiter:innen, darunter die beiden in der Frauenklinik umgekommenen Russinnen, sowie ein sowjetischer Kriegsgefangener wurden zwei Monate später in die neu errichtete Gedenk- und Begräbnisanlage für sowjetische Staatsangehörige im Grabfeld 5Ka überführt.
Bei den Exhumierungen 1951/52 durch eine französische Gräberkommission wurden auch die Gebeine von vier französischen Zwangsarbeitern, die ebenfalls zu den „Ausländergräbern“ gehörten, ausgehoben.
Die angedachte Rekonstruktion der gesamten Gräberreihe wurde offenbar nicht realisiert. Dabei spielte sicher die Lage im dichten Wald eine Rolle, vermutlich aber auch die Exhumierungen.
Ausgestaltung des Gedenkorts 1945–1968
Nach Kriegsende arbeitete der Architekt Rudolf Kolbe im Auftrag der Friedhofsverwaltung an der weiteren Ausgestaltung des „Ehrenhains“. Wegen der hohen Belegungszahlen war die ursprünglich kreisförmig geplante Anlage im Nationalsozialismus als Quadrat realisiert worden. Die weiteren Arbeiten an der Fertigstellung der Anlage verzögerten Materialmangel und fehlende eigene und städtische finanzielle Mittel. Obwohl der „Ehrenhain“ im Unterschied zu den anderen Gedenk- und Begräbnisanlagen auf dem Johannisfriedhof kirchliches Eigentum war, musste sich der Friedhof bei der Gestaltung Vorgaben der Stadtverwaltung beugen.
In den Diskussionen um die Gestaltung spielten Fragen nach individueller Verstrickung und Mitschuld der bestatteten Luftkriegstoten im Nationalsozialismus keine Rolle. Vielmehr dominierten religiöse Deutungsmuster, die um die eigenen Opfer kreisten. Der Bezugsrahmen war der die Bestatteten verbindende Tod bei den Luftangriffen, das „Sterben in einer großen Schicksalsgemeinschaft“, so der beteiligte Architekt Waldo Wenzel (1879–1952). [1]Waldo Wenzel, 9.4.1946, Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, E.1.I. Ehrenhain, 1938–1960.
1948 ließ die Friedhofsverwaltung am Kopf der Anlage in der Nähe der Tolkewitzer Straße ein sechs Meter hohes Holzkreuz als christliches Symbol installieren. Dem Kreuz vorgelagert war eine Fläche zum Ablegen von Kränzen. Es war als Provisorium gedacht, das durch ein steinernes Mal ersetzt werden sollte. Eine Aufnahme aus dieser Zeit zeigt auch zwei der vier Grabfelder, die jeweils zwölf Reihen mit je fünfzig Gräbern umfassten. Grabsteine aus Stein überwogen, doch sind auch Holzkreuze und Gräber ohne Grabzeichen zu sehen.
Rudolf Kolbes Gestaltungsentwurf sah in der Mitte der Anlage mit den vier Grabfeldern die Errichtung eines Schöpfbrunnens vor – eines Brunnens, aus dem Wasser mit Eimern geschöpft wird. Eine fehlende Rohrleitung und weitere Schwierigkeiten verzögerten die Realisierung. Erst 1957 legte der Architekt Arno Kießling (1889–1963), der nach Rudolf Kolbes Tod 1948 das „Ehrenhain“-Projekt übernahm, eine Entwurfsskizze vor. Im Herbst 1960 genehmigte der Rat des Stadtbezirks Dresden-Ost den Bau. Er sollte das Mittelstück der Anlage würdig betonen und Angehörigen die Grabpflege erleichtern. 1964 wurde der Brunnen schließlich installiert.
Nach der Auswahl durch den damaligen Superintendenten Dr. Wendelin war auf jeder Seite des Sockels ein biblischer Spruch aufgebracht. Am 13. Februar 1965, anlässlich des 20. Jahrestags der Bombenangriffe auf Dresden, wurde der Brunnen der Öffentlichkeit übergeben.
Das Gräberprojekt der 25. Grundschule
Seit den frühen Nachkriegsjahren erreichten den Friedhof und die Dresdner Stadtverwaltung Beschwerden aus der Bevölkerung und von Angehörigen über ungepflegte Gräber. Freiwilligeneinsätze der Belegschaft des Friedhofs zur Unkrautentfernung änderten daran wenig. Beispielhaft dafür steht ein unscharfes Foto aus dem Jahr 1956. Im Vordergrund ist ein zugewachsenes Grab ohne Grabstein zu sehen.
Im selben Jahr wandten sich Direktor, Elternbeirat und pädagogischer Rat der 25. Grundschule in der Pohlandstraße in Dresden-Striesen mit dem Appell an umliegende Schulen und Bewohnerschaft, die getöteten „Unschuldigen“ durch Pflege ihrer Gräber zu ehren. „Die Gräberpflege nicht vernachlässigen!“ titelte das „Sächsische Tageblatt“ am 12. April 1956. „Die Union“ berichtete ein Jahr später: „Kinderhände schmücken Gräber“.
Im Ostens Dresdens ruhen auf dem Tolkewitzer Friedhof Tausende, die im Februar 1945 bei den unmenschlichen Luftangriffen auf Dresden getötet wurden, Frauen und Männer, Mütter und Kinder. Diese Unschuldigen, die Opfer wurden eines unsagbar grausamen und schweren Verbrechens, dürfen nicht vergessen werden.
Es ist eine Pflicht der Überlebenden, denen ein dauerndes Andenken zu bewahren, die Opfer der Unmenschlichkeit und der Willkür wurden. Vergessen dürfen wir auch nie die entsetzliche Tat. Auch unsere Kinder müssen von ihr erfahren und die Trauer um die Getöteten fühlen. Das gebietet die Erziehung zur Menschlichkeit und zur Friedensgesinnung.
Das erfordert auch die ernste Sorge um die Zukunft.
Die Gräber der Luftkriegsopfer sind fast ohne Pflege. Ehren wir die Unschuldigen, indem wir ihre schlichten Gräber bepflanzen und pflegen. […]
Die 25. Grundschule […] ruft die Schulen der Umgebung auf, sich an der Ehrung der Toten zu beteiligen. […] Im Jahre der 750-Jahrfeier unserer Heimatstadt sollen aus den wenig gepflegten Gräbern würdige Gedenkstätten werden.Aufruf der Direktion, des Elternbeirats und des pädagogischen Rats der 25. Grundschule (Abschrift vom 4.4.1956) © Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs
Nachdem die Schule Rosen, Primeln und Heidekraut in zwei Grabreihen gepflanzt hatte, wurden die Pflanzen nach einer Begutachtung durch Arno Kießling wieder entfernt, da sie den dem „Ehrenhain“ zugedachten „schlichten besinnlichen Charakter“ zerstören würden. [1]Niederschrift der Friedhofsvorstandssitzung, 23.11.1956, Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, E.1.I. Ehrenhain, 1938–1960. Fortan musste sich die Schule eng mit der Friedhofsverwaltung abstimmen. Die Initiative des Schuldirektors, mit Gedenksteinen an die unbekannten Luftkriegstoten zu erinnern, billigten Architekt und Friedhofsvorstand. Diese sollten den Charakter der Gräber als Orte der Mahnung unterstreichen. Am 13. Februar 1957 wurden die ersten Steine mit biblischen und weltlichen Sinnsprüchen eingeweiht. Nach einem personellen Wechsel in der Schulleitung 1958 kam das Engagement der 25. Grundschule offenbar zum Erliegen.
Einebnung des Grabfelds
Parallel zu dem Schulprojekt wurde auch die Friedhofsverwaltung tätig. Im Herbst 1957 bat sie die Kirchgemeinden, die Junge Gemeinde und die Evangelische Studentengemeinde um Unterstützung bei der beabsichtigten Verlegung von Plattenwegen und bei Säuberungsarbeiten.
Ende der 1960er-Jahre rückte die Friedhofsverwaltung von ihrem bisherigen Umgang mit den Gräbern ab, der es Angehörigen ermöglicht hatte, Nutzungsrechte an einem Grab zu erwerben, ein Grabzeichen zu setzen und dieses selbst zu pflegen bzw. pflegen zu lassen. In einem Prozess, der bis Ende der 1970er-Jahre abgeschlossen war, näherte sie sich der Praxis auf dem Heidefriedhof an: Dort waren 1949 im Zuge der Errichtung eines „Ehrenhains“ die Grabzeichen Angehöriger entfernt worden. Hintergrund war der Rückgang der Pflegestellen zulasten ungepflegter, überwucherter Gräber und Grabreihen, für die die Ruhefristen abgelaufen waren. Um die Anlage pflegeleicht zu gestalten und maschinell instand halten zu können, war vorgesehen, die Grabsteine abzubauen.
Im April 1971 entschied sich der Friedhofsvorstand für ein von einer Steinmauer begrenztes Halbrund, auf dem Tafeln mit Namen und Bibelsprüchen aufgebracht sein sollten. Eine Vorstellung der Umgestaltungspläne bei der Stadtverwaltung im August 1971 führte allerdings zu erheblichen Abstrichen. Da der Heidefriedhof der einzige mit einer Gedenkarchitektur versehene Erinnerungsort für die Dresdner Luftkriegstoten bleiben sollte, musste die Friedhofsleitung auf die Steinmauer ebenso verzichten wie auf die Inschrift-Tafeln. Gestattet wurde das Planieren der Grabstellen zugunsten einer Grünanlage mit einer Hecke als Abschluss – unter Beibehaltung des Kreuzes nebst Schöpfbrunnen. Zudem wurde der Verwaltung des Johannisfriedhofs untersagt, in der Kommunikation mit Angehörigen von einer „Gedenkstätte“ zu sprechen. In einem Schreiben und per Aushang informierte die Friedhofsverwaltung die Grabstelleninhaber:innen über die Auflösung des Pflegevertrags zum Jahresende 1971.
Mehrere Angehörige veranlasste die bevorstehende Einebnung zur Umbettung der Überreste in Familiengräber innerhalb oder außerhalb des Johannisfriedhofs. Im November 1971 etwa wurden die Gebeine von Wolfgang Graf Vitzthum von Eckstädt in die Familienbegräbnisstätte auf dem Johannisfriedhof überführt. Als Major gehört er zu den Luftkriegstoten aus den Reihen der deutschen Wehrmacht. Die Witwe Hugo Zimmermanns nahm die angekündigte Einebnung zum Anlass, die Gebeine ihres Mannes in das Grab der Familie auf dem Friedhof Striesen überführen zu lassen, was ihr im Februar 1945 nicht gestattet worden war.
Nachfragen Hinterbliebener nach dem Verbleib der Grabsteine veranlassten die Friedhofsverwaltung zu der Überlegung, die Grabsteine „doch irgendwie an den Kanten rings um das Gräberfeld liegend oder an die Böschung gelehnt eng aneinander in alphabetischer Reihenfolge anzubringen“. [1]Notiz Kobisch, 6.12.1971, Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs, E.1.II. Ehrenhain, 1961–1976.
Bei meinem heutigen Rundgang durch den Johannisfriedhof stellte ich mit Bedauern fest, daß der Gedenkhain für die Bombenterroropfer vom Febr[uar] 45 verschwunden ist. Am Eingang dieses Hains stand ein schäbiges kleines Plakat mit der Bemerkung, wer keine schriftliche Mitteilung über den Verbleib erhalten hat, sollte sich in der Kanzlei des Friedhofs melden. […]
Ich bitte hierdurch um Mitteilung über den Verbleib des Grabes (mit Stein) der Insassen mit ihren beiden Pflegerinnen der orth[opädischen] Privatklink Dr. Göcke.*E. L. an die Verwaltung des Johannisfriedhofs, 23.11.1974 © Sammlung Verwaltung des Elias-, Trinitatis- und Johannisfriedhofs
* 19 in der Orthopädischen Privatanstalt von Prof. Dr. Göcke in der Räcknitzstraße 13 umgekommene Frauen, Männer und Kinder waren im „Ehrenhain“ bestattet.
Nachdem die Grabzeichen bereits abgetragen waren, verzögerte sich die Planierung des Grabfelds, da Muttererde fehlte. Angehörigen versicherte die Friedhofsverwaltung in den nächsten Jahren, dass die rund 300 Steine, die sie um das Grabfeld gruppiert hatte, wieder aufgestellt würden. Im Vertrauen darauf ließen einige Hinterbliebene ihr bisheriges Holz- durch ein Steinkreuz ersetzen, andere nahmen den Grabstein an sich. 1978 entschied sich der Friedhofsvorstand schließlich gegen die Wiederaufstellung der Steine, um die Pflege der Anlage auf ein Minimum zu reduzieren. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei der vier Felder noch immer nicht planiert.
Das Grabfeld nach 1989/90
Im vereinten Deutschland wurde die Gedenk- und Begräbnisanlage für die Luftkriegstoten unter den Schutz des Gräbergesetzes gestellt.
Nach einem Entwurf des Bildhauers und Malers Wolfram Hesse (1932–2021) aus dem Jahr 1992 fertigte der Steinmetz Hermann Weiß ein Gedenkkreuz aus Sandstein als Ersatz für das bisherige Holzkreuz. Aus acht Werkstücken übereinander gebaut, trägt das knapp drei Meter hohe Kreuz die Inschrift „Hier ruhen 3660 Opfer des Luftangriffes auf Dresden am 13. Februar 1945“.
Wenig später wurde die Rekonstruktion der Anlage mit dem Aufstellen von zwölf symbolischen Grabkreuzen, verteilt auf die vier Grabfelder, beendet. Der Entwurf stammte erneut von Wolfram Hesse, der mit den in Form und Größe identischen Kreuzen „Anonymität, Gleichheit und Vielheit“ der Bestatteten betonen wollte. [1]Verwaltung des Johannisfriedhofs an das Sächsische Landesamt für Familie und Soziales, 28.11.1994, Stadtarchiv Dresden / Zwischenarchiv, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, 8525/51.
2005 nahm die Friedhofsverwaltung die jährlichen Gedenkfeiern anlässlich der Luftangriffe im Februar 1945 wieder auf. Im Rahmen einer Projektpartnerschaft der Friedhofsverwaltung mit der 88. Oberschule „Am Pillnitzer Elbhang“ und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bargen Jugendliche im Schuljahr 2013/14 rund 150 der Anfang der 1970er-Jahre abgetragenen Grabsteine aus einer zugewachsenen Fläche neben dem „Ehrenhain“ und legten sie rechts und links des Zuwegs zum „Ehrenhain“ nieder. Dort befinden sie sich bis heute.
Seit 2003 ist der Johannisfriedhof Zubettungsfriedhof: Gebeine von Luftkriegstoten, die vor allem bei Bauarbeiten im Dresdner Stadtgebiet geborgen werden, werden – nach Freigabe durch die Staatsanwaltschaft – im „Ehrenhain“ des Johannisfriedhofs bestattet. Fast ausnahmslos können neu geborgene Tote nicht mehr identifiziert werden. 2009 gelang es jedoch, Elisabeth Friebel und ihre Tochter Eva zu ermitteln, die in der Scheffelstraße 10 ums Leben gekommen waren. Offiziell zählen sie dennoch zu den unbekannten Toten, da ein vollständig sicherer Identitätsnachweis fehlt. 2010 wurden die Überreste der beiden zusammen mit den Überresten weiterer Luftkriegstoter beigesetzt. Fotos zeigen das Absenken der mit weißen Rosen geschmückten Särge, die zugebetteten Särge im noch offenen Grab und Kränze der Beschäftigten des Friedhofs und des sächsischen Landtagspräsidenten am Gedenkkreuz. Zuletzt fand 2021 eine Bestattung von Luftkriegstoten statt.
Beerdigung nach 65 Jahren
Elf Opfer der Luftangriffe auf Dresden im Jahre 1945 wurden gestern in Tolkewitz beigesetzt
„Sie hat am Schauspielhaus gearbeitet und uns hin und wieder Karten besorgt“, erinnert sich die 72-jährige Dresdnerin Yvonne Pawleta an ihre Tante Elisabeth. Diese wurde nur 46 Jahre alt, kam bei der Bombardierung Dresdens am 13./14. Februar 1945 ums Leben. Gefunden wurden ihre sterblichen Überreste und die ihrer Tochter im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Bauarbeiten zur Erweiterung der Altmarktgalerie. Insgesamt waren elf Tote des Luftkrieges 2009 bei Grabungen im Bereich der ehemaligen Scheffelstraße bzw. der früheren Schössergasse am Neumarkt geborgen worden. […]
Dass die sterblichen Überreste von Elisabeth und ihrer Tochter Eva, die nach der Erinnerung der Cousine schwanger gewesen sein soll, identifiziert werden konnten, grenzt an ein Wunder. „Bei den sterblichen Überresten einer Person befand sich ein Betriebsausweis, auf dem noch ein Name zu lesen war“, gibt Polizeisprecherin Jana Ulbricht Auskunft. „Wir haben jedoch herausgefunden, dass der auf dem Ausweis verzeichnete Mann nachweislich in einem Lazarett in Österreich verstorben war. Da jedoch die Person einen gravierten Ehering trug, lag die Schlussfolgerung nahe, dass es sich um die Ehefrau handelte.“
„Ja, meine Tante hat in der Scheffelstraße gewohnt“, weiß Yvonne Pawleta […]
„Mein Vater ist nach dem zweiten Angriff in die Innenstadt gelaufen, um nach Tante Liesl zu suchen. Er kam aber bald wieder und meinte nur, dass es zwecklos ist und dass die dort nicht mehr rauskommen.“Catrin Steinbach, Dresdner Neueste Nachrichten, 13./14.2.2010 (Auszug)
Bis heute steht der „Ehrenhain“ auf dem Johannisfriedhof im Schatten des Heidefriedhofs. Anfang 1991 legten sich die Spitzen der Stadtverwaltung erneut auf den Heidefriedhof als Ort des Gedenkens der Stadt Dresden an die Luftkriegstoten fest. Diese Entscheidung bekräftigte der damalige Dresdner Oberbürgermeister Ingolf Roßberg Ende 2001 mit der großen Akzeptanz, „die der Friedhof als Ort des Gedenkens an alle Opfer unabhängig ihres Bestattungsortes seitdem erfahren“habe. [2]Ingolf Roßberg, 12.11.2001, Stadtarchiv Dresden/Zwischenarchiv, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, 8525/49. Seit 2010 richtet die Stadt Dresden die Gedenkfeier auf dem Heidefriedhof nicht mehr aus, die Stadtspitze beteiligt sich vielmehr aktiv an der alljährlichen Menschenkette.



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